«Weitblick»-Areal

Der Stadt fehlt für Niederlassung der Wagabunten ein «Konzept»

Bunt neben bunt in der Weststadt – und dennoch Wohnformen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Bunt neben bunt in der Weststadt – und dennoch Wohnformen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Vor der Silhouette der drei Sonnenpark-Blöcke steht die mobile Siedlung an Bauwagen und bis zum Beginn des Projekts «Weitblick» soll das laut der SP auch so bleiben. Die Stadt steht einem Zwischennutzungsvertrag mit den Fahrenden kritisch gegenüber.

Bern hatte das «Zaffaraya», in Basel gibt ein mit Bretterverschlag versehener Wagenplatz zu reden – und Solothurn beherbergt die mittlerweile weitum bekannten «Wagabunten».

Vor der Silhouette der drei Sonnenpark-Blöcke steht die mobile Siedlung an Bauwagen – Wohnstatt für sieben junge Erwachsene, alle erwerbstätig, die sich für diese alternative Wohnform entschieden haben.

Nicht nur vorbeifahrenden Automobilisten fällt die bunte Kommune auf: Auch die städtische Politik interessiert sich seit diesen Sommer für die «Wagabunten»: In einer Motion forderten die beiden SP-Gemeinderätinnen Franziska Roth und Sylvia Sollberger im Juni einen Zwischennutzungsvertrag für die Wohngemeinschaft.

Als Vorschlag nennen die Motionärinnen den Ort, wo sich die jungen Leute zurzeit befinden. Dort sollen bis zum Baubeginn der Quartierentwicklung «Weitblick» hausen dürfen – nach mehreren Standortwechseln: Die «Wagabunten» hausten unter anderem schon auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal, unter der Westumfahrungsbrücke, auf dem Borregaard-Areal, in Biberist bei der A5 und – sogar mit Genehmigung der städtischen Behörden – aussersaisonal auf dem Solothurner Badi-Parkplatz.

Der «Weitblick» kommt laut Motion auch deshalb als Standort infrage, weil die Stadt bereits dem im Bau befindlichen Bikepark Whitestone eine Zwischennutzung gewährt hat.

Ausserdem haben auch andere Städte wie Biel und Bern mit Zwischennutzungsverträgen für Anwohner und Bewohner von Wagenpärken befriedigende Situationen herbeigeführt, so die Motion weiter. Die Baufelder, die den heutigen Standort tangieren, wären zudem frühestens ab 2024 resp. 2031 realisiert.

«Es fehlt das Konzept»

Obwohl die Stadt als Grundbesitzerin eine winterlichen Zwischennutzung auf dem Badi-Parkplatz gewährte, steht das Stadtpräsidium der Motion ablehnend gegenüber.

Beim Bikepark, der südlich des Henzihofs am Entstehen ist, herrsche ein öffentliches Interesse vor, heisst es: Jugendliche sollen hier von einer Zwischennutzung profitieren können

Ebenso sei mit einem Betriebskonzept und mit bindenden Auflagen (WC-Anlage und Parkplatzkonzept) eine andere Basis gesetzt. Dieser Leihvertrag gilt bis frühestens 31. Dezember 2019.

Bei den «Wagabunten» hingegen fehle das genaue Konzept, sowie Angaben über die Nutzergruppen. Ebenso ginge es bei dieser Nutzung nicht um einen Standplatz, sondern eine Niederlassung über 365 Tage.

Von einer Zwischennutzung könne nach aktuellem Wissenstand beim Wagenpark nicht gesprochen werden. «Eine Zwischennutzung sollte der Gesellschaft die Möglichkeit bieten, etwas Neues auszuloten.

Die Idee ist nicht, dass einzelne Personengruppen sich in ihren Bedürfnissen ein Präjudiz verschaffen können», so die Motionsantwort. Aktuell diene der Wagenpark nicht der Öffentlichkeit. Ebenso fehlen laut Stadtpräsidium produktive Nutzungsansätze oder eine Identifikation mit dem Quartier.

Eine Baubewilligung brauchts

Auch macht die Motionsantwort klar, dass alternative Wohnformen ebenso eine Baubewilligung benötigen. Am kommenden Dienstag wird der Gemeinderat über die Motion befinden.

Würde diese erheblich erklärt werden, wären die «Wagabunten» dennoch nicht davon entbunden, auf gesetzlichem Weg eine Baubewilligung einzureichen, macht das Stadtpräsidium klar. Dazu müssten auch gestalterische, hygienische und sicherheitstechnische Anforderungen erfüllt sein.

Die aktuelle Nutzung sei hingegen widerrechtlich. Stadtpräsident Kurt Fluri hat die «Wagabunten» aber an der Grabackerstrasse gewähren lassen, weil eine Zwangsräumung aus seiner Sicht unverhältnismässig gewesen wäre – bislang.

Die «Wagabunten» bezogen nach einer internen Sitzung bereits Stellung zur Motionsantwort: «Eine Zwischennutzung über 365 Tage im Jahr ist sehr wohl möglich», sagt ein Sprecher der Gruppe. Es gebe andernorts Wagenplätze, wo eine Zwischennutzung über zehn Jahre gewährt worden sei.

«Wir sind auch über die Aussage erstaunt, dass man seitens Stadt die Nutzer nicht kennt. Wir haben uns an den Sitzungen immer mit Name und Vorname vorgestellt.» Ebenso sei man dazu in der Lage, ein Konzept – auch für sanitäre Anlagen – vorzulegen. «Nur wurde ein solches Konzept bisher nie gefordert.»

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