Herbst 1978. Vor dem Baseltor haben 60 Gewerbler eine Messe hochgezogen. Man kennt sich, fast alle geschäften in Solothurn. Nur Mitglieder des örtlichen Gewerbevereins können an der ersten HESO dabei sein. Heute sind von damals gerade noch zwei Weinhändler übrig geblieben. Einer hat das elterliche Geschäft ausgebaut und neu fokussiert. Er will künftig mehr von seiner Heimbasis aus operieren, Messen, ja sogar Fachmessen sind für ihn tabu geworden – bis auf die Herbstmesse Solothurn.

Tatsächlich entzieht sich die HESO einem Trend: Messepräsenz ist teuer und bringt immer weniger ein. Also bleibe ich daheim. Zu sehen an Publikumsmagneten wie der BEA, einer Muba. Diese Fakten sind beunruhigend auch für den Traditionsanlass HESO. Die aber bisher mit viel Innovation und klarer Ausrichtung auf die regionale Identität ihre Position behaupten konnte. Vor zehn Jahren dachten viele, wer kann «Partypapst» Urs Bucher ersetzen? Er ist ersetzt.

Genauso wie dieses Jahr zwei grössere frei gewordene HESO-Restaurants. Sie waren sogar ein Gewinn. Genauso wie die Optik der Messe, die an visueller Qualität klar zugelegt hat. Doch der Preis für das Halten der Position ist hoch. Das HESO-OK ist angewiesen auf grosse, professionelle Player wie den Event-Macher Harri Kunz, die beiden regionalen Energiedienstleister mit ihren grossflächigen Standflächen. Dazu sind viele, auch gut subventionierte soziale Institutionen gekommen, die zu günstigeren Standtarifen auftreten – mit dem Anspruch, regionale Aussteller zu sein und den Publikumsmix aufzuwerten. Diese Durchmischung hält die HESO noch am Leben.

Noch? Ja – denn die «Noch-auch-Gewerbemesse» HESO kann sich den strukturellen Problemen des Schweizer Detailhandels nicht entziehen. Alle die Innenausstatter mit ihren Bettenburgen, Küchen und Polsterreihen kämpfen mit dem Online-Direktvergleich, der oft jeden HESO-Rabatt schlägt. Und dem Einkaufstourismus im grossen Stil, über den die Aussteller nicht gerne reden mögen. Aber er setzt ihnen zu. So will die Rythalle AG eine Langzeitstrategie aufgleisen, die sogar den Fall des Undenkbaren einschliesst: Was nämlich mit einer Reithalle ohne HESO-Einnahmen passiert.