Solothurn
Der Innenhof an der Schmiedengasse - die Zahnlücke der Stadt Solothurn

Die einzige unüberbaute Brache der Altstadt von Solothurn gibt zu reden. Doch solange die Eigentumsverhältnisse noch nicht geklärt sind, kann auch dieser «Schandfleck» nicht beseitigt werden.

Wolfgang Wagmann
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Der Hof von Süden
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Der Eingang zum Hinterhof
Das Haupttor im Westen mit der versprayten Mauer
Der Innenhof wird als Parkplatz genutzt
Der Innenhof an der Schmiedengasse
Der Brunnen von 1796 wäre ein Bijou

Der Hof von Süden

Wolfgang Wagmann

Der Innenhof an der Schmiedengasse ist wahrlich kein Bijou: Einige Autos sind hinter der versprayten Aussenmauer, der Südeingang wird von einem provisorischen Gitter gesichert. Und so schlugen die Grünen der Amtei Solothurn-Lebern im Verlauf ihrer Wahlaktion auch an der Schmiedengasse einen Pflock ein, um auf den dortigen «Schandfleck» hinzuweisen. Tatsächlich ist der Innenhof die einzige unüberbaute Brache in der Altstadt, was jedoch auch mit den komplizierten Eigentumsverhältnissen zu tun hat.

Zwei Erbgemeinschaften

Eigentümer des Innenhofes (Hofparzellen) sind zwei Erbgemeinschaften, die jede für sich im Moment noch mit der Klärung ihrer Besitzesverhältnisse befasst ist. Und solange diese nicht juristisch feststehen, sind die Erbgemeinschaften auch nicht handlungsfähig, was weitere Pläne für eine allfällige Überbauung anbelangt. «Die Meinung ist aber schon, dass hier etwas entstehen soll. Man hat auch schon darüber diskutiert», so gemäss einer Nachfrage bei Beat Schmid, Verwalter der Hofparzellen der einen Erbengemeinschaft. Konkreter kann Schmid nicht werden, ergänzt aber, dass «bisher eigentlich nur der Zustand der Umfassungsmauer kritisiert worden sei.» Immerhin werde für den ordentlichen Unterhalt beispielsweise wie denjenigen der Mauerabdeckung gesorgt.

Ohnmächtige Stadt

«Vom Baurecht her können wir niemanden zwingen, sein Land zu überbauen», stellt Stadtplaner Daniel Laubscher lakonisch fest. «Wir können nur für Sicherheit und Ordnung sorgen», verweist er darauf, dass die Stadtbehörden schon vor geraumer Zeit den Abbruch eines alten Hausrests im Süden des Hofs aus Sicherheitsgründen verfügt hatten.» Wolle die Stadt Einfluss auf eine Überbauung nehmen, «so müssen wir die Eigentümer dazu animieren. Der zweite Weg wäre ein Erwerb.» Doch damit verbunden müsse ein öffentliches Interesse am Hof und dessen künftiger Nutzung sein, verweist Laubscher auf die Planung Weitblick beidseits der Westumfahrung, wo die Stadt grosse Landreserven erworben hat und sie nun beplant. Dass gebaut werden könnte, sofern die Eigentümer wollen, stehe aber nicht zur Diskussion.

Müsste zur Altstadt passen

«Nirgends kann man dichter bauen als hier in der Altstadtzone», die laut dem Stadtplaner mit einer Ausnützungsziffer AZ 3.0 belegt ist. Das heisst, jeder Quadratmeter des Hofs könnte dreigeschossig mit Dachstockausbau überbaut werden. «Dagegen haben wir im Perimeter Weitblick eine Ausnützungsziffer unter 1.0». Ein Neubau in der Altstadt wäre für Laubscher ein absolutes Novum, denn auch beim aktuellen Totalumbau der neuen Raiffeisenbank am Kronenplatz wurde zumindest das äussere Erscheinungsbild gewahrt. An der Schmiedengasse müsste ein Neubau zumindest vom Volumen und der Form her zu der als Ensemble von nationaler Bedeutung geschützten Altstadt passen. Abgesehen davon findet der Stadtplaner, solche «Zahnlücken» im Altstadtbild wie den alten Innenhof «völlig normal. Im Stedtli von Büren an der Aare, wo ich wohne, gibt es drei, vier solche.»

Auch die Nutzung des Hofs als Parkplatz ist für Laubscher völlig rechtens, auch wenn dies nicht alle optimal finden würden. Für jede Liegenschaft sei vom kantonalen Baurecht her eine Anzahl Parkplätze vorgeschrieben, was in der Altstadt längst nicht erfüllt werden könne. «Deshalb haben wir ein Parkplatzreglement, und viele Liegenschaftenbesitzer müssen ihren Parkplatzbedarf durch den Einkauf bei der Parking Solothurn AG decken.»