Wer eine gute Idee hat und diese mit einer Portion Motivation reifen lässt, ist bereits auf halbem Weg zum Projektziel. Die andere eher unromantische Hälfte macht dann nicht selten die Finanzierung aus: Und hier kann ein Konzept zum Zug kommen, das sich «Crowdfunding» nennt – eine mit dem Internetzeitalter populär gewordene Finanzierungsmethode. So funktioniert sie: Auf einer Website wird eine Projektidee vorgestellt, beziffert mit den Realisierungskosten und der noch verbleibenden Finanzierungsfrist. Innerhalb dieses Zeitraums können Interessierte einen freien Betrag einzahlen. Doch nur wenn nach Ablauf der Frist der volle Projektbetrag finanziert ist, wird der Betrag dem Spender auch abgebucht, ansonsten wieder auf seine Kreditkarte überwiesen. So kamen bei einer Crowdfunding 1,87 Millionen Pfund zusammen, um das Formel-1-Team Caterham in Abu Dhabi an den Start zu schicken.

Viele Hauptsponsoren

Auf seiner Suche nach neuen Finanzierungswegen begeht nun auch der FC Solothurn diesen Weg – mit Anspruch auf eine geringere Summe. Da aktuell ein Hauptsponsor fehlt und für die kommende Saison die Nachwuchsteams neu ausgerüstet werden, entschloss man sich zum Versuch, die nötigen 40 000 Franken per Crowdfunding zu beschaffen. Beworben wird die Aktion auf der Website www.ibelieveinyou.ch, die Sportprojekte beherbergt. Anlässlich des «Family Events» des FC am Samstag wird das Projekt lanciert.

Jedoch startet die 80-tägige Frist für die Beschaffung bereits heute. Je nach Beitrag erwartet den Gönner eine Gegenleistung – vom Dankesmail ab 20 Franken über einen Trainingsbesuch beim FC oder einen Assistenzeinsatz beim Speaker bis hin zu einer Überraschung ab 1000 Franken. Gleichzeitig wird am Samstag unter den Vereinsmitgliedern ein Trikot des ehemaligen FCS-Spielers Gökhan Inler für denselben versteigert. Auch eine karitative Note soll die Aktion bekommen: So wird eine soziale Institution auserkoren, deren Logo bei der ersten Mannschaft für Rückrundenspiele aufs Trikot gedruckt wird. Ebenso werden die Nachwuchsteams das Logo auf ihrem Shirt tragen.

Mitentwickelt hat die Finanzierungsidee der FCS-Vereinspräsident Samuel Scheidegger selbst, dessen Affinität für Themen der digitalen Mitwirkung sich aus seiner beruflichen Tätigkeit als IT-Spezialist ergibt. «Ich kenne es von Innovationsboards, bei denen von allen beigesteuerte Ideen zusammenkommen.» Und in diesem Fall ist es eben die beigesteuerte finanzielle Unterstützung, die man sich erhofft. «Wir alle zusammen sind Hauptsponsoren», zitiert Scheidegger die Kernaussage.

Hinter der Website www.ibelieveinyou.ch steht unter anderem auch ein Solothurner. Kanu-Weltmeister Mike Kurt hat das Portal zusammen mit Fabian Kauter und Philipp Furrer gegründet. Und Crowdfunding hat schon andere Projekte aus der Stadt mit Rückenwind beglückt. Die Tanzgruppe «Le Ragazze» sammelte für neue Dresses 2000 Franken – und erhielt 2590 Franken. Auch der geplante Mountainbike-Park auf dem «Weitblick»-Areal erreichte ein Sammelziel von 2500 Franken.

Aus der Talsohle rausgekommen

Unabhängig von der Crowdfunding-Aktion zeigt sich Samuel Scheidegger auch sonst zuversichtlich, wenn er auf die Vereinskasse blickt. «Der Verein entwickelt sich in die richtige Richtung», sagt er, angesichts bewältigbarer Schulden und intakter Liquidität. Noch vor einem Jahr hatte der FC gegen eine personelle und finanzielle Misere ankämpfen müssen, sich aber letztlich unter der neuen Vorstandsstruktur erholt. Anlässlich der Generalversammlung diesen September lagen die Schulden noch bei 160 000 Franken, unterdessen sei auch der von der Stadt mitfinanzierte Kunstrasen beglichen. «Natürlich sind wir trotzdem weiterhin auf der Suche nach einem Hauptsponsor», so Scheidegger.

Einstweilen steckt sich der Verein weitere Ziele. So soll die Zusammenarbeit mit dem FC Basel verstärkt werden, der sich ohnehin noch mehr am Jurasüdfuss positionieren will. Dazu zählt auch, die Werbeträger neu zu strukturieren oder die digitale Buswerbung zu fördern. Weiter sollen interne Vereinsprozesse bei der Fakturierung und den Mitgliederdaten optimiert werden. Ein grosses Augenmerk liegt zudem weiterhin in der Förderung des Nachwuchses. So wird auch über die Anstellung eines zweiten Juniorentrainers diskutiert.