Solothurn

Der gute Geist des Landhauses geht in Pension: «I bi denn nümme do»

Ueli Buchmüller war letztmals Anlaufstation für die Filmtage-Leute im Landhaus.

Ueli Buchmüller war letztmals Anlaufstation für die Filmtage-Leute im Landhaus.

Nach mehr als 41 Jahren geht Ueli Buchmüller, der Hauswart des Landhauses, in Pension. Ein Portrait.

«I bi denn nümme do. Dir müesst nech de a Herr Arnold wände. I bi denn pensioniert.» Und tschüss. Ueli Buchmüller hat wohl einen seiner letzten Anlässe als Hauswart des Landhauses aufgegleist. Die Besichtigung der Räume durch den Interessenten findet im Februar statt. Doch Ende Januar geht die Ära Buchmüller zu Ende. Obwohl er erst im November 65 wird. «Stundenweise helfe ich aber noch aus.»

Sein Nachfolger sei bestimmt, aber er dürfte ein Weilchen brauchen, bis er das Labyrinth am Aarestrand mitsamt dem gegenüberliegenden Haus am Land so aus dem Effeff kennt wie der bisherige «gute Geist des Landhauses». Fast im Minutentakt werden wir in unserer Unterredung gestört. Der Countdown für die Filmtage läuft. Die Leute schneien ins Kompetenzcenter Buchmüller und wollen ihre Sörgeli loswerden.

«Nein, Guggi, das Teil ist nicht im Haus. Da bin ich mir zu 99 Prozent sicher.» Guggi ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Wenn Ueli Buchmüller 99 Prozent sagt, ist er hundertprozentig sicher, dass Guggi das Gesuchte im Landhaus nicht findet. Denn hier kennt der Hauswart jeden Nagel und jede Schraube.

Als Provisorium angefangen

Was weiter nicht verwunderlich ist. Denn mehr als 41 Jahre ist Ueli Buchmüller für das Landhaus-Ensemble schon zuständig. Ein Arbeitsleben also. «Am 28. August 1975, mit 23, habe ich hier angefangen», lässt er den Blick durch sein Büro schweifen. «Xaver Marti war verunfallt und ich wurde provisorisch für ihn angestellt, bis er wieder fit sei.»

Doch die Stadt liess Buchmüller nicht mehr gehen und sie hat es wohl nie bereut. Stadtschreiber Hansjörg Boll als sein Vorgesetzter, der sich seit einiger Zeit im Landhaus mit Problemen, verursacht durch die Besenval-Küche, herumschlagen muss, zollt seinem Hauswart grössten Respekt: «In all den Jahren gabs nur eine einzige Reklamation wegen ihm.» Ein Nichts, angesichts von Tausenden Anlässen, die Ueli Buchmüller in seinem «Landhaus-Leben» meistern musste.

«Als gelernter Automech schaute ich noch zu den Fahrzeugen der Feuerwehr hier im Landhaus. Kam doch diese erst 1978 in die damalige Weissenstein-Garage ins heutige Magazin.» Von der Feuerwehr habe er lange «einige Lohnprozente» erhalten und ab 1978 bis 1986 wohnte er auch oberhalb des Feuerwehrmagazins an der Grenchenstrasse, wo er oft im Pikettdienst zu all den Bränden in der Stadt und Region ausrücken musste.

«Unter dem damaligen Kommandanten Hans Wälchli war ich Abwart II im Landhaus.» Ab dem 1. Mai 1987 fungierte Buchmüller dann als Chef im Landhaus. Und zuständig auch für den Ostteil des ehemaligen Schulhauses am Land, das in der ersten Hälfte der neunziger Jahre zur Jugendherberge umgebaut wurde. Die Jura-Säle und das Probelokal von Stadtmusik, Jugendmusik und Brass Band Solothurn gehören dazu.

Umbauten und lustige Gäste

Mit dem Umbau des Landhauses und der Integration in die Seminarmeile 2005/06 änderte sich auch für die Hauswarte einiges. So ersetzte die Hotelkette Ramada das ehemalige Wirte-Konsortium als Bankett-Organisator. «Das war eine interessante Zeit. Wir konnten beim Umbau unseren Senf dazu geben und sagen, was wir brauchten.» Trotz des Umbaus hätten noch Anlässe stattgefunden – und zwar hinter Staubwänden.

Das neue Landhaus brachte nicht nur technische Innovationen wie eine Regiekabine für Grossevents, sondern auch neue Gäste. «Sie wurden internationaler. Einmal hatten wir hier eine Grossfirma, deren Manager nur Englisch konnten. Am Schluss tranken wir mit ihnen ein Bier, obwohl wir nichts von ihnen verstanden haben.»

Grosses Hin- und herschreiben war nie Ueli Buchmüllers Ding: Wenn die Stadt eine Reservation abgeschlossen hatte, «lief bei uns fast alles nur noch telefonisch.» Nicht immer allerdings waren die Gäste lustig, «unangenehm war für mich, wenn ich mich mit Betrunkenen herumschlagen musste.» Als «Mädchen für alles» war der Hauswart natürlich ständig besorgt, dass alles Notwendige im Haus und auch am richtigen Ort war.

So weckte einmal ein vermisstes Transportwägeli der Marke Eigenbau den Detektiv in Ueli Buchmüller. «Es war an einem grösseren Anlass mit Pepe Lienhard verschwunden. Also rief ich dessen Agentur an und meldete den Verlust. Das Wägeli wurde anstandslos bezahlt.» Einige Zeit später war der Landhaus-Abwart dann aber baff: «Eines Tages meldete sich bei mir Markus Hochstrasser von der Denkmalpflege.

Er habe in einem Altstadt-Estrich ein Wägeli entdeckt, dass nur aus dem Landhaus stammen könne.» Die Agentur von Pepe Lienhard traf also keine Schuld, «irgendjemand hatte das Wägeli draussen geklaut.»

Neue Zeiten brechen an

Handwerkermessen, Auto- und Maschinen-Präsentationen – «die grossen Tore und die massiven Böden des ehemaligen Feuerwehrmagazins sind dafür gäbig» – aber auch Fasnachtsbälle und Bankette aller Art liessen das Leben im Landhaus für Ueli Buchmüller nie langweilig werden. «Seit dem Umbau haben wir vermehrt auch Hochzeiten in der Säulenhalle. Die sind sehr aufwendig, wegen der Dekoration.»

Wollen doch die Vorbraut oder der Tätschmeister jeweils dafür sorgen, dass der Hochzeitstag auch ein grosser Tag wird. Hochsaison für Anlässe aller Art ist jeweils im Mai und Juni, dann zwischen September und Ende November. «Aber auch in Sachen Technik hat sich viel geändert», meint Ueli Buchmüller.

Wo es früher ein Proki-Schreiber mit dem Auflegen von Folien tat, ist heute viel digitale Elektronik im Spiel – bis hin zum Headset anstelle des früheren, ordinären Mikrofons. «Das bedingt viel mehr Präsenz von uns, damit immer alles funktioniert.»

Der Hauswart im Landhaus dürfte also nicht so rasch überflüssig werden. Ueli Buchmüller freut sich aber auch auf den Ruhestand. Zumal ihm zuletzt Knieprobleme über Monate hinweg zu schaffen machten. «Mit dem ‹Tschutten› ist es wohl vorbei. Aber ich hoffe, dass ich bald wieder fit bin und im Sommer auf dem Velo oder mit meinem Wanderclübli unterwegs sein kann.»

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