Letzte Konzerte

Der Frauenchor bocc’aperta war über Jahrzehnte ihre grosse Leidenschaft

28 Jahre leitete Renata Würsten den Frauenchor bocc’aperta.

Der Frauenchor bocc’aperta hat diese Woche zwei Auftritte mit dem Tessiner Duo Vent Negru. Es werden die letzten Konzerte der Dirigentin Renata Würsten sein, welche die Chor-Leitung nach knapp 28 Jahren abgibt.

Es ist ein wunderschöner Samstagmittag im Aussenrestaurant des Kreuz in Solothurn, wo der Chor bocc’aperta beheimatet ist und einmal pro Woche probt. Kaum Platz genommen, nimmt Renata Würsten einen schwarzen Bundesordner mit dem rotem Schriftzug «bocc’aperta» hervor: Eine Chronik ihres Schaffens, ein Geschenk der Chorfrauen. Stolz schlägt sie die Seite auf, die einen Flyer vom ersten öffentlichen Auftritt zeigt: die musikalische Begleitung einer Stadtführung von Marie-Christine Egger zum Thema Heilige, Damen, Hexen, Weiber. «Als ich vor knapp 28 Jahren angefragt wurde, die Leitung zu übernehmen, sagten mir die damals sieben Chormitglieder, sie wollten ja nicht auftreten, nur singen», erinnert sie sich. Irgendeinmal hätten sie zeigen wollen, was sie können. Das war der Startschuss für zahlreiche wundervolle Auftritte, die in der Kirche Mühledorf und am Samstag an der Kulturnacht Solothurn zum letzten Mal unter ihrer Leitung stattfinden werden.

«Ins Herz gesprungen»

«Dört bin i deheim» heisst das Programm der kommenden zwei Konzerte. Seinen Namen hat es dem Lied von Michael von der Heide, «Hinderem Berg», zu verdanken, das der Chor an den Konzerten singen wird. Die Konzerte werden durch die Musiker von Vent Negru bereichert. Zum gemeinsamen Auftritt mit diesem Tessiner Duo sei es eher zufällig gekommen, gesteht Renata Würsten: «Beim Hören einer CD mit Tessiner Liedern ist mir ein Stück ins Herz gesprungen.» Da die Musik zum Stil des Chors passte, fragte sie kurzerhand nach, ob sie dieses Lied interpretieren dürfen. Diese Anfrage habe Esther Rietschin, Musikerin des Duos Vent Negru, so gerührt, dass daraus die kommenden gemeinsamen zwei Auftritte entstanden seien. Welchem Lied diese Zusammenarbeit zu verdanken sei, möchte die Dirigentin nicht verraten. Nur so viel: «Am Konzert werden wir es singen.» So wurde aus Michael von der Heides Refrain «li som a cà» – die italienische Übersetzung, eine sprachliche Huldigung an das Tessiner Duo.

Viele Gänsehautmomente

Der Name bocc’aperta, was auf italienisch so viel wie offener Mund heisst, ist ein Markenzeichen des Chors. «Wir sind starke Frauen, stehen da und singen los», beschreibt Renata Würsten. Dass die Frauen auch für soziale Anliegen geradestehen, zeigt die langjährige Chorgeschichte. Auftritte in Zusammenarbeit mit Amnesty International, Caritas oder mit dem ehemaligen Frauenbüro sind keine Seltenheiten. Mit ihren Stimmen mache sich bocc’aperta nicht nur für Frauenanliegen stark. Vor ein paar Jahren habe es ein Konzert mit Flüchtlingen, alle Männer, auf der Kreuzackerbrücke in Solothurn gegeben. Da so viele Sprachen dabei waren, hatte sich der Chor etwas Besonderes ausgedacht. «Wir summten die Lieder während die Flüchtlinge in ihren Muttersprachen ihre Geschichte erzählten.»

Das war einer der vielen Gänsehautmomente, zu denen das Konzert in der Gefängniskapelle mit den Insassinnen des Frauengefängnisses Hindelbank gehöre. Noch während des Applauses nach dem Auftritt habe eine Insassin sich zu der Chorleiterin gedreht und ihr ein «Merci» gesagt.

Es wird weitergehen

«Ich zweifle keine Sekunde, dass es mit dem Chor weitergeht», sagt sie zu ihrem Entscheid, die Leitung abzugeben. Es hätten sich bereits Kandidatinnen für das frei werdende Amt der Dirigentin gemeldet. Bis dahin hat der Chor seine zwei Auftritte diese Woche mit Renata Würsten.

Konzerte bocc’aperta und Duo Vent Negru am Freitag, 26. April, 20 Uhr in der Kirche Mühledorf und am Samstag, 27. April, 17 und 18 Uhr an der Kulturnacht im Solothurner Stadttheater.

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