Lange her ists ja nicht, seit Krokus zuletzt in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn gespielt hat: Im Mai war die Band gleich dreimal hintereinander im ausverkauften Rostwürfel aufgetreten. Und trotzdem sind sie alle wiedergekommen, die Pilger, die Kinder des Solothurner Hardrocks, die eingefleischten Fans.

Der Krokus'sche Rock-«Dög» hat in die Nacht hinaus geheult und zum Charity-Konzert geladen - und all jene, die ihre Jugend auf der Leder und Nieten bestückten Seite der Siebziger- und Achtzigerjahre verbracht haben, sind seinem Ruf gefolgt. Egal ob sie heutzutage vornehmlich in heruntergekommenen Kneipen oder im Kantonsratssaal rumhängen.

«Seid Ihr so nostalgisch drauf?», fragt Sänger Marc Storace nicht zu Unrecht, nachdem sich die Fans lautstark über die Klassiker «Bedside Radio» und «Easy Rocker» gefreut haben. «Wir sind aber noch keine Museumsband», fährt der Mann fort, dessen Stimme noch immer klingt, als könne sie Felsen zerschneiden. Und wieder hat er nicht unrecht: Mit Museum hat Krokus nichts zu tun - zumal wechselnde Besetzungen immer wieder mal frischen Wind in die Rockmaschinerie bringen.

So hat sich Flavio Mezzodi, der seit diesem Jahr am Krokus-Schlagzeug sitzt, bereits bestens in seine Rolle als taktvolle Dampfwalze eingelebt. Seit 2012 ist auch Gitarrist Mandy Meyer wieder im Team - er und Fernando von Arb hatten sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals gegenseitig als Leadgitarristen ersetzt. Seit der Platte «Dirty Dynamite» stehen die beiden Solisten gemeinsam auf der Bühne und ergänzen sich hervorragend.

Da kommt das Publikum einerseits in den Genuss eines kreativen, aber bodenständigen Fernando von Arb mit seinen eingängigen Hardrock-Licks. Und auf der anderen Seite steht der virtuose Mandy Meyer, der das hallende und schreiende Spiel der Achtziger mit progressiven Einlagen zu einem stimmigen Gesamtwerk vereint. Rhythmusgitarrist Mark Kohler und Bassist Chris von Rohr sorgen für die passende, meist gewaltige Soundkulisse.

Heiss ists im «Kofmehl». Von Rohr trägt oberhalb der Gürtellinie nur gerade das Kopftuch. Und vor der Bühne, wo man dicht gedrängt steht und hingebungsvoll mitsingt, bilden sich allmählich weisse Ränder auf den schwarzen «Maiden»-, «Led Zep»- und «Uriah Heep»- T-Shirts. Die langen Haare werden strähnig, die Gesichter der bildschön Gebliebenen und der vom Leben Gezeichneten strahlen.

Gekonnt flechten Krokus beim Klassiker «Long Stick Goes Boom» einen Part von «Pinball Wizard» aus der Rockoper von «The Who» ein. Ob das ein subtiler Hinweis sein soll, dass auf einer Flipperkasten-Simulation für Handys nun auch der «Dög Song» von Krokus als Soundtrack dient, sei dahingestellt.
Etwas nah an die Grenze zum Kitsch führen die Regengeräusche und die Gewitter-Lichteffekte, die das Intro zur Powerballade «Screaming in the Night» begleiten. Aber an einem Abend voller Rock'n'Roll darf auch dafür Platz sein.

Nachdem alle bei «Hoodoo Woman» nochmals kräftig mit eingestimmt haben, neigt sich dieser Abend aber allmählich dem Ende zu. Die Klassenzusammenkunft der Solothurner Rockgeneration löst sich langsam auf. Und manch einer streckt bei der Heimfahrt noch in jugendlichem Leichtsinn die Faust mit abstehendem kleinem Finger und Zeigefinger aus dem Autofenster.