Stadtbummel

Der Sonnenkönig duldet nicht jeden Kaffee

Im Couronne wird nur französisch serviert.

Im Couronne wird nur französisch serviert.

Offenheit ist was Tolles – ganz ehrlich: So toll, dass es auch im räumlichen Leitbild als Schlagwort auftaucht. Solothurn will eine offene Stadt sein – und genau dies in Zukunft noch mehr werden. Schön. Doch das wollten ihre Lenker und Leiter damals auch, als man die historischen Schanzen abzutragen begann. Manchmal passieren Malheurs aus besten Absichten. Und wer Offenheit signalisieren will, liegt womöglich dennoch «schepps». Die Geschichte möge da ein guter Lehrer sein.

Offenheit wird im «La Couronne» zelebriert: Gleichsam der Marienstatue, die nebenan auf der Jesuitenkirche über die Dächer der Altstadt (ungefähr) gen Westen in die Weite blickt, schaut man auch am Eck weiter vorne in Richtung Versailles. Speisen wie Gott in Frankreich ist angesagt. Will hier aber die bessere Hälfte des Stadtbummlers einen Latte Macchiato oder einen Cappuccino bestellen (der Bummler selbst trinkt nur Tee), so gibts ein «Pardon, seulement français!» Und damit ist nicht gemeint, dass die Bestellung auf französisch erfolgen muss, nein ...

Ganz offen erfährt man auf Nachfrage, dass Un-Französisches auf der Menükarte nichts verloren hat. Wohl auf Dekret des Sonnenkönigs Louis-même? Die «befleckte Milch», nachweislich italienischen Ursprungs, und der auf den österreichischen «Kapuziner» zurückgehenden Cappuccino passen offenbar pas du tout ins Konzept des Sonnenkönigs. Immerhin gibts einen Café au lait – Olé! Dass Louis XIV. hingegen den Badischen Spargel und das Roastbeef wohlgefällig auf der Karte duldet, muss dann wiederum was mit Diplomatie zu tun haben ...

Offen gesagt: Angesichts des nun erhitzten Gemüts ist ein Bier im «Alten Stephan» nötig. Dieses war – noch schlimmer! – aus Olten, bis es auf Anraten beherzter Kulturhüter von der Menükarte auf den Index verbotener Getränke wanderte. Es gibt kein (auswärtiges) Bier auf Hawaii – und somit auch in Honolulu nicht. Oltner Hopfen zählt botanisch gesehen wie Ambrosia zu den invasiven Neophythen. Allergische Reaktionen sind damit gut erklärbar. Merke: Die Schanzen sind eben auch bis heute nicht ganz weg. Lediglich auf dem Seeweg besteht derzeit ungehinderter Durchlass: für Gummiböötli, Schwimmringe und aufblasbare Einhörner – oder für die flauschige, neunköpfige Schwanenfamilie.

Offenheit ginge natürlich auch ganz anders: Was am vergangenen Wochenende am Freundschaftsfest am Oberen Winkel zu beweisen war. Spanien, Italien, Sri Lanka, Türkei, Balkan und Thailand liegen hier gleich nebeneinander. Auch Badischen Spargel und Roastbeef würde man da sicherlich nicht verschmähen. Und zum Abschluss vielleicht einen Cappuccino ...?

Meistgesehen

Artboard 1