Naturmuseum Solothurn
Der Säugetieratlas: Warum sich Biologen für das Beutegut von Stubentigern interessieren

Was Hauskatzen fangen und stolz nach Hause tragen interessiert Wildbiologen. Nun hat das Naturmuseum Solothurn das Projekt «Zeig mir deine Maus, Katze!» gestartet – und sucht vier- und zweibeinige Unterstützung.

Raphael Karpf
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Der Jagdtrieb der Katzen kann durchaus auch der Forschung dienstbar gemacht werden.

Der Jagdtrieb der Katzen kann durchaus auch der Forschung dienstbar gemacht werden.

Katzen im Dienste der Wissenschaft. Keine Sorge, den Miezen wird dabei kein Haar gekrümmt. Für einmal werden sie zu Forschern, nicht Forschungsgegenständen. Was die Jäger stolz nach Hause bringen, das interessiert. Mäuse und andere kleine Säugetiere können, möglichst bevor sie zu stark verwest sind, im Naturmuseum Solothurn und an weiteren Stellen abgegeben werden.

Aber Vorsicht: Die Kadaver können Träger von Krankheiten sein und sollten nicht mit blossen Händen angefasst werden. Deshalb gilt: Die Beute mit einem Plastiksack angefasst und verpackt, dem Ganzen ein Zettel mit Fundort und -datum beigegeben. Experten bestimmen die Tiere dann und melden, um welche Art es sich gehandelt hat.

Für den Säugetieratlas

Das Projekt «Zeig mir deine Maus, Katze!» wird vom Naturmuseum Solothurn in Zusammenarbeit mit dem Berner Büro für Wildtierbiologie «Quadrapoda» durchgeführt. Von den Vorkommen und der Verbreitung kleiner, wild lebender Säugertiere wisse man nur wenig. Ziel sei deshalb eine Bestandesaufnahme in den Kantonen Solothurn und Bern.

Die erhaltenen Informationen fliessen dann in den neuen Säugetieratlas der Schweiz und Liechtenstein ein, der sich momentan in Arbeit befindet. Bis im Herbst 2018 haben Katzenhalter so die Möglichkeit, der Wissenschaft unter die Arme zu greifen. Träger dieses Projekts ist die «Schweizerische Gesellschaft für Wildtierbiologie».

Apropos Mäuse: Landwirtschaft befürchtet eine Schermausplage

Für die Wissenschaftler sind sie schützenswerte Forschungsobjekte, für Landwirte schlicht Schädlinge: die Schermäuse. Die Nager leben in Tunnelsystemen unter Feldern und Wiesen, fressen Wurzeln und werfen Erdhaufen auf.

Ihr Vermehrungspotenzial ist enorm. Ein Weibchen wirft bis zu fünf mal jährlich bis zu acht Jungen. Der Nachwuchs selber ist bereits nach zwei Monaten geschlechtsreif. Ausgehend von einem einzigen Pärchen kann so theoretisch in nur einem Jahr eine Population von 500 Mäusen entstehen. Erreicht die Population eine Grösse von 1000 Tieren pro Hektare, bricht sie ein, nur wenige Exemplare überleben.

Das Jahr 2017 hatte eine lange und warme Vegetationszeit. Ein bis zwei zusätzliche Würfe konnten Schermäuse deshalb aufziehen. Jetzt bekomme man die Folgen davon zu spüren, erzählt Edgar Kupper, Landwirt aus Laupersdorf und Kantonsrat. «Letzten Herbst gab es grosse Populationen, diese führten, zusammen mit dem lange trockenen Frühling 2018, zu Ernteausfällen. Besonders in höher gelegenem Naturland.» Dieses Jahr seien die Nager aber bisher noch nicht so aktiv gewesen. «Hoffen wir, dass es so bleibt.»

Die «Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus» richtete 2010 den «Schermausradar» ein. An verschiedenen Orten in der Schweiz werden jährlich die nagenden Schädlinge gezählt. Entwicklungen der Bestände und mögliche Risiken können damit beurteilt werden. Diesen Frühling wurden an
80 Prozent der Standorte mehr Mäuse als im Vorjahr gezählt, schreibt der landwirtschaftliche Informationsdienst. «Im Kanton kann aber nicht von einer ausserordentlichen Mäuseplage gesprochen werden», gibt Lorenz Eugster vom Amt für Landwirtschaft Entwarnung. Ebenso der kantonale Bauernverband: «Von besonders gravierenden Fällen haben wir bisher noch nichts
gehört.» (rak)

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.bit.ly/katze-maus

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