Schauplatz CIS Halle Solothurn: in der Hauptrolle der TV Solothurn Handball und der KTV Visp. David gegen Goliath, in der Tabelle ausgedrückt, Erster gegen den Zehnten. Wir treffen den Regisseur des Solothurner Erfolgs, Stefan Blaser, 54, Geschäftsmann aus Solothurn, Präsident beim TVS. Die Vorfreude auf das Spiel ist gross: «Ich habe selber auch Spitzenhandball betrieben, da ist es natürlich schön, weiter in Handballhallen sein zu dürfen.» Eine Begrüssung hier, ein paar nette Worte da. Blaser kennt viele der anwesenden Zuschauer persönlich und nimmt sich Zeit für sie. Von Stress keine Spur. Das ist nicht selbstverständlich, denn neben seinem Engagement beim TVS ist er CEO der national tätigen Roth Gruppe und Initiant des Radsportteams Roth/Skoda. «Ich versuche, am Wochenende keine Geschäfte zu machen, sondern mich privat zu erholen. Dabei hilft auch der Sport», so Blaser.

Das Spiel beginnt und das Heimteam tut sich lange schwer. Blaser wird unruhig, seine Worte bleiben überlegt und durchdacht. Er redet nicht um den heissen Brei. Auch nicht, als das Gespräch auf den Radsport führt: «Eigentlich verstehe ich ja gar nichts vom Rennsport. Das muss ich aber auch nicht», ist er sich sicher. Wir glauben es ihm, weil er es auf tiefster Überzeugung sagt. «Ein Verein ist ähnlich wie ein Unternehmen. Der Erfolg hängt nicht von einer Person oder einer Position ab, daran sind viele Leute beteiligt. Diese müssen aber entsprechend betreut und geschult werden. Zudem muss man gewisse Strukturen reinbringen, was ich mit meiner Erfahrung sicherlich kann.»

Seit 2011 fungiert die Roth Gruppe als Hauptsponsor des Radteams Roth/Skoda. Der Hauptsitz mit eigenem Veloladen ist im Bolacker Gerlafingen im selben Gebäude wie Blasers Büro. Innert 15 Jahren ist der Personalbestand der Roth Gruppe von 12 auf über 300 Mitarbeiter angewachsen. Die Expansion ist in vollem Gange. Erst kürzlich hat man mehrere Firmen übernommen, zwei weitere kommen in naher Zukunft dazu. «Es gilt mit dem Unternehmen wie auch mit dem Team, in eine Richtung zu gehen. Dabei gibt es manchmal auch schlechte Entscheidungen. Das ist nichts als menschlich. Wichtig ist nur, dass man sie nur einmal macht», sagt Blaser.

Fehler macht auch der TV Solothurn. Pausenstand 15:15. «Leider verläuft im Sport nicht immer alles wie gewünscht», sagt Blaser. Als Favorit vergeigte der TV Solothurn vergangene Saison in den letzten beiden Spielen den Aufstieg. Dass das Team in dieser Spielzeit praktisch unverändert antritt, ist keine Selbstverständlichkeit. «Viele Spieler hatten Angebote aus höheren Ligen. Für uns war jedoch das Wichtigste, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Dafür haben wir auch einige Bemühungen unternommen», erklärt Blaser. So werden beispielsweise Spieler und Trainer von einem bekannten Mentalcoach betreut, für eine professionellere Struktur und Vermarktung wurde neu eine Geschäftsstelle eingerichtet. Beides nicht alltäglich in der 1. Liga. «Wir wollen zusammen mit den jungen Leuten etwas aufbauen und erreichen. Wir wollen ihnen eine Plattform geben, auf der sie sich weiterentwickeln können», sagt Blaser stolz. «Jung, wild und stets einen Tritt voraus», so beschreibt Blaser das erwünschte Image auch im Radsport. Das Umfeld dafür scheint zu passen.

In Zusammenarbeit mit dem Velodrome in Grenchen und der Nähe zum Schweizer Radsport-Verband will Roth/Skoda zur Topadresse für den Schweizer Nachwuchs werden. Der Rennstall ist auf dem besten Weg dazu.

In der nächsten Saison startet das Team in der Professional Continental Tour, der zweithöchsten Profistufe. Nach IAM Cycling in der Pro Tour ist Roth/Skoda damit nominell der zweitbeste Schweizer Rennstall.

Doch Blaser relativiert: «Unser Budget beträgt nur rund über einen Zehntel der Budgets anderer Teams auf unserer Stufe. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, unser Team mit dem Laden und den vielen Events finanzieren zu können. Ich fungiere in beiden Vereinen nicht als grosser Geldgeber.» Dass das Engagement bei Roth/Skoda aber auch finanziell interessant ist, kann er nicht verneinen: «Für einen Sponsor ist der Radsport optimal.» Nebst dem nach wie vor grossen Zuschauerinteresse, sorgen hauptsächlich die langen TV-Zeiten für beste Firmenwerbung.

In einer gänzlich anderen finanziellen Welt bewegt sich der TV Solothurn. Dennoch vermag er entscheidend aufzudrehen und bleibt mit dem 24:29-Sieg weiter ungeschlagen. Blaser ist sich sicher, dass dies mit der mentalen Entwicklung zu tun hat. Das Team lässt sich auch bei knappen Spielständen nicht aus der Ruhe bringen. Wohin dieser Weg führen soll, ist für Blaser klar. Der TVS will schnellstmöglich zurück in die NLB und sich dort mit jungen Talenten im Mittelfeld etablieren.

Die Grundlage dafür ist gelegt. Bleibt zu hoffen, dass die Solothurner nicht wie im letzten Jahr auf den letzten Metern ausgebremst werden.

Oder, dass den Akteuren in den entscheidenden Momenten die Puste ausgeht, wie es im Radsport derweil immer möglich ist. Denn auch da ist für Blaser klar: «Wir orientieren uns an den Schweizer Rundfahrten. Das angestrebte Ziel ist die Teilnahme an der Tour de Suisse!»