Wie nah kommt Malerei an eine Realität heran, wie die Fotografie sie abzubilden vermag? Bei den realistischen Werken von Sam Foley stellt sich diese Frage längst nicht mehr. Der 36-jährige Künstler aus Neuseeland ist seit dieser Woche Gastkünstler im Alten Spital.

Er erschafft mit Öl auf Leinwand Welten, wie sie nur das Auge sieht, Welten, an denen aber das Kameraobjektiv scheitert. In grossen Formaten setzt er die Natur oder urbane Schauplätze ins Bild und lässt den Betrachter rätseln, ob er vielleicht auf surreale Weise durch ein Fenster in der Wand blickt.

Foleys richtet seine aufmerksamen Künstleraugen auf das Verhältnis von Licht und Schatten. Dabei orientiert er sich an der im Barock und in der Renaissance verbreitete Technik des Chiaroscuro: Harte Kontraste und der Fokus auf eine markante Abgrenzung zwischen hell und dunkel kennzeichnen diesen Stil.

Dass bei Sam Foley auch mit einer solchen konstrastreichen Darstellung nichts an Detailtreue verloren geht, ist der Vorbereitung des Künstlers geschuldet: So malt er die Bilder ab fotografischer Projektion, wobei er mehrere Belichtungsstufen abgleicht, um ein ungemindert detailreiches Ergebnis mit möglichst breitem Helligkeitsumfang zu erhalten. Und dies, ohne ins hyperrealistische, überzeichnete Terrain abzugleiten.

Der Betrachter wird so zum Beispiel in die realistische Szenerie einer Waldlichtung hineingezogen. «Oft entdeckt man in meinen Bildern einen Pfad», einer, der gut sichtbar und einladend oder überwuchert und unwegsam ist. «Damit werden die Betrachter im Bild willkommen geheissen», so Foley.

Bewegung kommt in die Bilder

Eine weitere bedeutsame Komponente fügt Sam Foley hinzu, wenn er seine Werke präsentiert: indem eine Projektion der entsprechenden Szenerie, aber als Video, über das Bild gelegt wird: Damit löst sich plötzlich aus der Versteinerung der Gemälde der bewegte Berliner Stadtverkehr in Form geisterhafter Autos heraus. Oder ein scheinbar eingefrorener Bach Neuseelands schmilzt in einem kurzen Augenblick und rauscht zu Tal, sobald der Beamer sein Licht auf das bereits leuchtkräftige Gemälde wirft.

Gerade die Natur seiner Heimat, der Küstenstadt Dunedin, hat ihn in seinem naturorientierten Arbeiten geprägt. Und auch die Natur der nördlichen Hemisphäre will Foley während seines Aufenthalts anpeilen. Assoziationen wie das Matterhorn, schmelzendes Eis, oder die Hängebirke möchte er künstlerisch verarbeiten. Auf alle Fälle freut er sich darauf, in den nächsten drei Monaten die Ecken der Schweiz ausgiebig auszuleuchten – im wahrsten Sinne des Wortes.