Solothurn
Der Rittersaal im von Roll-Haus erstrahlt in neuem Glanz

Ab September ist Solothurn um ein Barockjuwel reicher: So wird zurzeit noch an einem «Rohdiamanten» geschliffen, der im Von-Roll-Haus beim Kronenplatz jahrhundertelang weitgehend unbeachtet blieb - den Rittersaal, der um 1700 erstellt worden war

Andreas Kaufmann
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 Schon die Begrüssung in der Treppenhalle verspricht mehr als das Blaue vom Himmel.
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 Die moderne Beleuchtung schafft einen Kontrast zum historischen Kontext und sorgt für ein Licht, das die kunstvolle Deckenmalerei entsprechend hervorhebt.
 Als könnte man die Fruchtgirlanden anfassen. Ein Trompe-l'oeil, eine optische Täuschung erster Güte.
 Rundherum sind die Wappen der einzelnen Familiendynastien angeordnet. Das besondere dabei: Die Wappen sind abwechslungsweise paarweise und einzeln angeordnet. Die Doppelwappen sind für den Hausherrn von Roll und seine Ehefrau, das Einzelwappen für die Mutter der eingeheirateten Ehefrau.
 Die nicht mehr sichtbaren Goldnuancen wurden durch die Renovation wieder hervorgeholt.
 Der holzgetäferte Raum hinter dem Rittersal diente zunächst vermutlich als Salon, später als Kontor (Büro) des Gründers der Eisenwerke von Roll: Ludwig von Roll.
 Der mächtige Rittersaal, der um 1700 entstand, öffnet durch das illusionistische Deckengemälde von Michael Vogelsang, den Zugang zum Himmel.
Erste Einblicke in den Rittersaal des Solothurner von-Roll-Hauses
 Kachelofen im Kontor
 Bei der Renovation wurde auch die alte Farbe der Täferung wieder hervorgeholt.
 Kamin im Kontor
 Auch hier erstrahlen die Golddekorationen wieder in neuem Glanz.
 Eine rundum goldige Sache.

Schon die Begrüssung in der Treppenhalle verspricht mehr als das Blaue vom Himmel.

Andreas Kaufmann

Anlässlich der Solothurn-Classics-Eröffnung von Donnerstag erhielt eine Gästeschar bereits einen Einblick in den Rittersaal, der sich zurzeit noch in der Renovation befindet. Ebenso im neuen Glanz wird im Herbst auch die Treppenhalle erstrahlen und der holzgetäferte Raum hinter dem Rittersaal.

Ein Streich für die Augen

«Einen im Barockstil derart ausgestatteten Privatsaal kann man in Solothurn lange suchen», kommentiert Denkmalpfleger Stefan Blank, der die Renovation mitbetreut. Er deutet auf die Höhepunkte der Räumlichkeiten hin: «Prunkstück ist sicherlich das Deckengemälde von Michael Vogelsang, das ebenfalls um 1700 von Johann Ludwig von Roll in Auftrag gegeben worden war.» Wie Blank weiter erklärt, handelt es sich dabei um eine illusionistische Malerei, die über eine perspektivische Darstellung einen scheinbaren Blick durch ein offenes Dach in den Himmel freigibt. Dahinter das Zentralmotiv: ein Mann mit Spiegel, eine Frau mit Schlange, dazu ein Adler: «Es sind die Kardinaltugenden der Klugheit, die der damalige Hausherr wiedergeben wollte.» Umsäumt wird das Deckengemälde von den Wappen in der chronologischen Abfolge der Familiendynastien von Rolls. Ebenfalls mit einem eindrucksvolles Trompe-l'oeil, einer optischen Täuschung, wird der Besucher auch im Treppenaufgang begrüsst. So gesellen sich zu den echten Balustraden aufgemalte, die von Blumen umrankt ebenfalls den Blick ins Blaue freigeben. An den Malereien in den Räumlichkeiten war nur eine Reinigung, keine Farbauffrischung nötig.
Hingegen werden noch Tapetenabschnitte erneuert, Täferungen erhalten ihre Farbigkeit wieder und nicht mehr sichtbare Golddekorationen erstrahlen bald in ihrem alten Glanz. Bereits ans Tageslicht geholt wurde der alte Holzparkettboden, der unter einer jüngeren Abdeckung verborgen war.

Breite Nutzung ab September

Vor Beginn der Erneuerung hatte der Rittersaal eine Zeitlang als Atelier einer Restauratorin gedient. Die Nutzung ab September wird weitaus breitenwirksamer sein, wie auch Tourismusdirektor Jürgen Hofer schon jetzt andeutet, der nebenan sein Büro hat. «Die Räume werden für repräsentative Anlässe werden.» Vorstellbar sind Ehrungen, Bankette, Konzerte, ebenso Vermietungen für Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern im angemessenen Rahmen sind möglich. Bis zum Ende des «Feinschliffs» bleibt das Juwel nun allerdings - mit Ausnahme des gestrigen Anlasses - weiter unter Verschluss.