Tod wegen Ölheizung
Der Ölbrenner ist Schuld am Tod der 22-jährigen Studentin

Die junge Frau, die in der Nacht auf Mittwoch wegen einer Kohlenmonoxid-Vergiftung umkam, starb weil der Ölbrenner nicht richtig funktionierte. Dieser Defekt kommt häufiger vor, ist aber in seltenen Fällen tödlich.

Lea Durrer
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 In diesem Haus starb die junge Frau. Bilder: Newspictures.
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Kohlenmonoxidvergiftung: In diesem Haus starb die junge Frau
 Der Eingang zum Haus.

In diesem Haus starb die junge Frau. Bilder: Newspictures.

Dass es zu einer solchen Tragödie kommen kann, ist äusserst selten. Denn für eine fachgerechte Installation und Inbetriebnahme einer Heizung werden drei Fachleute hinzugezogen: Installateur, Kessellieferant und ein Fachmann für die Feuerung, wie beispielsweise der Kaminfeger oder andere amtliche Feuerungskontrollen. Auch für die Ölheizung am Tannenweg waren mehrere Fachleute zu Gange. Wer ist allerdings nicht bekannt.

«Es kann nur am Ölbrenner liegen»

Wo genau der Fehler passiert ist, wird zurzeit von einem Ermittlungsteam untersucht. Spekulieren wolle man aber nicht, meint Bruno Gribi von der Kantonspolizei Solothurn auf Anfrage. Wann erste Ergebnisse erwartet werden, kann Gribi nicht sagen. Nur: «Das kann dauern».

Brennerspezialisten wissen aber, wo das Problem lag. Es könne sich nur um einen Fehler des Ölbrenners handeln, meint Edi Howald von der E.Howald AG. Eine verdreckte Düse könne Ursache für das Problem sein, das im Übrigen «ab und zu passiert». «Wir haben im Jahr ungefähr acht solche Fälle», so Howald. Wenn man das Austreten von Kohlenmonoxid früh genug merken würde, wäre es allerdings kein Problem. «Wenn es in der Nacht passiert, kann es aber ganz schön gefährlich werden.»

Im Schlaf überrascht

Dies hat das Opfer und sein neben ihr schlafender Freund zu spüren bekommen. Die 22-jährige Frau zog am Montag in das neu renovierte Haus ihrer Eltern am Tannenweg. Im noch leerstehenden Haus wollte sie sich ungestört für ihre Semesterprüfungen an der Fachhochschule vorbereiten, sagt ihre Freundin zu «Blick». Die Eltern und ihr Bruder hätten erst zum Jahresanfang folgen wollen.

Die Studentin schlief in der Nacht in ihrem Bett und war sich der drohenden Gefahr aus dem Keller nicht bewusst. Das Kohlenmonoxid überraschte sie im Schlaf. Sie starb an einer Kohlenmonoxidvergiftung, ihr Freund hatte Glück und kam mit einer leichteren Vergiftung davon. Er wachte erst 36 Stunden später, am Mittwochmorgen, wieder auf und bemerkte der kalte Körper seiner Freundin neben sich.

Kohlenmonoxid hemmt Sauerstoffzufuhr

Das Kohlenmonoxid führte dazu, dass der Sauerstofftransport im Blutfarbstoff Hämoglobin blockiert wird. Ist das Hämoglobin durch Kohlenmonoxid besetzt, wird der Körper unzureichend mit Sauerstoff versorgt, die Organe funktionieren nicht mehr richtig und sterben später ab. Aushalten könne ein Körper einen schweren Sauerstoffmangel ungefähr zehn Minuten, führt Hugo Kupferschmidt vom Tox-Zentrum in Zürich aus. «Halt so lange man die Luft anhalten könnte.»

Wie schnell eine CO-Vergiftung eintreten würde, käme aber auf die Konzentration in der Atemluft an. Es brauche relativ kleine Mengen, um die Funktion des Hämoglobins zu beeinträchtigen, sagt Kupferschmidt.

Kleinste Unterschiede bei Personen spielen eine Rolle

Der Direktor und Chefarzt des Toxikologischen Informationszentrums ist erstaunt, dass der Freund überlebt hat. «Wenn beide gleich lang im Raum gewesen wären, wäre die CO-Vergiftung bei beiden gleich stark gewesen», meint er. Manchmal spielen aber kleinste Unterschiede eine Rolle. «Die persönliche Empfindlichkeit ist unterschiedlich», so Kupferschmidt. «Ich nehme an, dass die Frau länger dem Gas ausgesetzt war.»

Der junge Mann wird zurzeit wegen seiner CO-Vergiftung im Spital behandelt.

Ungefähr 200 CO-Vergiftungen pro Jahr

Über die genaue Anzahl solcher Vergiftungsfälle kann das Tox-Zentrum keine Angaben machen, weil es bei der Mehrzahl der Fälle nicht konsultiert wird. «Von den 300 bis 350 schweren Vergiftungen jährlich sind beim Tox-Zentrum nur wenige CO-Vergiftungen gemeldet» meint er. Tatsächlich seien CO-Vergiftungen sicher häufiger. Hugo Kupferschmidt schätzt sie auf ungefähr 200. Kohlenmonoxid-Vergiftungen verlaufen auch häufiger schwer oder tödlich als andere Vergiftungen.

Laut dem Direktor des Toxikologischen Informationszentrums könnten solche Unfälle vermieden werden, wenn Heizungen alljährlich gewartet würden und Kohlenmonoxid-Detektoren im Heizungsraum eingesetzt würden.

Auf eine regelmässige Wartung legt auch Brennerspezialist Edi Howald grossen Wert. Ganz wichtig: Die Leute sollen nicht selber am Brenner «herumschrauben». Das würde oftmals Probleme verursachen.

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