Nur noch die Bise vermochte am Wochenende die Aufbruchstimmung in der Badi Solothurn zu trüben. Endlich Sommer! Endlich der Sprung ins zugegebenermassen noch etwas kühle Aarewasser und endlich entspanntes Vor-sich-hin-Träumen auf dem Liegestuhl unter schattigem Blätterwerk. Der freundliche Herr aus Lyss, der vor dem Kiosk seinen Kaffee trinkt und sich als Stammgast bezeichnet, bringt es auf den Punkt: «Ich fühle mich hier sehr wohl. Ein Fluss versetzt die Menschen in Ferienstimmung.»

Nicht weit von ihm entfernt sitzt Andi Reinhart aus Niederwil, der im Bürgerspital arbeitet und auch gleich ins Schwärmen gerät: «Wenn ich ins Wasser schaue und die Spiegelungen beobachte, ist das auch für mich wie in den Ferien.» Ob es ihn störe, wenn sich die Badi nun mehr und mehr fülle? «Keineswegs, das gehört dazu und schadet der Atmosphäre nicht.»

Abos gehen weg wie frische Weggli

Auch Bademeister Roger Schwägli freuts, dass es nun endlich Sommer wird. «Wir haben alles vorbereitet, damit sich die Badegäste bei uns wohlfühlen. Endlich können wir zeigen, wie schön diese Anlage ist.» Auch Bademeister hätten ihren Berufsstolz, betont er. Und zudem ist er überzeugt: «Unsere Badi ist eine der schönsten in der Schweiz.»

Wenn sich der Sommer in den kommenden Wochen doch noch von seiner schönsten Seite zeigen will, hat das «Kompensieren» für das Team nun ein Ende und Arbeit ist angesagt. «Zurzeit sind vier Mann im Einsatz. Wenn mehr als 4000 oder 5000 Menschen Einlass ins Bad begehren, wird noch ein fünfter Mann aufgeboten.» Das hänge auch von der Temperatur in der Aare ab, denn wenn nicht mehr mit Schmelzwasser zu rechnen sei und sich auch die Bise verabschiedet habe, könne sich die Aaretemperatur innerhalb weniger Stunden um zwei und mehr Grad erhöhen. 

Alle Hände voll zu tun hat nun auch Kassierin Beatrice Känzig. Plötzlich gehen auch die Abonnemente wie frische Weggli weg.

Badiwirt mit Hoffnung

Und der Badiwirt? «Wenn das Wetter so bleibt, ist das für mich und das auf Abruf bereitstehende Personal eine Erlösung.» Die Durststrecke war lang, aber Ernst Schär mag nicht jammern. «Man muss es nehmen, wie es ist und stets frohen Mutes sein.» Seine langjährige Erfahrung hat ihn gelehrt, dass das Badigeschäft eine sensible Angelegenheit ist. «Es genügt, wenn ein paar Wolken am Himmel stehen. Dann geben die Leute sofort einem anderen Freizeitangebot den Vorzug.»