«Er ist der Boss», sagen die anderen Marktfahrer und lachen. Von ungefähr kommt diese Bezeichnung nicht. Niklaus Bolliger hat vor 20 Jahren zur Gründung der IG Märet aufgerufen und gleich eine grosse Gefolgschaft hinter sich versammelt. Den Ausschlag gab das Märetfest, dessen Organisatoren die Marktfahrer am Samstag aus der Stadt verbannen wollten.

«Wir sind zusammengestanden und haben uns gewehrt», blickt der Hessigkofer Biobauer auf turbulente Zeiten zurück. Und was ihn besonders freute: «Die Kunden standen hinter uns und begrüssten unsere Absicht, eine Petition einzureichen.»

Mit Erfolg, wie sich herausstellte. Dass Niklaus Bolliger noch heute der richtige Mann ist, die «Interessengemeinschaft Solothurner Wochenmarkt» gegen aussen zu vertreten», wird von seinen Kollegen nicht angezweifelt. Es sei wichtig, dass sie einen kompetenten Ansprechpartner hätten. Und dieser bestätigt: «Ich habe keine Berührungsängste gegenüber den Behörden. Man kann immer reden miteinander.»

Kurzer Weg vom Hof zum Tisch

Doch an diesem Montagmorgen steht Niklaus Bolliger, der auffällig gross gewachsene Mann, in der Küche und schiebt einen Gigot in den Ofen. «Am Montag koche ich», sagt er und zählt, wer am Mittag am Tisch sitzen wird. Auf dem Rigihof sind die Ämter klar verteilt, auch was den Betrieb betrifft. «Meine Frau Regula ist für den Gemüseanbau zuständig und ich für den Obstanbau.»

Ende der Neunzigerjahre hat der Ingenieur-Agronom begonnen, Apfelkerne auszusäen, mit dem Ziel, neue Sorten zu entwickeln, die einerseits den heutigen hohen Qualitätsansprüchen genügen und anderseits den biologisch-dynamischen Grundregeln gerecht werden. Was als Feierabendbeschäftigung begann, wurde bald zur Vollzeitbeschäftigung.

2004 stellte der Tüftler das Projekt auf eine breitere Basis und gründete den gemeinnützigen Verein Poma Culta. Dieser unterstützt die Bemühungen des Apfelzüchters und hilft, Spenden zu generieren. Bereits haben die Märet-Kunden die ersten Früchte aus dem besonderen Baumgarten – Niklaus Bolliger nennt diesen Pomaretum – kosten können. Die Direktvermarktung ist ganz im Sinne des Biobauern, der Wert darauf legt, dass der Weg vom Hof auf den Tisch möglichst kurz ist.

Neue Samen aus den Ferien

«Weder meine Frau noch ich sind in einer Bauernfamilie aufgewachsen», erzählt Niklaus Bolliger. «Aber wir gehörten zu der 68er-Bewegung, die Alternativen ausprobieren wollte und Sehnsucht nach dem Landleben hatte.» Nach dem Studium sei ihm erst nicht klar gewesen, wo er sein Wissen einsetzen könnte.

«Meine Frau Regula dagegen war überzeugt, dass es etwas Praktisches sein sollte.» Und etwas Besonderes. Bald begann die Suche nach einem geeigneten Bauernhof. Schliesslich wurde das junge Paar im Bucheggberg fündig, wo der Rigihof zum Verkauf ausgeschrieben war. «Wir übernahmen sechs Hektaren Land und mieteten noch neun dazu.»

Danach wurde der Betrieb sukzessive ausgebaut. Heute unterstützen zahlreiche Helferinnen und Helfer sowie drei Auszubildende die Gemüse- und Obstbauern bei ihrer Arbeit. Auch ein paar Mutterkühe und Schafe gehören zum festen Bestandteil des auf einer Anhöhe gelegenen Hofes. Bereits am Anfang war klar, dass der Hof nach dem biologisch-dynamischen Prinzip bewirtschaftet werden soll. Diesem Grundsatz sind Regula und Niklaus Bolliger treu geblieben.

1986 entschlossen sich die beiden, die Produkte auf dem Solothurner Märet zu verkaufen. «Der Solothurner Märet ist einer der schönsten in der Schweiz», weiss Niklaus Bolliger. Und weil sie von den Ferienreisen immer wieder Samen von nicht bekannten Gemüsen nach Hause bringen, können sie die Kundschaft auch immer wieder mit etwas Neuem überraschen. Dass eines der Kinder den Hof einst übernehmen wird, glaubt Niklaus Bolliger nicht. «Aber er wird auch in Zukunft funktionieren.»