Solothurn
Der Fasnachtsumzug lässt keine (Narren-)Wünsche offen

Standing Ovations und die berühmte «Welle» für einen Solothurner Fasnachtsumzug, der keine (Narren)-Wünsche offenliess.

Pius Rüegger
Drucken
Teilen
Der Wagen der Narrenzunft Honolulu am Fasnachtsumzug 2017 in Solothurn
49 Bilder
Fränzi Roth und Kurt Fluri boxen gegeneinander
Fasnachtsumzug 2017 in Solothurn
Muttiturmbiisser haben die Oscars zum Thema
Eine Welle für die Muttiturmbiisser
Kladeredätsch kommen als Cupcakes daher
Herregääger Däredinge
Hudibras-Chutze
Hudibras-Chutze kommen mangels Wagenbauhalle ohne grossen Wagen
Wybeeri Gugge
Vorstadt-Zunft mit Dschungel-Camp
Weihere Schränzer Riedholz Grosser Fasnachtsumzug Solothurn Im Bild: Weihere Schränzer Riedholz
Gassefäger
Blooswars
Schanzenarren
Die Schanzenarren lassen die Toten auferstehen
Mamfi
Grashüpfer
Muppet Show schaut zu
Der Stier der Tannewägzunft
11-i Schränzer
Muttiturmbiisser vor der St.-Ursen-Kathedrale
Sümgaggophoniker
Ambassadonner feiern 40 Jahre als (Schnatter-)Enten
Die Chrumm Durm Sumpf Chroniker feiern ihr 50.Jähriges
Vorne die Glänggeler und hinten die Provinznarre Zuchu am Bierbrauen
Provinznarre Zuchu
Umarmung mit Konfettidusche?
Provinznarre Zuchu
Bei den Altstadt-Rueche muss es etwas stinken.
Konfettifrässer
Regierungsrat Roland Heim bei den Tambouren
Weschtstadt-Zunft freut sich über 85 Millionen für den Weissensteintunnel
Pistazien
Nachwuchs
Glänggeler
Nachwuchs
Guggetschi
Guggeschränzer
Die Wüude haben ihren Drachen gezähmt und stellen ihn dem Solothurner Publikum vor.
Konfettistampfer
Regierungsrat Roland Fürst auf der Dornacherplatz-Tribüne
Aare-Jätter
Stedtli-Gumsle
Glunggehüpfer
Der Hauptgassleist präsentiert «Hokémons». – und viiiiel Konfetti.

Der Wagen der Narrenzunft Honolulu am Fasnachtsumzug 2017 in Solothurn

Oliver Menge

Ohne Umschweife: Es war schlichtweg ein toller Umzug ohne Zwischenfälle. Alle Elemente spielten während diesen 99 Minuten mit. Die Zuschauenden waren begeistert, die 36 Nummern überzeugten in ihrer Themenvielfalt und fantasievollen Ausgestaltung, sei es als Wagen, Gugge oder Fussgruppe. Auch die Premiere mit der ausverkauften Tribüne auf dem Dornacherplatz war ein voller Erfolg. Es gab keine Lücken im Umzug, dafür Standing Ovations und die berühmte «Welle» wie ein stimmungsvolles Zusammengehen mit dem Publikum am Strassenrand.

Mit Trommelwirbel statt SMS kündete der Tambourenverein Solothurn im Indianer-Look den Beginn an. Der Übergang in die Neuzeit verlief fliessend, parodierte doch die Vorstadt-Zunft den TV-Renner Dschungelcamp. Begründung für ihren detailverliebten Wagen: «Wir wollen auch mal C-Promis sein». Seit 40 Jahren reden die Ambassadonner, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ergo kamen sie als (Schnatter-) Enten.

Eine süsse Versuchung waren die Kladeredätschs: Die Kostüme Cupcackes, die Masken Himbeeren oder Kirschen. Ballone liessen die Chrumm-Durm-Sumpf-Chroniker auf dem Kronenplatz steigen – ihre Honneur zu ihrem 50-jährigen Bestehen, zudem würdig venezianisch gekleidet.

Politisch topp gab sich die Narrenzunft Honolulu. «Putzt s’Fränzi Roth emänt dr Kurt mit em ne lingge Hoogge furt?». Auf dem Balkon ihres Hotels de la Couronne tronte aber der amtierende Stadtpräsident – der Zunftober.

