Fasnachtsjubiläum
Der HGL setzt das Sahnehäubchen auf jeden Umzug

Fünf Hauptgass-Gewerbler fanden vor 75 Jahren, man dürfe die Narrenzunft Honolulu nicht mehr «allein an der Fasnacht durchs Stedli gwaggle lassen» - die Geburtsstunde des Hauptgassleists oder HGL.

Wolfgang Wagmann
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Der Hauptgassleist 2012 Bezaubernd unterwegs
10 Bilder
Wahlkampfzirkus 2010
Als Lippenstifte 2009
2008 unterwegs mit Pinguinen und Eisbären
Mehr als aktuell war die Mondlandung als Wagen von 1967
Zwei Jahre zu früh - die Mondlandung 1967
Der Bipperbus 1952
Der Berg der Kuzunft 1950
Politisch hoch brisant war das 1939er Motto Dr Gsinnigschnüffler
Hauptgassleist ist seit 75 Jahren an der Solothurner Fasnacht

Der Hauptgassleist 2012 Bezaubernd unterwegs

Daniel Wagmann

1938 zog ergo die neue Wagenbauzunft mit ihrer «Steuerschraube» durch die Stadt. Ein Motto, das übrigens noch heute aktuell wäre. 1939 verrät der Fasnachtswagen «Dr Gsinnigsschnüffler» einiges über den Zeitgeist, der wenige Monate vor dem 2. Weltkrieg herrschte und auch dem Hauptgassleist eine mehrjährige Fasnachtspause auferlegte.

Umso zünftiger legten die HGL-Narren danach wieder los, und zwar glossierten sie vor allem städtisch-regionale Themen wie «Weissenstein, Berg der Kuzunft» 1950 zur «Sässeli-Eröffnung», oder den «Bipperbus» 1952. «Heute ist das lokale Thema nicht mehr zwingend», verrät HGL-Ober Res Walker zum Wagensujet, das im Herbst von allen Mitgliedern erkoren wird. Heuer allerdings hat man sich wieder auf Lokales besonnen - mit «D' Rousseau macht vor Altreu schlapp, dr Hauptgassleist, dä schleppt se ab!»

Mitgesponsert von Feldbrunnen

Der Hauptgassleist hat den Anspruch «den grössten und schönsten Wagen» zu bauen. «Früher hatten wir auch den Schwersten, doch der jetzige, neu konstruierte ist um einiges leichter als der Alte», so Walker.

Speziell ist auch die Finanzierung der Kosten von 15 000 Franken: Die Hälfte davon hat nämlich der Kulturförderungsfond von Feldbrunnen berappt. Der Wagen ist so gesehen auch nicht das Problem, sondern wo man ihn baut. Eine Sorgenfalte, die Res Walker mit anderen Obern von Wagenbauzünften teilt - denn gesichert ist die Unterkunft in der jetzigen Flumen-thaler Halle nur noch nächstes Jahr. Auf sicher hat der HGL jedoch seinen Umzugsplatz: Traditionell ist er die letzte Nummer. Und nur böse Zungen behaupten, er fahre bloss zuletzt, weil bei ihm das Risiko am grössten sei, gar nie durchs Bieltor zu kommen ...

Als Kartoffeln statt Rosen wuchsen

Öffentlich wird der HGL auch am Märet-Fescht wahrgenommen, wenn er sein Beizli zwecks Mitfinanzierung der Fasnachtsaktivitäten betreibt. Ein weiterer Zustupf ist der Erlös der jährlich 300 verkauften HGL-Bildli, kreiert durch Solothurner Kunstschaffende.

«An der Generalversammlung dagegen hat Ernsthaftes keinen Platz», betont Res Walker. Denn die Narren tauchen sujetgemäss verkleidet auf und pflegen das, was den HGL intern auszeichnet: geselliges, närrisches Zusammensein mit Produktionen, Versen und allerhand Klamauk. «Unser Narrenjahr beginnt jeweils im November mit der «Röschti», begleitet von Blut- und Leberwurst.» Und mit diesem Anlass hat es seine Bewandtnis: Einige Narren steckten einst «Härdöpfu» in Albert Bogaerts Rosenbeet in Adelboden.

Dieser schickte im Herbst die seltsamen neuen Rosen dem HGL - «die Röschti» war geboren. Am «Buffet» mit Ehrengästen werden anfangs Januar Larve und Kostüm vorgestellt, mit dem Wagebauznacht am Fasnachtssamstag «sagen wir unseren Frauen Merci», so Walker: Bleibt als letzter Höhepunkt das Lämplilösche mit dem Verbrennen des HGL-Bööggs am Aschermittwoch - an sich auf dem Weissenstein. Doch bis wieder eine Bahn rauffährt, kommt so Gänsbrunnen in den Genuss eines Bööggverbrennets vor dem Gasthaus St. Joseph.