Frühlingswetter

Der Saisonstart war für die Aussenbeizen in Solothurn harzig

Schlange stehen war bisher an der Hafebar nur an wenigen Abenden ein Thema.

Schlange stehen war bisher an der Hafebar nur an wenigen Abenden ein Thema.

Sie hoffen auf den Juni, doch der ganz grosse Sommer ist noch nirgends auszumachen. Für die Betreiber von Aussenrestaurants in Solothurn ist der Saisonstart vom letzten Jahr nur eine schöne Erinnerung, wie es sein könnte.

Der zuletzt nasse und ständig kühle Frühling zehrt an den Nerven der städtischen Outdoor-Gastroszene. Vom letzten Sommer und Herbst her war man sich anderes gewohnt. Und bald Ende Mai konstatieren erste Betreiber sogar: der bisher beste Monat im laufenden Jahr war der kürzeste gewesen – der Februar. Ein Tour d’horizon querbeet durch Betriebe, die vom Wetter abhängig sind.

Wenig Arbeit an der Hafebar

Letztes Jahr habe die Hafebar allein im April mehr Bier ausgeschenkt als bis Mitte Mai, dies musste man beim Lieferanten, der Öufi-Brauerei feststellen. «Die Hafebar ist eben ein extrem wetterabhängiger Betrieb», erzählt Alex Künzle eine Binsenwahrheit. Tatsächlich war die In-Bar beim Rollhafen bisher mehr geschlossen als offen gewesen, und Co-Geschäftsführerin Stephanie Seiler bestätigt: «Ja, es ist kein Vergleich zum letzten Jahr. Damals waren wir sehr verwöhnt.»

Einzig die Ostertage seien gut gewesen, danach spielten der Regen, oder wenn es trocken war die kalte Bise, den Spielverderber. «Der Personaleinsatz war bisher nicht befriedigend», meint Seiler angesichts der wenigen möglichen Arbeitstage. Noch sei die Situation aber «nicht so tragisch», da viele studierende Mitarbeitende noch Prüfungen zu absolvieren hätten und ergo weniger Zeit. «Aber so darfs nicht weitergehen - für uns, wie für die Leute, die vor der Bar stehen.»

Die Kompensations-Geschäfte

Alex Künzle tröstet sich dagegen mit einer alten Brauer-Weisheit: «Das Wetter wird beim Bierumsatz allgemein stets überschätzt.» Es gebe auch bei Schlechtwetter immer genug Fans des Gerstensafts, weiss er mit Blick auf seine «Öufi»-Beiz, die dafür besser gelaufen sei und den mangelnden Absatz im Freiluft-Geschäft bis jetzt fast kompensiert habe.

«In der ‹Wirthen› fantastisch, im ‹Gallo nero‹ nur die Hälfte», dies das knappe Resumée von Chris van den Broeke, der die beiden Betriebe mit Aussenplätzen im Herzen der Altstadt führt. Während er im Zunfthaus mit seinem Innenangebot den fehlenden Aussenbesuch gut kompensieren kann, ist dies vorne am Märetplatz weniger möglich. Bezeichnend für diesen schlechten Frühling: Das «Gallo Nero» sei diesen Frühling nur gerade an zwei Sonntagen geöffnet gewesen.

«Sind im Budget»

Nicht klagen mag Franz Herger, Finanzchef der Genossenschaft Baseltor. «Wir sind bis jetzt im Budget», spricht er für die vier Betriebe La Couronne, Baseltor, Salzhaus und das «SolHeure», wo der Aussenbetrieb an der Aare ein wichtiges Standbein ist. «Aber wir können dies bei schlechtem Wetter durch den Innenbetrieb wettmachen», ist Herger überzeugt, der wie andere auch einen Ausreisser nach oben im Februar ausgemacht hat. Es gebe halt immer wieder saisonale Schwankungen meint er mit Blick auf den durchzogenen Mai. «Und vielleicht sieht in zwei Monaten wieder alles anders aus.»

"Alle spüren das"

Entschieden weniger positiv sieht die Situation Schuan Tahir in seinem Stadtcafé vorne am Märetplatz. «Wenn es regnet, kommen die Leute nicht in die Stadt», will er auch generell einen Frequenz-Rückgang vor allem an Donnerstagabenden und an den Wochenenden in der Altstadt festgestellt haben. «Alle spüren das», verweist er auf die umliegende Geschäfte, «Aber man kann nichts machen.» Vor allem würden weniger alkoholische Getränke konsumiert, was sonst Umsatz bringe. «Zum Glück habe ich noch den Partykeller für Geburtstage und ähnliche Anlässe», verweist Tahir auf sein trotz Wetterpech noch funktionierendes Standbein.

Ein Sonnenstrahl genügt

«Der Februar war der beste Monat bisher», erinnert sich Damaris Häfeli an die frühlingshaften Wochen in und vor ihrem Café Barock Bar mit fast etwas zwiespältigen Gefühlen. «Draussen am Landhausquai war alles voll, drinnen auch, und oft standen noch 20 bis 30 Leute vor der Bar.» Sie habe deshalb gar den Betreib umstellen müssen. In Solothurn genüge «ein Sonnenstrahl», und schon seien die Leute da.

Das kühle und nasse Wetter der letzten Wochen habe jedoch auch seine guten Seiten gehabt – fehlte es doch an Personal. «Wir sind fleissig am Aufstocken, damit wir parat sind, wenn der Sommer kommt." Mit dem bisherigen Saisonverlauf ist Damaris Häfeli nicht unzufrieden, auch wenn beim zuletzt herrschenden Wetter schon anders konsumiert werde – Cocktails und Bier seien weniger gefragt. Aber einen Nachteil habe das wechselhafte Wetter schon: «Der Personaleinsatz ist sehr schwierig zu planen.»

Neopren in der Badi

Sicher anders vorgestellt hat sich den Saisonstart in der Badi Michael Brüderli, Geschäftsführer der Suteria, die seit diesem Jahr das Schwimmbad-Restauant führt. «Die bisherige Hauptkundschaft waren Leute, die am Wochenende ihre Kästli eingerichtet haben», flachst er. Und die wenigen Schwimmerinnen und Schwimmer hätten sich nur mit Neopren-Anzügen ins Bassin-Wasser gewagt, das anfangs nicht mehr als 14 Grad aufwies.

Für den Stadtbetrieb der Suteria muss Brüderli ebenfalls einräumen: «Wenn es regnet, sind halt generell weniger Leute in der Stadt.» Er hoffe nun auf den Juni: «So 25 Grad wären ideal!»

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

Meistgesehen

Artboard 1