Noch ist Polen nicht verloren. Frei interpretiert nach den ersten Worten der polnischen Nationalhymne weckte Xherdans Traumtor die Hoffnung der Standbetreiber beim Märetfescht. Granits Fehlschuss bedeutete die kalte Dusche, dann fiel das Märetfescht tatsächlich ins Wasser: Der Regen kühlte die Gemüter weiter ab. Als kurz nach neun Uhr ein imposanter Regenbogen am östlichen Himmel erschien, keimte zwar noch einmal Hoffnung auf. Aber es war zu spät. Nichts wurde aus der erhofften Riesenparty mit Bombenstimmung. In der Solothurner Altstadt fand nur ein friedliches Zusammensein statt.

Beim Rugby Club Solothurn tröpfelte ab und zu einer rein, um ein Bier zu trinken. Der noch junge Verein hatte sich entschlossen, vom Bieltor hinunter auf den Klosterplatz zu zügeln, obwohl dort die Standmiete etwas höher ist. Es dürfte sich nicht gelohnt haben. Beim Club wäre man zufrieden, wenn bei der Schlussabrechnung 500 Franken übrig bleiben. Etwas besser sah es beim FC Subingen aus. «Mit dem Freitag sind wir recht zufrieden», sagte Daniel Wiedmann. Das hat einen einfachen Grund: Der FC kann von der grossen Zahl seiner Anhänger profitieren, obwohl die Stimmung auf dem Klosterplatz insgesamt müde blieb.

Märetfescht in Solothurn 1

Ein Augenschein vom diesjährigen Märetfescht.

   


Hoffnung allein reicht nicht

Fazit: Ein Fass Bier anzapfen und hoffen, das genügt heute nicht mehr, um Geld in die Vereinskasse zu spülen. Eine kleine Menschenschlange bildete sich am Kronenstutz, wo ein Mann vor den Augen der Passanten den Teig knetete und die Churros frisch frittierte. Das machte neugierig. Oder wie es ein Insider sagte: «Einfach beim Grossverteiler tiefgefrorene Fertiggerichte kaufen und diese dann hier aufwärmen, das zieht nicht mehr. Wer am Märetfescht Erfolg haben will, muss authentisch sein und etwas Eigenes kreieren.»
So gab es am Samstagabend nur einen Ort, wo alle Sitzbänke besetzt waren, und das war die Honolulu-VIP-Lounge. «Viele unserer Gäste kommen eigentlich nicht wegen des Märetfeschts an sich, sondern weil sie bei uns essen wollen. Daran ändert auch ein wenig Regen nichts», erklärte Willy Wyler, der Verantwortliche der Honolulu-Zunft, das Erfolgsrezept: «Wir kaufen das Fleisch und das Gemüse bei lokalen Geschäften ein. Die Spiesse werden frisch in der Küche vorbereitet und gewürzt. Diese Qualität schmeckt man und dafür sind die Leute auch bereit, eine Viertelstunde warten zu müssen.» Die Probe aufs Exempel gab den Honolulu-Zünftlern recht.

Ein bisschen Partystimmung

Ein wenig Party gab es schliesslich doch noch am Landhausquai, der in diesem Bereich den anderen Standorten den Rang abgelaufen hat. Rambazamba-Musik an verschiedenen Ecken und billige Drinks zogen die Leute noch einmal zu einem Zwischenstopp an, bevor es nach Hause ging.

«Ja, der Regen war gemein mit dem Märetfescht», zog Chris van den Broeke als Präsident des Organisationskomitees ein durchzogenes Fazit. «Am Freitag war es fast zu heiss, bis das Gewitter kam. Die Fussballspiele am Samstag mit der Konkurrenz von zwei Public-Viewing-Standorten sorgten für den Rest», meinte er am Tag danach. Vielleicht, wenn die Schweiz gewonnen hätte ... hat sie aber nicht.

Es gibt aber auch Positives zu berichten: «Es hatte zwar nicht so viele Besucher, dafür konsumierten diese aber kräftig, und die ersten Rückmeldungen der Standbetreiber sind nicht so schlecht», sagt van der Broeke. Die Security-Beauftragten verbrachten einen ruhigen Abend. «Keine nennenswerten Vorfälle», lautete das erste Fazit aus Sicht der Sicherheit. Die Kantonspolizisten konnten in aller Ruhe den Match zwischen Portugal und Kroatien schauen – der etwa gleich flau verlief wie das Märetfescht. Den Abschluss bildete ein Gospelgottesdienst auf dem Märetplatz. Vielleicht hilft ja beten für besseres Wetter Ende Juni 2017? Fussballspiele wird es dann jedenfalls keine geben, die dem Märetfescht einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

Märetfescht in Solothurn 2

Ein Augenschein vom diesjährigen Märetfescht