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Der Stein als erstes Kulturgut? Bellacher hat ein Buch über Schalensteine veröffentlicht

Der Bellacher Benjamin Fässler hat ein Buch über Steine geschrieben, angetrieben vom Wunsch, unsere Welt zu verstehen.

Helmut Zipperlen
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Das Buch «Schalensteine und Megalithkultur im Kanton Solothurn» von Benjamin Fässler kann man gratis online lesen.

Das Buch «Schalensteine und Megalithkultur im Kanton Solothurn» von Benjamin Fässler kann man gratis online lesen.

Tom Ulrich / fotomtina

«Es geht nicht um meine Person, sondern um die Sache», sagt Benjamin Fässler, deshalb hat er sein Buch «Schalensteine und Megalithkultur im Kanton Solothurn» ins Internet gestellt, damit es von allen Interessierten gratis gelesen werden kann.

Der pensionierte, in Bellach wohnhafte Arzt, befasst sich seit 35 Jahren mit der Steinzeit und mit der Evolution der Menschheit in physischer und psychischer Hinsicht. «Wie kommt es, dass wir so viele Probleme auf der Welt haben?» Diese Frage war der Ausgangspunkt.

Er ist zur Überzeugung gekommen, dass die Harmonie der beiden Denkweisen Ratio und Intuition verloren gegangen ist und deren erneute Zusammenführung der Welt guttun würde. Er geht davon aus, dass die ersten Menschen sich intuitiv in die Natur eingebettet fühlten. Die Mutter Erde stand für Fruchtbarkeit und wurde als weibliche Figur verehrt. Davon zeugen unzählige Frauendarstellungen der Urzeit. Erst in der Jungsteinzeit sind die ersten personifizierten Götter aufgetaucht und die Gesellschaft wandelte sich ins Patriarchat und die Ratio gewann fortan Oberhand.

Verblüffendes astronomisches Wissen

2009 wurde Fässler durch Publikationen auf die Steine aufmerksam. Also erkundete er die Findlinge im Wald zwischen St. Niklaus und Riedholz. Er traf auf einen grossen Stein mit einem langen Grat und dreieckigem Querschnitt. Daneben liegt ein kleinerer Stein mit ähnlicher Form, der auf den ersten Blick im rechten Winkel liegt.

Messungen haben ergeben, dass die Grate der beiden Steine exakt auf die nördliche respektive südliche Grosse Mondwende ausgerichtet sind. Damit war die Neugier vollends geweckt und Fässler durchstreifte jahrelang das Walddreieck zwischen St. Niklaus, Riedholz und Rüttenen. Das Resultat war der 2013 durch das Steinmuseum realisierte Megalithweg. Seither haben viele Einheimische und Touristen diesen gut ausgeschilderten Weg begangen. Die durch den Rhonegletscher hinterlassenen Findlinge wurden in früherer Zeit oft als Baumaterial genutzt. Erst ab 1866 gelten sie als geschützt und nachdem Stefan Pinösch 1939 ein Verzeichnis erstellt hatte, vom Regierungsrat formell unter Schutz gestellt.

Allein im genannten Walddreieck befinden sich 600 Findlinge auf einer Fläche von vier Quadratkilometern. Darunter befinden sich etliche Schalensteine. Das sind Steine, welche eine schalenförmige durch Menschen geschaffene Vertiefung aufweisen. Er weist in seinem Buch auf die Schalensteine hin, die unterschiedlich gedeutet werden können.

In ganz Europa gibt es prähistorische Steinanordnungen, welche astronomisch erklärt werden können, was kein Zufall sein kann, sondern Kenntnisse der Himmelskunde ihrer Macher verraten. Das bekannteste Beispiel ist Stonehenge. Selbst in unseren Wäldern gibt es Steinsetzungen mit astronomischer Peilung. «Ich sage nie, dass es so war, sondern frage, ob es so gewesen sein könnte», sagt Benjamin Fässler.

Die Archäoastronomie ist ein junger Wissenschaftszweig. Es ist anzunehmen, dass sie weitere Aufschlüsse über die astronomischen und geometrischen Kenntnisse unserer Urahnen erbringt. Bekannt ist, dass das Christentum viele sogenannte heidnische Bräuche und Kultstätten in abgewandelter Form übernommen hat. So stehen denn verschiedentlich Kirchen auf einer geraden Linie, welche nach Mondphasen ausgerichtet ist. Lokal ist dies beispielsweise mit der Schlosskapelle Waldegg, der Kirche St. Niklaus und der Kirche des Klosters Namen Jesu der Fall. Das Buch wirft Fragen auf und lädt ein, sich die Objekte selber anzusehen.

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