Solothurn
Der Kraftort ist nicht für jeden «Spass» zu haben

Die Verenaschlucht wird von diversen Nutzern immer stärker beansprucht. Konflikte sind dabei vorprogrammiert.

Wolfgang Wagmann
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Die Verenaschlucht wird vielseitig genutzt.
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Verenaschlucht und ihre vielseitige Nutzung
Verenakapelle
Der Kraftort ist zu jeder Jahreszeit ein Besuchermagnet...
... auch im Winter.
Eine besondere Stimmung geht von diesem Kraftort aus
Eine besondere Stimmung geht von diesem Kraftort aus
Anlässe in der Verenaschlucht sind grundsätzlich bewilligungspflichtig.
Stimmungsvolle Installationen - idyllisch aber nicht in jedem Fall erwünscht

Die Verenaschlucht wird vielseitig genutzt.

Felix Gerber

Geplatzt ist eine geplante Hochzeitszeremonie in der Verenaschlucht an Pfingsten. Thomas Giuliani, der neben Bestattungs- auch Hochzeitsrituale organisiert, musste improvisieren sowie die 30-köpfige und zuletzt verstörte Hochzeitsgesellschaft beruhigen. «Ursprünglich war das Ritual in der Martinskapelle geplant.

Uns wurde jedoch gesagt, dass die Kapelle nur für Hochzeitsfeiern mit einem Geistlichen verfügbar sei. Und ich bin nicht Pfarrer.» Also entschloss sich Giuliani zu einer Alternative: Das aus Solothurn stammende Brautpaar wollte die Verenatreppe zum so genannten «Verenaloch» emporsteigen – wenn man die Hand hineinlegt, soll sich vor allem der Kinderwunsch erfüllen. Geplant war Begleitmusik durch eine Cellistin sowie der Ausschank eines Apéros.

Doch dazu sollte es nicht kommen. «Ich war mit der Gesellschaft am Anfang der Schlucht, als sich die völlig aufgelöste Cellistin meldete, sie brauche eine Bewilligung.» Kurz darauf habe sich auch der fürs Apéro Zuständige mit dem gleichen Problem gemeldet.

Angesichts der Stimmungslage hinten in der Einsiedelei – dort waren die beiden auf Einsiedlerin Verena Dubacher und Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger gestossen – entschloss sich Giuliani zum Abbruch der Übung. «Ich konnte das Ganze zwar auffangen, das Brautpaar blieb gelassen. Aber die Leute waren sehr betroffen. Und ich habe auch nirgends etwas gefunden, was auf die Bewilligungspflicht hingewiesen hätte.»

Er hat es halt probiert

Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger bestätigt den Reservations-Versuch für die Martinskapelle, den man habe ablehnen müssen. «Trauungsgottesdienste bewilligen wir nur nach Rücksprache mit dem Pfarramt St. Niklaus in den Kapellen.

Diesen muss ein Geistlicher der Landeskirchen durchführen», verweist Wyniger auf die Möglichkeit, dass auch reformierte, christkatholische ja sogar methodistische Pfarrer die Zeremonie durchführen könnten.

Giuliani ist für Wyniger kein Unbekannter – so habe er schon für Zeremonien unter Beizug eines Ostschweizer Pfarrers angefragt, und dieser sei dann – angeblich erkrankt – gar nicht erschienen. Aber nicht nur in, sondern vor den Kapellen sind Zeremonien bewilligungspflichtig.

Habe doch die Cellistin bereits eine halbe Stunde vor der Martinskapelle gespielt, ehe Verena Dubacher ihren Vorgesetzten benachrichtigt und mit ihm zusammen interveniert habe. «Es hätte ja sein können, dass eine andere, angemeldete Hochzeit durch die nicht bewilligte Trauung vor der Kirche behindert worden wäre.

Druck wird immer grösser

Denn im Sommer findet jedes Wochenende in der Einsiedelei irgendeine Zeremonie, Trauungen, Taufen oder Andachten statt – Tendenz eher steigend. «Darum müssen wir wissen, wer was macht.»

In der Schlucht sei man kulanter, doch organisierte Anlässe mit mehreren Personen sollten auch dort dem Ort angepasst sein. Meditative, eher stille Anlässe sollten es sein, «ein Rockkonzert würden wir nicht bewilligen». Ohnehin werde es immer schwieriger, dass die Bedürfnisse aller Gruppen – vom Jogger bis zum Hundehalter – erfüllt werden können.

Der sakrale Ort lockt ebenso für Rituale wie das Naherholungsgebiet für Freizeitaktivitäten. Und da habe die sehr pflichtbewusste Einsiedlerin einen schweren Stand. Sergio Wyniger: «Viele erwarten dort hinten eine Nonne, oder sogar eine Heilige. Sie hat aber eher die Funktion einer Abwartin. Und viele lassen sich von einer Frau halt schon gar nichts sagen.

Zurück zu Thomas Giuliani, der jeweils im September ein Gratisführung durch die Schlucht organisiert. Auch er hatte schon einmal eine spezielle Begegnung mit der Einsiedlerin: «Ich parkierte mit dem Firmenauto der Bestattungsfirma Messer hinten in der Schlucht und wollte nach einer Beerdigung einen Spaziergang unternehmen.»

Unvermittelt sei Verena Dubacher auf ihn zugegangen und gesagt: Hier werde keine Asche von Verstorbenen verstreut. «Das hatte ich nicht vor und würde so etwas auch nicht machen», so Giuliani, der jedoch in der Schlucht schon solche Reste sowie Kerzen und Blumen beobachtet hat, die offenbar auf Gedenkorte an Verstorbene hinweisen.

Das bestätigt auch Bürgergemeindepräsident Wyniger: «Es gibt Leute, die streuen die Asche über die Felsen oder in den Bach. Das geht natürlich nicht.»

Und dann gebe es noch ganz spezielle Gruppierungen Satanisten, die sogar schon tagsüber beobachtet wurden. «Und das ist nur die Spitze des Eisbergs», meint Sergio Wyniger zur Tatsache, dass der Kraftort Verenaschlucht zunehmend Kraftakte der Eigentümerin erfordert. «Sie bereitet uns mehr Sorgen als Freude», muss Wyniger eingestehen.