Man könnte annehmen, dass der Trend zur so genannten Pop-Up-Kultur in Solothurn heranreifte, lange bevor der Begriff weltweit die Runde machte. Pop up steht für die Zwischennutzung von leeren Räumlichkeiten. Nichts anderes steckt eigentlich hinter «Platz da!», dem Aktionsmonat, den das Alte Spital im Wonnemonat zum sechsten Mal durchführt.

In Zusammenarbeit mit rund 35 Partnern wurde wieder ein breiter Programmfächer an künstlerischen und sportlichen, unterhaltenden und informativen, manchmal kulinarischen, manchmal politischen, auf jeden Fall aber geselligen Angeboten geschaffen. So nimmt der Aktionsmonat den öffentlichen Raum in Beschlag und wirft die Frage auf, durch wen er wann genutzt werden soll.

Erstmals verantwortet Sacha Studer Mösch als Projektleiter den Aktionsmonat. «Sobald der öffentliche Raum im Fokus steht, tut er das meistens vor dem Hintergrund negativer Vorkommnisse wie Lärm oder Littering», resümiert der seit Juni 2018 beim Alten Spital angestellte Bereichsleiter Soziokultur. Dagegen soll der Aktionsmonat eine Möglichkeit bieten, die Diskussion um den Raum – und damit auch den Raum selbst – positiv zu besetzen.

Münchner Gastspiel

Im Mai werden so viele Ecken und Orte der Stadt wieder zu Schauplätzen für Jung bis Alt, für Einzelgänger, Gruppen und Familien. Neu fällt auf: Ein Teil der Anlässe ist ausserhalb des Kerngebiets der Alt- und Vorstadt angesetzt. «Erstmals wird die Weststadt intensiv durch ‹Platz da!› bespielt», kündigt Eva Gauch, Bereichsleiterin des Alten Spitals, an.

Eine Besonderheit wird sich unter dem Titel «Blinde Passagiere auf dem Solotörn» bemerkbar machen. Mit mehreren Installationen für Auge und Ohr werden Studierende der Münchner Akademie der Bildenden Künste ein Gastspiel in Solothurn abhalten. «Mit diesem Novum soll eine künstlerische Aussensicht in den Aktionsmonat einbezogen werden», kommentiert dazu Gauch, die für den Zeitraum vom 10. bis 17. Mai noch auf der Suche nach Privatunterkünften für die Münchner Gäste ist.

Ebenfalls auf künstlerische Weise soll liegengelassener Strassenabfall gesammelt und an einem Ort zusammengetragen werden. Wie hoch der «Müllberg» anwachsen wird, bleibt natürlich – wie fast alles bei «Platz da!» – ergebnisoffen.

Als zentrales Element des Aktionsmonats zu sehen ist wiederum der «Adapter», die mobile Bühne, die diversen Angeboten als Plattform dient. Neu dabei ist aber ebenso aber die «FahrBar», ein zur Erfrischungs- und Begegnungsstation aufgestocktes E-Bike. Dieses durch holländische Bäckervelos inspirierte Vehikel ist bereits seit vergangenem Spätsommer im Dienste mobiler soziokultureller Arbeit unterwegs, um Kontakte mit der Quartierbevölkerung aufzunehmen, ihre Bedürfnisse zu sondieren und sie zur Eigeninitiativen in ihrer eigenen Lebenswelt anzuregen.

«Mini Stadt, mis Quartier»

Aktiver Einbezug ist auch bei der Veranstaltungsreihe «Mini Stadt, mis Quartier» Thema: Unter Mitwirkung der Bevölkerung finden in der Vor- und Weststadt Flohmärkte, Spielnachmittage oder Jugendtreffs statt. Auf diese Weise werden diese Anlässe nicht nur für eine Zielgruppe organisiert, sondern mit ihnen. Weiter wird der Fächer an «Platz da!»-Anlässen durch Lesungen, Bastel-Workshops, Spielfeste «Gaumen»-Haltestellen zu Themen wie Sucht (Blaues Kreuz), Streetfood oder Foodwaste, weiter durch bewegte Programmpunkte wie Strassenfussball- oder Streetdance-Events bereichert.

Am Tag der Selbsthilfe (16. Mai) wird zudem ebenso die kantonale Kontaktstelle mit einem ausgewählten Thema präsent sein. Den Abschluss von «Platz da!» machen am 31. Mai «The Sporthorses & The Guggenheim Box», eine Band, die mit einer interaktiven Musikinstallation auf dem Kreuzackerplatz zum Musizieren einlädt.

Überraschungseffekt bewahren

«Ich habe etwas Ähnliches wie ‹Platz da!› vorher noch nie gesehen», sagt Sacha Studer angesichts des baldigen Startschusses von «Platz da!». Gerade die Zusammenarbeit mit so vielen Partnern sei aussergewöhnlich. Dass das Engagement der Organisationen gross ist und den Anlass zum Selbstläufer macht, weiss zudem Gauch. Allerdings müsse man die langjährigen «Platz da!»-Partner oft ermutigen, neue Ideen und Formate einfliessen zu lassen, «damit der Überraschungseffekt nicht verloren geht.»

Wie üblich wirkt der gesamte Mitarbeiterstab des Alten Spitals beim Aktionsmonat mit. Weiter reisst auch der finanzielle Support durch Stadt und Kanton nicht ab, ebensowenig die Sachleistungen von Seiten des Gewerbes. Was eine Herausforderung bleibt, sind finanzielle Mittel aus Stiftungstöpfen: Da diese Gelder oft nur für Anlässe eng definierter Zweckbestimmung vergeben werden, bleibt es für einen thematisch breiten «Multi-Anlass» schwer, bestätigen Gauch und Studer. «Aber im Sparen sind wir schon relativ gut», sagt Gauch: «Und an der Qualität des Programms tut dies keinen Abbruch.»

Alle Infos: www.platzda-so.ch