Nein, die 28 bereitgestellten Stühle reichen doch nicht. Zwei Reihen brauchts schon noch. Unter den rund 40 fast ausschliesslich jungen Leuten schnuppert auch das Polit-Establishment am 24-jährigen, bisher unbekannten Stadtpräsidenten-Kandidaten Jeffrey Murphy. So ist FDP-Stadtparteipräsident Urs Unterlerchner da, der Murphy lange für eine Podiumsdiskussion zusammen mit Amtsinhaber Kurt Fluri bekniet hatte.

Aber auch Pascal Walter, Co-Präsident der CVP-Stadtpartei. «Nein, ich kenne ihn nicht näher», will Walter aber wissen, wie sich der Youngster «verkauft». Der hat bekanntlich den Solo-Auftritt dem Direktduell mit dem seit 20 Jahren amtierenden Fluri vorgezogen – im «Volkshaus»-Saal sind denn auch die meisten Erschienenen bekennende Murphy-Fans. Darunter auch die Familie des 24-jährigen Kochs im Palais Besenval, der zusammen mit zwei Brüdern in Zuchwil aufgewachsen ist. Damit hat es sich auch schon mit den biografischen Ergänzungen, nun folgt der Auftritt des Kandidaten.

Von Fukushima nach Solothurn

«Eine Milliarde Menschen ist von Hunger betroffen, und wir werfen täglich 320 Gramm Lebensmittel fort, soviel wie eine ganze Mahlzeit.» Murphy, der Koch, weiss, von was er spricht. Die Ausbeutung der Erde, «damit wir in Luxus leben können», beschäftigt ihn. Aber auch, dass sich jährlich 1000 Leute in der Schweiz das Leben nehmen. Dann Fukushima. Seither erst hinterfrage man die Atomenergie. Denn alternative Energien sind für Jeffrey Murphy wichtig. Und dass ein «frischer Wind» in Solothurn einkehrt. Das Mikrofon versagt den Dienst, zuvor rasch seine Stimme. «Ich bin nervös», gesteht er.

Dabei hat er seine Programmpunkte im aufliegenden Folder in den Solothurner Farben Rot-Weiss säuberlich aufgelistet. Die Zusammenarbeit von Jung und Alt stehe im Vordergrund – «Kommunikation ist das Mass aller Dinge». Er wolle die Anliegen der Bürger ernst nehmen, «ich werde mir Zeit für sie und ihre Anliegen nehmen.» Ein grosses Anliegen Murphys: «Der Klosterplatz sieht aus wie eine Trockenfleischplatte – er wirkt langweilig und öd.»

Beleben möchte er auch den Dornacherplatz, ja die ganze Vorstadt sei ihm wichtig. Und der Stadtmist, dessen Entsorgung im schlimmsten Fall 200 Mio. Franken kosten könne. Sämtliche Altlasten müssten entsorgt werden, «erst dann können wir an die schöne Wasserstadt denken.»

Plädoyer für die Jugend

Mehr Platz für die Jugend und ihre Kreativität fordert Murphy weiter. Der Solothurn Rapper «JQ» (Jorman Perez» mit dem Song «Hello Solo», Bilder des jungen Ateliers «Macherei» sowie zwei Lieder der Moderatorin und Sängerin Luana Guzanti unterstreichen, was gemeint ist.

Nach dem letzten Gitarrenzupfer oder 30 Minuten ist die Wahlveranstaltung beendet. «Nein, weitere Aktivitäten habe ich bis am 9. Juni keine geplant.» Auch eine offizielle Fragerunde gibt es nicht. Wir fragen trotzdem: «Was sagen Sie zu Bern?» Murphy zögert kaum: «Würde man die Anliegen der Jugend ernst nehmen, wären Aktionen wie ‹Tanz Dich frei› gar nicht nötig.»