Solothurner Fasnacht
Der «Gring» muss bei den Glungge-Hüpfern gross sein, die Stoffe knallig

Seit 25 Jahren gehört die Nachwuchsgruppe Glungge-Hüpfer fest zur Solothurner Fasnacht. Entsprechend auch ihr diesjähriges Sujet: «Für 25 Johr z’jubiliere, chöme vo ungerobsi mir us de honolulesische Theatergründ zu dir.»

Pius Rüegger
Merken
Drucken
Teilen
Bei den Glungge-Hüpfern kann sich der Fasnachtsnachwuchs prächtig austoben.

Bei den Glungge-Hüpfern kann sich der Fasnachtsnachwuchs prächtig austoben.

Oliver Menge

Zu «handglismet» wirkten damals die Umzugsmasken des damaligen «Clubs junger Mütter», einiger junger Frauen. Dies veranlasste im Herbst 1989 die leider verstorbene Vreni Zwahlen als kreativen Kopf, sowie Yvonne Bernasconi und Eva Schenk sich aus dieser Organisation zu lösen und eine eigene Gruppe für den Nachwuchs zu gründen. «Wir trafen uns zu einer Sitzung im Restaurant Löwen, an der auch Urs und Erna Zumstein anwesend waren, um einen Namen zu finden», erinnert sich Mitgründerin Yvonne Bernasconi.

Dieser Name sollte die Verbindung zu Solothurn aufzeigen und kindgerecht sein. «Glungge» ist ein typischer Mundartausdruck für Pfütze, in die Kinder gerne springen – also «hüpfen». Zudem soll und darf eine närrische Gruppierung durchaus ihre Spritzer hinterlassen. Der Name war geboren: Glungge-Hüpfer.

Somit war die erstmalige Teilnahme an den Umzügen 1990 aufgegleist. Kein Ziel war es, einen Verein mit Statuten und Vorstand zu gründen. Als lose Gruppierung können die Glungge-Hüpfer nun als stolze Umzugsnummer 5 auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Entsprechend auch ihr diesjähriges Sujet: «Für 25 Johr z’jubiliere, chöme vo ungerobsi mir us de honolulesische Theatergründ zu dir.»

Wie die Zusammensetzung der Namensgebungssitzung aufzeigt, blieben Männer nie ausgeschlossen. «Allerdings waren es jeweils nur einzelne Männer, die mitmachten», so Franziska Egeli Mathys. Sie ist seit 23 Jahren dabei, fungiert intern als Koordinatorin und ist Ansprechperson nach aussen. «Alle denken mit, haben ihre Ideen und bringen sich ein, denn wir sind für Mitläuferinnen zu klein, sodass die Pendenzen auf alle Schultern verteilt werden können», bezeichnet sie ihre Organisationsform. Allerdings: Nicht ohne Einfluss auf das Gruppenleben blieben die Neuen Medien. «Im Zeitalter von Whatsapp sehen wir uns weniger, wir informieren uns mehr über diesen Kanal», schwingt ein leiser, bedauernder Unterton mit.

Stetige Erneuerung der Gruppe

Entwickelt hat sich die Gruppe in ihrer Nachwuchspflege durch persönliche Kontakte. Auf diese Weise haben sich die Glungge-Hüpfer immer wieder erneuert. «1999/2000 hatten wir eine Krise mit grosser Rochade, denn wir beschlossen etwas, das es damals noch nicht gab, ein schwarzes Kostüm mit nur einem roten Punkt. Das Motto hiess «Nöime muesch e Punkt setze». Wir waren plötzlich nur noch fünf Frauen, vorher um die 26, eine Kerngruppe begann quasi frisch», wäre es für Egeli Mathys wieder Zeit für einen Generationenwechsel: «Wir suchen primär Frauen mit Kindern.»

Um die Kosten zu decken, kennen die Glungge-Hüpfer eine Beitragspflicht. «Beitragspflichtig sind neben den Erwachsenen die Schulpflichtigen bis zum neunten Schuljahr, nach der Schule gelten sie als Erwachsene. Die nicht schulpflichtigen Kinder sind beitragsfrei, müssen aber auch keine Masken tragen», erklärt Egeli Mathys. Diskussionen gebe es immer wieder, wenn Vier- oder Fünfjährige trotzdem eine Maske wollen, Schulpflichtige jedoch nicht.

Damit sind wir beim Thema. Die Maske ist das Markenzeichen der Glungge-Hüpfer. «Wir richten uns nach dem Grundprinzip: Wie wirken wir als Gruppe?», so Egeli Mathys. «Der ‹Gring› muss gross sein, die Stoffe knallig, und entsprechend laufen wir im Schwarm, damit der Eindruck entsteht, ‹wir stellen mehr dar, als wir sind›», fügt sie schelmisch an. Das heisst, die Larven und Kostüme werden selbstredend selbst hergestellt. «Die Dinge zum Mitschleipfen kommen erst in letzter Sekunde, wenn wir heiss auf die Umzüge sind.»