«So schlimm ists noch gar nicht», sagte eine Teilnehmerin nach dem Kontrollblick im Schaufenster. Rund ein Drittel der 5-Kilometer-Strecke hatte sie bewältigt. «Ich erwartete einen hochroten Kopf, aber er ist nur rot.» Und weiter gings in flottem Laufschritt. Immer wieder legten die Aktiven des Light Run Pausen ein oder zumindest Rhythmuswechsel. Schliesslich gab es viel zu bestaunen, zu testen und zu hören. Nicht selten entdeckte ein Er oder eine Sie das Kind in sich und folgte spontan Intuitionen, Ideen und den Gefühlen. Umso bunter und ausgefallener wurde die Laufparty dadurch. Der Kontrast zeigte sich zwischen dunkel und hell, zwischen farbig und schwarz, und auch bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern: im Alter, Geschlecht und in der Affinität zum Laufen.

Jung war das Publikum, weiblich in der Mehrzahl, und im Gegensatz zu Volksläufen fehlte das Resultat- und Zeitorientierte. Es war ein Miteinander, in dem das Spielerische Einzug hielt. Das Abwechslungsreiche und der unübliche Blick auf Solothurn und seine Sehenswürdigkeiten kamen zur Geltung. «Ich glaube, so beschwingt erlebte ich die Stadt noch nie», sagte ein Einheimischer.

Lauf der Kontraste

Und gekrönt fühlten sich viele noch leichter. Einer der neuen Höhepunkte auf der Strecke war ein (Licht-)Schloss, in dem man sich herrichten, posieren und ablichten lassen konnte. Königs- und Königinnenfotos entstanden. Ausgefallene notabene.

Die Leichtigkeit hatte mitunter aber auch ihre Grenzen. «5 Kilometer sind lang, das geht in die Beine, die Luft wird knapper», war zu hören. Es zeigte sich schnell, dass ein beachtlicher Anteil mitlief, der sonst mit dem Laufen kaum etwas am Hut hat. Die Auswertung der Daten vom letzten Jahr hatte ergeben: etwa ein Drittel der Teilnehmer läuft regelmässig zwei bis drei Mal die Woche, etliche laufen regelmässig zum Ausgleich, aber ohne Ambitionen, und einige wurden durch den Light Run vom Laufvirus erfasst. «Vom Light Run zu einem Halbmarathon – so extrem dieser Weg auch tönt, es gibt Beispiele, die dafür stehen. Das ist das Schöne an unserem Laufanlass», sagte Initiator Boris Graber, «jede und jeder kommt auf seine Art auf seine Rechnung».

Auslaufen nach dem Marathon

Auch Teilnehmer, die den umgekehrten Weg gehen, gab es. Matthias Wittwer ist ambitionierter Langstreckler war Helferchef beim Light Run und lief nun erstmals mit. Zum zweiten Mal tat dies seine Freundin Anna Bigolin. Zuvor hatten sie am Vormittag den Jungfrau Marathon bestritten, die 42,2 Kilometer von Interlaken auf die Kleine Scheidegg mit gut 1900 Höhenmetern. Sie bilanzierten: «Der Jungfrau-Marathon war hart, der Light Run das erhofft lockere Auslaufen.»