Als André Bourquin 1993 zum neuen Spitalverwalter der Privatklinik Obach berufen wurde, war die Ausgangslage für die 1922 gegründet Klinik delikat: «Wir standen vor dem Entscheid, gleich ganz aufzuhören, eine sanfte Innenrenovation der Klinik vorzunehmen oder aber einen kompletten Neubau zu wagen.»

Bourquin kannte allerdings die Obach-Strukturen bereits zuvor bestens: Nach einer technischen Berufslehre hatte er sich zum Informatiker und Betriebswirtschafter weitergebildet und beim damaligen Arbeitgeber Visura ein Informatik-Konzept für die Privatklinik erarbeitet. «Um dort antreten zu können, absolvierte ich die damals noch mögliche klassische Zusatzausbildung zum Spitalverwalter.»

Der heutige Direktor schlug sofort wie in all den späteren Jahren eine Vorwärtsstrategie ein: Schon im Juni 1994 erfolgte der Spatenstich für den Neubau der Klinik. «Es brauchte schon Überwindung. Denn die Genossenschafter, unsere Ärzte, mussten bei der Finanzierung mitziehen.» Zur Erinnerung: In den frühen neunziger Jahren lagen die Hypothekar-Zinsen bei heute unvorstellbaren 8 Prozent.

Er liess nicht locker

«Wir waren damals eben alle 25 Jahre jünger und haben an etwas geglaubt», blickt der 61-jährige Direktor auf die Anfangsjahre zurück. Die Obach-Genossenschafter um seine Mentoren, den Anästhesie-Arzt Felix Itin und den Gynäkologen Walter Keller, sollten unter André Bourquin nicht zur Ruhe kommen. Nach der Eröffnung des Neubaus Mitte 1996 setzte der Direktor bald neue Pläne im Obach-Gebiet um, wo sich damals noch grössere Landreserven befanden.

Nach der Gründung einer eigenen AG realisierte Bourquin südlich des Klinik-Neubaus das Medizinische Dienstleistungszentrum MDZ, das Praxen der Obach-Belegärzte aufnahm. Auch hier leistete er wieder Überzeugungsarbeit – ganz nach seinem Motto: «Ich wollte immer alle im Boot haben.»

2003 folgte der nächste Meilenstein: Ein neuer OP-Trakt mit drei neuen Operationssälen konnte eröffnet werden. Und als sich im Norden der Klinik die Chance zum Landerwerb bot, auch um die Parkierungsprobleme der Privatklinik zu lösen, schlug Bourquin erneut zu: Nebst einem neuen Parkplatz und weiteren Praxen realisierte er mit einem Partner den Obachpark mit 21 Wohneinheiten.

Sein einziges Bedauern heute: Dass er die damalige Möglichkeit, einen zusätzlichen Landstreifen von der Erbengemeinschaft Glutz-Blotzheim zu erwerben, nicht genutzt hatte. Doch auch so ist Bourquins Bilanz im Obach-Gebiet beeindruckend: «Insgesamt haben wir hier über all die Jahre 65 Mio. Franken verbaut.» Und: «Ich wäre gerne noch zehn Jahr jünger, um noch einiges umsetzen zu können.»

Ein neuer Arbeitgeber

Anfang 2012 kam es zur Zäsur auch für André Bourquin: Unter der Führung von Felix Itin hatte die in die Jahre gekommene Obach-Ärzteschaft beschlossen, ihre Genossenschaft aufzulösen und die Privatklinik, respektive ihre Anteile, an die Genolier Gruppe – das heutige Swiss Medical Network, das zu 100 Prozent im Besitz von Aevis Victoria ist – zu verkaufen.
«Eigentlich hatte ich einen Vertrag für noch drei Jahre als Direktor, nun sind es über sechs geworden.»

2014 wurde ihm auch noch die Leitung der Klinik Villa im Park Rothrist übertragen, und wenn er ab 1. April als Direktor das Feld in der Privatklinik Obach seinem Nachfolger Felix Bader überlässt, wird er beide Kliniken als Verwaltungsrat weiter begleiten. Auch einige Mandate will Bourquin weiter wahrnehmen. Dass aus den drei geplanten doppelt so viele Direktoren-Jahre geworden sind, erklärt er auch mit dem guten Verhältnis zur neuen Eigentümerschaft: «Man liess mich weiter im bisherigen Stil arbeiten.» So sei auch der Geist der «alten Obach» immer noch vorhanden, fügt er an.

Die Klinik als Fasnachtssujet

Änderungen gab es für den Klinik-Direktor dennoch. So der Entscheid, auf Ende 2015 die reputierte Geburtenabteilung im Obach zu schliessen – was prompt ein Solothurner Fasnachtssujet wurde. Neben wirtschaftlichen Gründen – eine zu geringe Geburtenzahl – habe die damalige Personalsituation dazu geführt, erinnert Bourquin an diesen Schritt. So hätten ausser Hebammen auch Ärzte gefehlt, die den Risiko-Job Geburtshilfe übernehmen wollten.

«Schneller und effizienter»

Zu Risiken und Nebenwirkungen für die Privatklinik Obach generell meint André Bourquin: «Ich glaube an eine sehr gute Zukunft. Wer geschickt auftritt und unternehmerisch denkt, kann immer bestehen. Wir sind einfach schneller und effizienter.» Dies auch gemünzt auf die Bestrebungen der Politik, eine «Staatsmedizin» zu etablieren.

So führe die grosse kantonale Konkurrenz dazu, dass stets die Bedarfsfrage gestellt werde, wenn eine Privatklinik auf einem neuen Feld aktiv werden wolle. «Aber», betont Bourquin unbeeindruckt, «es gab schon immer Schwierigkeiten, die zu meistern waren.»

Über den Wolken ...

Nun gibt seine Frau Monica gleichzeitig die Leitung des Operationsbereichs in der Privatklinik Obach ab; das Ehepaar erhält neue Freiräume. Und André Bourquin kann sich wieder vermehrt seiner Leidenschaft zuwenden: der Fliegerei sowie der Piloten-Ausbildung. Das sei vor allem in den letzten Jahren zu kurz gekommen, «obwohl ich jährlich 250 Flugstunden absolviere». Typisch deshalb für den rastlosen Macher: Neu übernimmt er nun das Präsidium des Motorflugverbandes Schweiz.