Das Personalkarussel in den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) dreht sich weiter. Die Präsidentin der Kesb Region Solothurn (zuständig für die Amteien Solothurn-Lebern und Bucheggberg-Wasseramt) hat nach etwas mehr als dreieinhalb Jahren im Amt genug.

Wie schon bei früheren Wechseln, erfolgt der Abgang eher klandestin: Mit einem knapp gehaltenen Communiqué informierte die Staatskanzlei am Mittwoch darüber, dass der Regierungsrat Stefan Armenti zum Nachfolger von Barbara Gloor gewählt hat und dass er sein Amt bereits am 1. September antritt.

Barbara Gloor wolle sich beruflich neu orientieren, der 42-jährige Stefan Armenti amtet bereits seit dem Start im Januar 2013 als Vizepräsident der Kesb Region Solothurn und führt seit Juli 2015 als leitender Vizepräsident eine der beiden Entscheidkammern. Vor seiner Anstellung bei der Kesb war Armenti bei den sozialen Diensten Mittlerer und Unterer Leberberg als Sozialarbeiter tätig, seit 2007 wirkt er auch als Dozent an den Fachhochschulen Bern und Nordwestschweiz.

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden wurden vor gut fünfeinhalb Jahren aufgrund von neuem Bundesrecht eingeführt, Abgänge aus der Führung «durch die Hintertür» haben aber schon ebenso Tradition wie die lautstarke Kritik an der neuen Institution. Stefan Armenti ist bereits der dritte Präsident der Kesb Region Solothurn. Seine Vorgängerin Barbara Gloor hatte das Amt Ende 2014 zunächst interimistisch übernommen, nachdem die erste Präsidentin, Barbara Hamm-Schulte, per sofort zurückgetreten war. Als über den Wechsel informiert wurde, hatte Hamm-Schulte ihr Büro schon seit einer Woche verlassen.

Damals war von einem grossen Spannungsfeld zwischen der Kesb und den Einwohnergemeinden die Rede. Claudia Hänzi, die Chefin des kantonalen Amts für soziale Sicherheit, erklärte den Wechsel so: Ein weiteres operatives Ausüben der Präsidialfunktion durch die damalige Präsidentin würde «der Interessenlage nicht gerecht».

Ebenfalls leise, still und heimlich hatte die frühere Präsidentin Sandra Rigassi die Kesb der Amteien Thal-Gäu und Dorneck-Thierstein verlassen. Als diese Zeitung vor einem Jahr über Rochaden bei der in Balsthal stationierten Kesb berichtete, war sie schon seit Monaten weg. Das Amt für soziale Sicherheit hatte nie darüber informiert, dass Vizepräsidentin Agatha Kremser im Januar 2017 die Führung interimistisch übernommen hatte.

Auch von der Wahl von Rolf Eggenschwiler zum neuen Präsidenten nach einem siebenmonatigen Interregnum erfuhr die Öffentlichkeit nur durch Zufall. Er ist wie Stefan Armenti in Solothurn bereits der dritte Kesb-Präsident von Thal-Gäu und Dorneck-Thierstein. Und noch im Amt, seine Vorgängerin hatte es gerade einmal 26 Monate auf dem Posten gehalten.

Im Zug des Führungswechsels war es zu weiteren Abgängen in Balsthal und der Aussenstelle in Breitenbach gekommen. Die Nicht-Information über die Rochaden begründete man im Amt für soziale Sicherheit damit, dass die Kesb nach einer Einführungsphase mit erhöhtem Informationsbedarf «zum geregelten Betrieb» übergegangen seien, sie seien eine Behörde wie jede andere auch.

So ganz wie jede andere dann wohl doch nicht. Die Kesb lösten die kommunalen Vormundschaftsbehörden ab. Neben den hohen Fallzahlen belastet sie schweizweit von Anfang an ein enormer politischer Druck. Im Mai lancierte der Schwyzer SVP-Nationalrat Pirmin Schwander eine eidgenössische Volksinitiative, mit der die Kesb faktisch ausgeschaltet werden sollen. Sinnigerweise fussen sie auf neuem Bundesrecht, dass unter der Ägide des damaligen Justizministers Christoph Blocher entstand.