Man nehme ein Bandlogo, das an Eishockey erinnert, einen Namen, aus dem niemand schlau wird, eine Setlist, die einmal quer durch alle Musikrichtungen führt und sieben singende Menschen, die sich nicht zu schade sind, auch mal ulkige Töne mit noch ulkigeren Gesichtsausdrücken zu verbinden. Das Ergebnis: Der Chutz ist am Sonntagmorgen «brätschvou».

Matinee mal ganz «unjazzig»

EVL heisst die Formation, die Organisator Rolf Rickenbacher ins Schwärmen gebracht und den Chutz gerockt hat. Laut Facebook stammt die Abkürzung noch aus dem Jahr 2011, als die Musiker unter dem Namen «Echo vor Lorraine» in Bern zu hören waren. Praktisch an der Abkürzung: Ihr kann problemlos eine neue Bedeutung zugeschrieben werden, sobald sich der Wirkungsort nach Solothurn verschiebt. Ein Vorschlag der Band: «Ensemblö vom Landhuusquai».

Dass der Begriff «Jazz» fast zum Zerreissen weit gefasst werden muss, damit das Repertoire von EVL noch darunter fällt, hat Rolf Rickenbacher nicht davon abgehalten, die fünf Sänger und zwei Sängerinnen an der Jazz-Matinee auftreten zu lassen. Der Erfolg gab ihm recht: Wer gestern Morgen einen Sitzplatz ergattern und gleichzeitig die Band sehen wollte, musste früh aufstehen, mit der Treppe vorliebnehmen oder wissen, in welcher Ecke die zusätzlichen Hocker versteckt waren. Alle anderen machten, was viele nach dem letzten Stück sowieso taten: stehen. Was die jungen Sänger boten, ging weit über «ulkige Töne» hinaus. Im Repertoire, mit dem fast jeder Musikgeschmack auf seine Kosten kam, fanden sich eingängige Balladen wie «All of me» von John Legend, rhythmisch mitreissende Songs wie «Lollipop» von Mika oder auch ein äusserst anspruchsvolles James-Brown-Medley.

Die Songs, die der gemeine Radiohörer instrumental kennt, haben die Sänger so arrangiert, dass sie diese allein mit Stimmen – a cappella – wiedergegeben können.

Wer nun meint, da habe ein gregorianischer Chor im Chutz aufgewartet, der irrt sich. Denn die Instrumente wurden mittels Stimmen imitiert, wobei die Sänger viel Experimentierfreude bewiesen. So übernahm Andreas Kaufmann immer mal wieder den Part der menschlichen Trompete, während Yves Wälchli als Beatboxer fungierte.

Oder, wie es sein Bandkollege und «Meister der Stimmgabel» Thomas Ulrich ausdrückte: «Yves hat heute statt einem Gipfeli ein Schlagzeug zum Zmorge gegessen.» Die Soli der beiden wurden vom zahlreich erschienen Publikum mit lautem Applaus goutiert.

Bass übernahm das Publikum

Ansonsten wurden die Rollen von Song zu Song neu verteilt. So wechselten sich die stimmgewaltigen Frauen Julia Felchlin und Tina Dauwalder immer mal wieder als Lead-Sängerinnen ab. Genauso häufig waren sie auch im Hintergrund zu hören, etwa wenn Tobias Ruprecht «I’m gonna be (500 Miles)» zum Besten gab, Lukas Kümin mit «Can’t Stop» der Red Hot Chili Peppers rockte oder Thomas Ulrich als schlankere Ausgabe von Büne Huber «Globetrotter» von Patent Ochsner interpretierte. Ulrich übernahm auch den Part des Entertainers und schaffte etwas, womit sich Nachwuchsbands häufig schwertun: das Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Tatsächlich sangen einige Zuschauer hörbar die Basslinie des Songs «Seven Nation Army» von White Stripes mit, während Ulrich mit Elan die Strophen übernahm.

Das Konzert endete, wie es begonnen hatte: mit etwas Verspätung. «Hunger nach mehr» liess ein Zuschauer bereits nach dem Mittag verlauten, woraufhin die Band zwei Stücke wiederholte und «Rockröhre» Lukas Kümin versprach: «Das nächste Mal bringen wir noch mehr Songs mit.»