Kaum stellt sich eine winterliche Warmphase ein, sieht man sie wieder vor dem Offenen Bücherschrank am Kreuzackerquai verweilen: Leseratten, die auf eine gute Lektüre hoffen, auf Bücherschätze, die unter dem Grundsatz «Bücher schmeisst man nicht weg», erhalten geblieben sind.

Dass schon manch einem Passanten hier ein glücklicher Griff in die Schatztruhe gelang, bestätigt auch Hartwig Roth. Der Mitinitiant blickt auf eine erfolgreiche vergangene Saison 2013 zurück: «Der Bücherschrank wird rege benutzt. Tagsüber trifft man immer Leute, die vor dem Schrank innehalten.»

Von den Nutzern erhält er viele positive Rückmeldungen - auch habe sich der Bücherschrank inzwischen im Alltag der Stadt etabliert: «Das Angebot wird sehr geschätzt und es gibt schon richtige Stammkunden.

Einige machen auch Ordnung, wenn sie ein Buch bringen oder holen», so Roth weiter. Geschätzt werde auch, dass die Bücher so weiterverwendet werden, anstatt im Abfall zu landen.

Mehr Input als Output

Schätzungsweise rund 100 Bücher werden an guten Tagen «umgesetzt», in der Regel ist aber der Eingang grösser als der «Bücherschwund». «Vor allem vor den Zügelterminen im März und September türmen sich manchmal die Bücher kreuz und quer in Schrank», stellt Roth fest.

Ist der Schrank zu voll, wird er «ausgemistet». Der Überbestand wird bei einigen der 14 Betreuungspersonen zuhause zwischengelagert. Roth selbst hat einen Fundus von rund 600 Büchern im eigenen Keller.

Zum Start der Saison, genauer während der Literaturtage, verlassen dann dafür auch wieder bis zu 400 Bücher die Regale des «mobilen Bücherschranks». Dieser wird nach dem Anlass bis Mitte September in der Badi aufgestellt - enthält dann aber eher leichtere Literatur und Zeitschriften.

Roth attestiert dem Buchmaterial eine «erstaunlich gute Qualität». Mit pornografischem, rassistischem oder gewaltverherrlichendem Material hatten die Betreuer bislang keine Probleme.

«‹Schwere› Fachliteratur oder zerlesene Bücher sind dafür schon anzutreffen. Diese entsorgen wir halt einfach», so Roth. Dafür gibt es auch mal literarische Trouvaillen, unter anderem solche, die man dem Kabinett für sentimentale Trivialliteratur oder ans Architekturforum habe weitergeben können.

Von Beschädigungen verschont

Bis auf einen Vandalenakt in der Halloween-Nacht im vergangenen Jahr, bei der rund 40 Bücher von Unbekannten verbrannt worden waren, bliebt der Bücherschrank von weiteren mutwilligen Beschädigungen verschont.

«Darüber sind wir froh. Die ganze Betreuungsarbeit wird ja auf Freiwilligenbasis geleistet und wir hätten kein Budget für grössere Reinigungs- oder Instandstellungsarbeiten.» Demgegenüber können natürliche Einflüsse dem Schrank ohnehin kaum was anhaben, da er solide und wetterfest gebaut wird. Roststellen oder anderweitige Schäden seien laut Hartwig Roth bislang keine festgestellt worden.

Dass sich der Offene Bücherschrank seit August 2012 als Erfolgsprojekt bewährt hat, lässt sich aber nicht nur an den Indikatoren vor Ort ablesen. Das Konzept scheint sich in der Schweiz ohnehin langsam aber sicher zu verbreiten: «Wir wurden diesbezüglich schon oft angefragt: Tatsächlich sind Bücherschränke wie dieser in Olten, Niederbipp oder Welschenrohr entstanden - und: Weitere Projekte sind am Entstehen.»