Solothurn
Der neue Domorganist ist Orgelfreak und «Handwerker»

Benjamin Guélat ist der neue Domorganist der Pfarrei St. Ursen. Über Pfingsten kam der Musiker nach Solothurn, um erstmals einen Gottesdienst auf der einzig erhaltenen Otter-Orgel mitzugestalten.

Silvia Rietz
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Der neue Domorganist Benjamin Guélat ist in der St.-Ursenstadt angekommen.

Der neue Domorganist Benjamin Guélat ist in der St.-Ursenstadt angekommen.

Silvia Rietz

Organisten können weder daheim üben, noch ihr Instrument transportieren. Zudem sind sie als Kirchenmusiker unsichtbar, spielen meistens auf der Empore. Doch mit ihrer Spannweite und dem raumfüllenden Klang gehört die Orgel zu den faszinierendsten Instrumenten überhaupt.

Mit ein Grund, dass sich der studierte Mathematiker und in der Jugend auf verschiedenen Instrumenten versierte Benjamin Guélat für die Orgel entschied. Über Pfingsten pendelte er von Zürich nach Solothurn, gestaltete erstmals als Domorganist die von Weihbischof Denis Theurillat zelebrierten Gottesdienste mit.

Auf Zeitreise

Die Zugsfahrt nahm er dafür gerne auf sich um an den Orgeln der Pfarrei St. Ursen zu spielen. «Die historische Otter-Orgel der Jesuitenkirche fasziniert mich besonders. Man spielt einen Ton und fühlt sich in der Vergangenheit. Mit dem barocken Instrument beginnt eine Zeitreise», schwärmt der Musiker zu dessen Spezialitäten das Improvisieren im historischen Stil zählt. Die Orgel vom Solothurner Orgelbauer Franz Joseph Otter in der Jesuitenkirche ist die einzige vollständig erhaltene Otter-Orgel.

Beim Vorspielen für die Anstellung habe er in der Kathedrale alles gegeben. «Ich wollte die Stelle unbedingt», erzählt er offen. Lachend fügt er an, nicht nur die bemerkenswerten Orgeln hätten es ihm angetan, sondern das ganze Ambiente. «In einer Bischofsstadt in der Bischofskirche zu wirken, damit erfüllt sich für einen Organisten ein Traum.» Mittlerweile hat er sich mit Solothurn vertraut gemacht. «Schliesslich stammt meine Grossmutter aus dem Kanton, wenn auch aus Kleinlützel. Sie war in ihrer Jugend nur einmal in der Hauptstadt. Es war halt eine andere Zeit damals.»

Solothurner Gene von der Oma

Die 1911 geborene Grossmutter ist gegenwärtig die älteste Jurassierin. Zweifelsohne bringt Benjamin Guélat gute Gene mit. Sobald er eine geeignete Wohnung gefunden hat, werden er und seine Frau nach Solothurn ziehen. Seine Partnerin Jung-Min Lee stammt aus Korea und ist ebenfalls Organistin. «Aber der Orgelfreak in der Familie bin ich», schmunzelt er. Kennengelernt hat sich das Paar vor sechs Jahren an einem Orgelkurs in Spanien.

Die anmutige Musikerin hatte ihr Studium in Deutschland beendet und lebte wieder in Seoul. «Damals hatte ich mehr Zeit als heute, flog oft nach Korea und lernte die Grundbegriffe der Sprache.» Dies entspricht dem Naturell des als fleissigen und exakten Charakter beschriebenen Mannes. Mittlerweile spricht Jung-Min Lee gut Deutsch, ist in der Schweiz angekommen. Vor vier Jahren haben der katholische Jurassier und die reformierte Asiatin geheiratet. Seine Frau ist in einer Zürcher Pfarrei als Organistin tätig. Tritt Benjamin Guélat in Konzerten auf, kann er beim Registrieren und Blättern auf sie zählen.

Sommer-Konzerte weiterführen

Auch am Dienstag, 11. Juli, wenn er mit Händel, Mozart, Liszt und Dupré als Solist und neuer musikalischer Leiter den Einstand bei den Solothurner Orgelkonzerten geben wird. Obschon ihm die Liturgie am Herzen liegt, sind ihm Konzerte wichtig, sowohl künstlerisch als auch finanziell. Unter anderem ist er am 23. Juni in der Klosterkirche Rheinau mit einem Orgelrezital zu hören.

Obwohl ein gefragter Solist, bezeichnet sich Benjamin Guélat schlicht als «Handwerker». Kreativität und Handwerk gehen für ihn Hand in Hand, Talent ohne Fleiss erreiche nichts. Als Domorganist sieht er als Hauptaufgabe, die Liturgie zu begleiten und passende Stücke zu wählen. «Kirchenmusik kann auch ein Korsett sein. Zum Glück sind wir heute viel offener, die Repertoiregrenzen sind freier geworden.» Auf die Konzerte mit der Kuhn-Hauptorgel und der Bossard-Chororgel in der Kathedrale freut er sich. «Mit meiner Frau werde ich auch Konzerte für zwei Orgeln spielen», verrät er.

Mit der Solothurner Kathedrale war er schon früher verbunden. Wer im Kanton Jura aufwachse, erlebe die Kathedrale zwangsläufig als Bistumskirche und Solothurn als Bischofsstadt. Zudem kenne er Weihbischof Denis Theurillat schon länger. «Er ist auch ein Jurassier, das verbindet», schmunzelt Benjamin Guélat.

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