Ravicini-Preis
Der Soldaten Glück und Elend: Auszeichnung in Solothurn für Dissertation zu Militärdramen

Tilman Venzl wurde im Alten Spital für Arbeiten zur Trivialliteratur mit dem Ravicini-Preis ausgezeichnet. In seiner Dissertation «Itzt kommen die Soldaten» untersuchte er deutschsprachige Militärdramen aus dem 18. Jahrhundert.

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In Solothurn wurde zum 3. Mal der Ravicini-Preis vergeben.

In Solothurn wurde zum 3. Mal der Ravicini-Preis vergeben.

Wolfgang Wagmann

Zum dritten Mal wurde im Alten Spital in Anwesenheit von Regierungsrat Remo Ankli und Stadtpräsident Kurt Fluri der Ravicini-Preis für Arbeiten zur Trivialliteratur verliehen. Preisträger Tilman Venzl konnte die Jury unter dem Vorsitz von Elisabeth Kully mit seiner Dissertation «Itzt kommen die Soldaten», Studien zum deutschsprachigen Militärdrama des 18. Jahrhunderts, überzeugen.

Der 1983 in Starnberg geborene Tilman Venzl studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Mathematik an verschiedenen Universitäten und reichte seine Dissertation an der Universität Stuttgart ein, wo sie mit summa cum laude ausgezeichnet wurde. Nach der Lektüre des Dramas «Die Soldaten» von J. M. R. Lenz stellte er fest, dass die meisten Dramatiker des 18. Jahrhunderts in ihren Werken von der Annahme ausgingen, dass Soldaten unverheiratet sein müssen. So kam es zu seinem Fokus auf die Militärdramen.

Der Laudator Mario Andreotti erinnerte zu Beginn an Schillers militärische Ausbildung, in welcher Lektüre und auch Dichten verboten waren, um dann den Bogen zu Lessings «Minna von Barnhelm» zu spannen. Dieses Lustspiel heisst im Untertitel «Das Soldatenglück». Der Offizier Tellheim und sein Bursche Werner dürfen schliesslich am Schluss ihre Minna respektive Franziska in die Arme schliessen, ohne den Dienst quittieren zu müssen.

Dissertation wirft neues Licht

Da im 18. Jahrhundert die stehenden Heere entstanden, bewirkte dies eine Vermischung von Gesellschaft und Militär, was besonders in der dramatischen Literatur nicht ohne Folgen blieb. Bereits vor Lessings Lustspiel haben sich die Wanderbühnen dieses Themas angenommen. Die Literaturgeschichte ging indessen bis jetzt von der Annahme aus, dass alle nach Lessing entstandenen Werke eine Art Variante der Minna seien. So vermag denn die Dissertation von Tilman Venzl ein neues Licht auf die entsprechenden Theaterstücke zu werfen. Christoph Greuter umrahmte den Festakt mit zum Thema passender Musik. Im Rahmen dieser Feier wurde Jurymitglied Sandra Despont verabschiedet. (hz)

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