Solothurn
Der Indoorspielplatz Nilpfi wird in seine Einzelteile zerlegt — einiges wird aber andernorts wieder aufgebaut

Spielturm, Eisenbahn und Trampolin des Indoorspielplatzes Nilpfi landen nicht im Müll. Sie werden an anderen Orten wieder aufgebaut.

Fabio Vonarburg
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Nilpfi-Geschäftsführer Christoph Gerber, im Hintergrund sieht man den halb abgebauten Spielturm.

Nilpfi-Geschäftsführer Christoph Gerber, im Hintergrund sieht man den halb abgebauten Spielturm.

Fabio Vonarburg

Am 31. Dezember hätte zum letzten Mal Kinderlachen die grosse Halle des Solothurner Indoorspielplatzes Nilpfi füllen sollen. Zum letzten Mal nach 15 Jahren. Doch wegen den verschärften Coronamassnahmen tobten am 9. Dezember zum letzten Mal Kinder durch das ehemalige Feldschlösschen-Depot beim Hauptbahnhof – und früher als geplant wurde damit begonnen, den Spielplatz in seine Einzelteile zu zerlegen.

«Es hat geschmerzt», sagt Christoph Gerber, Geschäftsinhaber Nilpfi, über den Beginn der Abbrucharbeiten. «Das Nilpfi war 15 Jahre lang unser Baby. Wir haben jedes Element selber eingebaut.» Wie etwa die Eisenbahn, die zu bestimmten Zeiten Kinder und Eltern durch die Anlage fuhr.

Das Bahnhofsschild behält Christoph Gerber

Diese war ein Highlight der kleinen Besucherinnen und Besucher, was sich jeweils daran zeigte, dass die Aufregung gross war, wenn die Glocke die bevorstehende Abfahrt ankündigte. Alles wurde stehen und liegengelassen, um sich einen Platz im Zug zu ergattern. Das Stationsschild ist eines der wenigen Stücke, das Gerber und seine Geschäftspartnerin behalten. «Ich werde es über meinem Bett aufhängen», so Gerber scherzhaft, dessen Abschiedsschmerz sich in den letzten Tagen etwas gelegt hat. «Ich habe mich damit abgefunden. Es ist jetzt, wie es ist.»

Dass das Nilpfi Ende Jahr Geschichte ist, darüber informierte Gerber Ende September. Die Halle muss wegen des geplanten Ausbaus des Bahnhofs weichen, weswegen die Indoorspielplatz-Betreiber den auf Ende Jahr auslaufenden Mietvertrag nur noch monatlich hätten verlängern können. Als Geschäftsleute müssten sie langfristig denken können, sagte Gerber im September. Zudem hat Corona und damit die erschwerten Bedingungen ebenfalls zum Entscheid beigetragen, per Ende Jahr 2020 Schluss zu machen.

Spielturm wird im Kanton Bern wieder aufgebaut

Für das Nilpfi ist zwar Schluss, nicht aber für die meisten Spielgeräte. Diese werden weiterhin Kinderherzen höherschlagen lassen, worüber sich Gerber besonders freut. So etwa der Spielturm, mit dem Bällebad und der sieben Meter langen Rutschbahn.

Sechs Wochen dauerte es einst, bis die Anlage in der Halle in Solothurn stand. Auch einige Zeit, wenn auch nicht ganz so lange, nimmt der Abbau in Anspruch. Diesen nimmt das Team des Rubigen Centers selber vor, dem neuen Standort des Spielturms, der Trampolinanlage sowie der Mini-Kartbahn. «Ihr müsst dann noch Berner Autonummerschildern anfertigen», ruft Gerber Geschäftsführerin Franziska Beutler und deren Arbeitskollegen zu.

Das Rubigen Center bietet bislang Bowling sowie verschiedene Escape Rooms an. Künftig kommt ein Indoorspielplatz dazu. «Wir haben noch Platz im Untergeschoss», erzählt Franziska Beutler vom Rubigen Center, das derzeit wegen der Coronapandemie geschlossen bleiben muss. Dann wendet sich Beutler an Gerber und lädt ihn und seine Geschäftspartnerin nach Rubigen ein: «Wenn alles fertig ist, müsst ihr vorbeikommen.»

Auch für die grosse Sammlung an Legosteinen und vor allem die Eisenbahn fand das Nilpfi einen Abnehmer. Und zwar bleibt die Bahn im Kanton Solothurn, wird in 22 Kilometer Entfernung wieder neu aufgebaut. Vermutlich wird die Strecke sogar länger als jemals zuvor, wie Käufer Fritz Reusser erzählt, der gemeinsam mit seiner Familie den Zelgli-Träff in Biezwil betreibt – eine Erlebniswelt auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb, die ab Ende Mai um eine Attraktion reicher ist: «Pumpelpitz – Kindergeburtstagsparty auf dem Bauernhof». Ein Teil davon wird die Eisenbahn sein.

Auch der Airhockey-Tisch wurde vom Nilpfi übernommen. «Dieser steht derzeit noch in unserem Wohnzimmer», so Reusser, der mit seinen sechs Kindern mehrmals den Indoorspielplatz besucht hatte und von dort die Eisenbahn kannte. Noch nicht mal nach Hause transportiert, wird in der Familie bereits diskutiert: «Jeder will künftig der Lokführer sein», lacht Fritz Reusser.