«Das kann doch kein Zufall sein!» Benjamin Fässler zeigt auf die zwei mächtigen, aufeinander abgestützten Granitblöcke, ihrerseits auf zwei «Kalkkissen» ruhend. Der «Schildchrott» im Riedhölzer Wald ist die dritte und wohl spektakulärste Station des neuen Solothurner Megalithwegs, der nun offiziell eröffnet wird. Die erratischen Blöcke, auch Findlinge genannt, faszinieren den seit zehn Jahren pensionierten Arzt schon lange.

650 Findlinge kartografiert

«Zwei Drittel der Blöcke wurden zwar bereits 1939 durch einen Regierungsratsbeschluss geschützt und in den fünfziger Jahren inventarisiert.» Doch Fässler vertiefte sich in die Materie. Bis vor vier Jahren hatte er 650 Findlinge, Treibgut der Eiszeit, mit dem GPS kartografiert. Durch ein Buch des Grenchners Kurt Derungs sei er endgültig in die Megalith-Materie eingetaucht, mit der sich auch ein Verein befasst. Ganz besonders faszinierten ihn die sogenannten Schalensteine, von denen rund 1000 in der Schweiz existieren. «Darunter die schönsten in unserer Region.»

Wie viel Mensch steckt dahinter?

Station 2: ein dreieckig geformter Block mit einem langen geraden Grat. Benjamin Fässler deutet auf einen kleineren, ähnlich geformten Block neben dem grossen: «Sie stehen in einem rechten Winkel zueinander.» Nicht irgendein Winkel ist es, der Fässler so fasziniert: «Beide Grate weisen direkt auf die grosse Mondwende hin.» Der Initiant des Megalithwegs glaubt, dass die Blöcke für die Menschen der Jungsteinzeit grosse kultische Bedeutung hatten.

«Es ging dabei nicht um Astronomie, sondern um Religion.» Die Menschen damals hätten eine immense Beobachtungsgabe gehabt und sich am Zyklus des Entstehens und Vergehens in der Natur orientiert. Wie weit aber diese Menschen, die über Jahrtausende in gleich funktionierenden Gesellschaftssystemen lebten, die Lage und Beschaffenheit der oft riesigen Blöcke beeinflusst haben - darüber kann auch Fässler nur spekulieren. «Hier, diese Vertiefung wurde sicher bearbeitet», wühlt er am kleineren Steinblock von Station 2 in einer bemoosten Kuhle.

Rutschen für den Kinderwunsch?

Bei Station 1, unweit des Schlosses Waldegg, ist die Sache klarer - und spektakulärer: Die schräge Granitmasse gehört zu den «Kindlisteinen». Noch heute rutschen die Kinder auf ihm herum - aber taten das viel früher auch Frauen, die so auf die Erfüllung ihres Kinderwunsches hofften? «In der Jungsteinzeit glaubten die Menschen, die Steine seien Verwandlungsorte der Ahnen- in Kinderseelen, die dort wiederkehren», ist Benjamin Fässler überzeugt. Und zeigt auf die Allee östlich der Waldegg: «Sie verläuft einer ehemaligen Steinreihe entlang, die genau in Richtung Osten wies.» Überall interpretiert Fässler, weiss die Blöcke zu deuten. Das Aussehen des «Froschsteins» an der Station 10 lässt auch naheliegende Erklärungen zu: Der Frosch galt als Symbol des Lebens, und so sieht der Megalith-Forscher dort eine künstlich geschaffene «Gebär-Öffnung» im Granit.

Der Helfer aus dem Steinmuseum

Benjamin Fässler hatte die Idee und den Inhalt zum Megalithweg, «umgesetzt hat ihn der Leiter des Steinmuseums Solothurn, Dieter Bedenig. Er hat Sponsoren für die Kosten von 50 000 Franken aufgetrieben und die Verhandlungen mit dem Waldbesitzer, der Bürgergemeinde Solothurn, geführt.» Die ein Jahr dauerten, nicht ganz einfach waren und Zugeständnisse erforderten: So durften die Stationen nur an bestehenden Wegen und Pfaden errichtet werden.

Eröffnung am Sonntag um 15 Uhr beim Parkplatz des Schlosses Waldegg. Infos: www.steinmuseum.ch