Stadtbummel Solothurn
Der Rede und anderer Fluss

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Im Landhaus wurde lange diskutiert.

Im Landhaus wurde lange diskutiert.

Keystone

Die Zeit vergeht im Nu, wenn sie zerredet wird. Oder: wie gewonnen, so zerronnen. So tagte oder vielmehr nächtigte der Gemeinderat am Dienstag geschlagene fünfeinviertel Stunden lang. Das sind drei Fussball-Matches nacheinander mit je einer Viertelstunde Pause. Die es im Landhaus aber nicht gab. Also drei Matches plus eine Verlängerung, plus eine halbe Verlängerung. Ohne Chips, ohne Bier. Das gabs nur vis-à-vis in der Hafebar. Die man(n) gut einsehen kann, vom Ratssaal aus. Und hätte man nicht auf drei Traktanden verzichtet, wäre wohl noch eine Matchdauer dazugekommen. Oder wohl eher eine Matchstrafe. Das hält man(n) ja nicht einmal vor dem Fernseher mit Champions-League-Kost aus. Trotzdem wollen am 21. Mai 122 Leute künftig bei solchen Saal-schlachten mitreden können. Respekt!

Gezeiten wird das Wechselspiel von Ebbe und Flut an der Küste genannt. Wäre auch vom Gemeinderatssaal aus gut zu beobachten, wenn es das Phänomen an der Aare gäbe. Eigentlich schade: So eine Springflut wäre wieder mal ganz spannend. Haben wir noch erlebt, wir alten Säcke. In den sechziger Jahren, als wir im Schulhaus am Land zur Schule gingen. Noch ohne Lehrplan 21 und ohne Stauwerk Flumenthal. Das ab 1968 den Aarepegel konstant hielt. Vorher aber kräuselte sich das Aarewasser öfters bedrohlich am obersten Treppentritt neben dem Landhaus. Umgekehrt konnten wir mutigen Jungs bei Trockenheit und Tiefwasser über den Sandstrand und weit in die Aare hinaus ragende Kanalisationsröhren fast bis zur Flussmitte balancieren. Heute würde wohl sofort die Polizei gerufen. Die Stadtpolizei natürlich.

Zeit schinden kann man durchaus, Zeit gewinnen damit aber nicht. So paradieren am Samstag ab halb fünf wieder hiesige Musikkorps im Stechschritt vom Màretplatz zur St. Ursentreppe. Vier Minuten gibts pro Korps – viiiiel Zeit für die paar Meter Distanz. Also müssen die Musikusse Zeit schinden. Mit Standing Ovations vielleicht. Oder mit dem Hans-Roth-Marsch. Rückwärts natürlich. Eher problematisch ist der Seitensprung - so in aller Öffentlichkeit. Bleibt noch der Kontermarsch. Ein komplexes Manöver. Es muss zweimal durchgeführt werden. Sonst ist St. Ursen plötzlich am Màretplatz und die vier Minuten sind um. Zu dumm ...