Ganz anders als sonst ist die Adventszeit in Solothurn. Nein, wir reden nicht vom fehlenden Schnee, das ist das Normalste der Welt. Aber irgendwie fallen nicht nur Weihnachten, sondern auch der Samichlaustag dieses Jahr saublöd. Das führt zu einem Phänomen, das wir so unsres Wissens noch nie erlebt haben: Samichlaus und Schmutzli kommen mit Verspätung. Erst einen und dann sogar zwei Tage nach dem 6. Dezember. Und das ausgerechnet am Samichlausfest der Feste: dem Chlausemäret auf dem Friedhofplatz. Nun, auch am 7. und 8. Dezember hört sich der Chlaus noch Versli an. Die Kinder können dafür länger üben. Und der Glühwein schmeckt auch mit Verspätung noch. Die bunten Chlausemäret-Tassen gibt es ja bereits im Grossformat in der Auslage von Region Solothurn Tourismus zu bewundern. Dank ihrem Schöpfer Max Kaeser. Und das ist das Positive am Ganzen: Die Tassen bleiben länger denn je im Schaufenster – bis zum 7. und 8. Dezember. Ein Rekord.

Anders ist natürlich längst nicht alles. Es «konzertet» und «liedet», wo noch eine Kirche oder ein Saal frei ist. Geschwister Biberstein da, Jugendmusik dort, die Jackson Singers kommen auch noch und die Singknaben warten mit einer neuen CD auf. Schwierig, die Übersicht zu behalten. Die «Sternschnuppen» fangen heute Mittag zum zehnten Mal in der Franziskanerkirche an und bringen für einmal etwas ganz anderes: Vater und Tochter Fluri haben ihre Auftritte dort. Da soll noch einer sagen, während des Advents bleibe bei uns alles beim Alten.

Andere Impressionen in Sachen Lichterzauber gäbe es eigentlich keine. Die offizielle, unheimlich gut angekommene Weihnachtsbeleuchtung hat ja keine weitere Ausdehnung mehr erfahren. Speziell: Ausgerechnet der Hotspot des Solothurner Nachtlebens zeigt sich völlig unweihnachtlich. Hat er nicht nötig, weil sonst schon so attraktiv. Es ist auch gar nicht möglich, den Landhausquai mit Lichterketten zu bestücken. Denn dort, wo sich sonst die andere Strassenseite zur Montage anbietet, grüsst nur die bisengepeitschte Aare.

An der Fassade werdet ihr ihn erkennen. Altstadt-Immobilien-Tycoon Urs Rudolf. Das war bisher. Jetzt ist alles anders. Was haben wir ihn «angezündet» wegen seiner Niagarafälle von Licht am Märetplatz oder wegen seiner Leuchtpäckli-Orgie am «Klosterhof»! Jetzt hat sich Rudolf vom Saulus zum Paulus gewandelt. Ihm ist regelrecht ein Licht aufgegangen. Statt Päckli gibts jetzt auch am Klosterplatz dezente Lichterperlen in der Vertikale, die perfekt zur offiziellen Beleuchtung passen. Das sei ein teurer Spass gewesen, beteuert Rudolf. Mag sein. Aber wir haben Spass daran.