Bummeln, stöbern und geniessen. Unter der Zubringerbrücke beim Kofmehl war am Samstag keine Hektik spürbar. Kurz vor acht Uhr entwickelte sich das Areal langsam zum Schnäppchen-Paradies. Während die Verkäufer auspackten, was sich in Jahren im Keller und Estrich angesammelt hatte, lauerten in den Ecken bereits die ersten Schnäppchenjäger, die ihren geübten Blick über das, was die Verkäufer aus ihren Autos auspackten, schweifen liessen. Sie wussten: früh aufstehen lohnt sich. So rasch die Profis aufgetaucht waren, waren sie auch wieder verschwunden und machten jenen Platz, bei denen nicht in erster Linie die Jagd auf gewisse Raritäten aus heimischen Stuben, sondern auch das gemütliche Schlendern durch den zweimal im Jahr durchgeführten Kofmehl-Flohmarkt ein Erlebnis war.

«Wir brauchen nicht immer etwas», sagt ein junges Ehepaar und betont, dass ihm auch das blosse «Schauen» Freude bereitet. Sie schieben einen Kinderwagen und bummeln durch eine Welt, die sich als wahre Wundertüte entpuppt. Ein Vater kniet vor einer Holzharasse und stöbert mit seinen Kindern in Kinderbüchern. Erstaunlich viele junge Leute sind auf dem Platz. Philipp Bruderer, der den Kofmehl-«Flohmi» zurzeit organisiert, weiss, warum dies so ist. «Das nachhaltige Denken nimmt bei den Jungen zu», sagt der sympathische junge Mann. Das sei «absolut cool».

Jung sind auch die beiden Frauen, die hinter einem Sammelsurium von Gebrauchtem stehen. «Ich bin eine Krämerseele und fühle mich hier wie auf einem Basar», sagt die eine und lacht, während die andere erklärt, dass sie im Kleiderschrank Platz machen möchte für Neues. Urs Glutz aus der Weststadt, der hinter einer alten Ziehlampe und mit Weihnachtskugeln gefüllten Eierschachteln steht, lobt die gute Organisation, die das Kofmehl anbiete, und die direkte Zufahrt zum Stand. Vor ihm auch ein Bild der Schweizerischen Eidgenossenschaft aus dem Ersten Weltkrieg mit den damaligen Bundesräten, Kantonswappen und Lebensmittelmarken.

Wahre Fundgruben reihum, gefüllt mit Vinyl-Schallplatten, Haushaltgeräten, alten Kinderwagen, robusten Dreiradvelos, Kinderspielzeug und sogar einer batteriebetriebenen Vespa. Zwei junge Männer haben einen wunderschönen Sekretär mitgebracht, der die Grossmutter hinterlassen hat. Jürg Schaller, der aus Buchs im Aargau angereist ist, sagt: «Ich bin seit zwanzig Jahren im Business, in Solothurn ist es viel gemütlicher als in Zürich.» Dort herrsche eine ganz andere Mentalität und die Besucher seien «ziemlich verbissen».

Beim Gespräch an einem Tischchen beim Getränkestand, wo man verweilen und möglicherweise einen Kauf überdenken kann, erzählt Philipp Bruderer, dass der von zwei jungen Frauen initiierte Anlass zum ersten Mal im Innern des Kofmehl stattgefunden habe. «Dort sind wir aber bald an Grenzen gestossen und haben gespürt, dass die Standbetreiber lieber draussen sind, wo sie mehr Entfaltungsmöglichkeiten haben.» Nachdem die beiden Gründerinnen in die «Flohmi-Rente» gegangen waren, hat auch er erfahren, dass es den Leuten «extrem gefällt» und die Ideen, wie man den Flohmarkt noch anders gestalten könnte, längst nicht ausgeschöpft sind. Dass die 65 Standplätze auch in diesem Herbst lückenlos vergeben werden konnten, bestätigt diese Aussage.

Die Besucher kämen aus der näheren und weiteren Region, aber auch aus anderen Kantonen, sagt Philipp Bruderer und kommt erneut ins Schwärmen: «Es freut mich, dass der Anlass so gut ankommt und wir so schöne Feedbacks erhalten. Es fägt einfach.»