Handwerk
Der lustvolle Umgang mit «Kunst - Harz - Farbe»

Der Balsthaler Edy A. Wyss zeigt in der Galerie 9 in Solothurn neue Arbeiten. Er beschreibt seine Gedanken- und Farbspiele beinahe philosophisch im Konzept von Farbe, Zeit und Geduld.

Eva Buhrfeind (text und Bild)
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«Herbst» nennt Edy A. Wyss diese Komposition.

«Herbst» nennt Edy A. Wyss diese Komposition.

Kunst – Harz – Farbe», ganz einfach und einfach Kunstharzfarbe und dann auch noch wortspielerischer Titelgeber. Kunstharzfarbe, ein spezielles Farbmaterial, nicht leicht in der künstlerischen Handhabung. Ein Industrielack mit eigenwilligen Eigenschaften, die den Balsthaler schon seit Jahren beschäftigen, und die er mit Leidenschaft und experimenteller Neugier auf die Leinwand und auch auf Papier bringt. «Es ist ein unglaublich schönes Spiel, das man mit den Farben haben kann», umreisst es der Künstler. Und die Freude und Neugier, diese spielerische Auseinandersetzung mit den Kunstharzfarben, deren Farbsysteme und Buntheit wirken in den ausgestellten Arbeiten nach.

Auch wenn er nichts dem Zufall überlässt, eher konzeptuell an die Bildinhalte geht, so entwickeln diese grossen, mittelgrossen und Miniaturarbeiten eine Lebendigkeit, die nie unruhig, aber immer bewegt, die Vielfalt der Möglichkeiten aus Linie, Schicht, Bewegung, Farbentwicklung, Harmonie und Rhythmus präzisieren. Mit dem feinen Pinsel oder einer Spritze in 30, 40, ja auch 50 Schichten aufgetragen, vernetzt, verwebt, entwickelt er Naturstimmungen, immer in der bewussten Reflexion der Farben und ihrer Wirkung untereinander. Da werden die Farben in Hülle und Fülle auf der Leinwand zu feinen linearen Vernetzungen aufgetragen, dann wieder mit Weiss dicht überdeckt, bis die darunterliegenden Farbgewebe eher atmosphärisch durchdringen. «Farbe durchdringt Weiss» ist ein mächtiges wie zugleich sensibles Werk, beschreibt Wyss seine Gedanken- und Farbspiele beinahe philosophisch im Konzept von Farbe, Zeit und Geduld, vielleicht auch in künstlerischer Gelassenheit, das all diesen malerischen Prozessen zugrunde liegt.

Kalligrafische Bewegungen, die an kleine Figurinen oder beschwingte Noten erinnern, balancieren tänzelnd über das Papier. Arbeiten mit den farbschablonenartig landschaftlichen oder organischen Kompositionen lassen die formale Herausforderung der heiklen Kunstlackfarbe beinahe plastisch nachvollziehen. Aber auch die kleinen Miniaturen kommen spielerisch-illustrativ. Von unscheinbaren Begebenheiten in der Natur angeregt, sind sie zwar ungegenständlich, aber dennoch reizvoll-elegant in der subjektiven Zeichenwelt.

Bis 14. 12. Geöffnet: Do und Fr, 17–20 Uhr, Sa und So, 14–17 Uhr. Finissage Sonntag, 14. 12., 14–17 Uhr, der Künstler ist anwesend.

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