Auch nach vorne blickten die Gassefäger. Im Outfit der Zukunft sahen sie pinkig, grün oder violett als Vampire und Fledermäuse bereits bis zum Aschermittwoch 7102. Den Silvester-TV-Dauerbrenner «Dinner for one» funktionierten die Derendinger Herregäägger zu einem «Dinner for all» um. Die Wybeeri-Gugge war bereit und voll motiviert mit ihren bordeauxroten Kostümen und goldigen Masken.

Der rote Teppich auf der goldenen Treppe lud ebenfalls höchst aktuell zur Oscar-Preisverleihung ein – allerdings an diejenige in Honolulu und nicht wie in der letzten Nacht in Hollywood. Zum Zehnjährigen verliehen sie sich den Oscar selbst. Noch fünfzig Jahre mehr auf dem Buckel trägt die Mamfi. «60 Johr Mamfi ohni Frou – chunsch ou?» das Sujet. Vogelscheuchen, das zweifellos passende Kostüm dazu...

Trauerzug und Grashüpfer

Sich selbst auf die Schippe nahmen die Hudibras-Chutzen. Mangels Wagenbauhalle und somit Umzugswagen kamen sie als Trauerzug. Ein nicht fertiges Hallendach, Trauermusig im New Orleans-Stil mit den «Les Solörs», eine Henkersmahlzeit mit doch noch einem Wägeli der Ehrenchutzen, einem Sarg und einem demontierbaren Wagenersatz leisteten sie Abbittte. «Trudi und Hudi» hiess es bei den Blooswars. Sie stellten direkt hinter den Hudibras-Chutzen trocken fest: «Auch dieses Jahr gibt es keine Erklärung dafür, es passierte einfach». Die Grashüpfer entschieden sich, als Piraten aufzutreten. Auf ein Piratenschiff verzichteten sie, weil dafür die Stadttore zu klein seien. Feierstimmung herrschte bei den Stedtli-Gumslen. Die einzige Wagenbauzunft – exklusiv nur aus Frauen bestehend – präsentierte ihr neues Logo und geizte auch mit Torte, Krönli sowie goldenem Ehrenstuhl nicht. «So wie mer si» präsentierten sich die Sümgaggophoniker. Die Masken sind ihre gedruckten Portraits. Das Sujet setzten die Glunggehüpfer speziell um. Sie nahmen alle mit – auf ihren Hexenbesen mit aufmontiertem Sitz.

Den Nachwuchsblock eröffnete die Trommelschule des Tambourenvereins Solothurn. Aus dem Nachwuchs-Umzug durften die «Chnopflöcher» als Gewinner und die beiden «Bruchpilotä» als Zweite mitlaufen. Rocker mit schmissigen Rhythmen, das waren die 11i-Schränzer. Mit ihren schaurig-schönen Gringen wirkten sie sehr furchterregend. Die Ränge 3 und 4 – «Fafagrob» und «Konfettifrässer» – bildeten den zweiten Nachwuchsblock. Weil es an der Sujetsitzung der Altstadt-Rueche ein Fondue gab, sollten auch die Umzugsbesucher von dieser Köstlichkeit oder einem Raclette kosten können: Faclette und Rondue.

Auf einen See verführten die Glänggeler. In ihren Gummischwänen schwaderten sie mit. Einem Bierkönig huldigten die Provinznarren Zuchu. Sie brauen nun ihr eigenes Bräu.

Toreros in Solothurn

«Entern und nid kentern» wollten die Aarejätter. Sie schlendern seit 25 Jahren mit – diesmal mit Piratenköpfen. Gefürchig fuhr die Tannewäg-Zunft auf. Hinter ihrem Stierenkopf entführten sie nach Spanien zu einem Stierkampf. Die Toreros sorgten für die Stimmung – olé. Futuristische und technische Werte verbanden die Weihere Schränzer mit dem viktorianischen Zeitalter: Steampunker in der Retro-Zeit.

Up to date war auch die Weschtstadt-Zunft: Nach dem positiven BAV-Entscheid zur Sanierung des Weissenstein-Tunnels machte sie mit ihrer Tunnelbohrmaschine den Weg für die erste ICE-Durchfahrt frei. Erstmals als eigenständige Nummer durften nach erfolgreicher Bewährungszeit am Narre-Nochwuchs-Umzug die Pistazien mittun. Sie widmeten ihr fahrbares Bistro der französischen Gastronomie. Gespenstisch fuhren die Schanzennarren auf. Der Totenkopf zwischen zwei Schlosstürmen soll auf das kommende «The E.N.D.» hinweisen. Auf welches Ende? Spontan entschieden die Guggeschränzer es als Huntsmen und Ice Queens krachen zu lassen.

Das «Martins-Hard-Rock-Kaffee» prägte die neue Zuchwiler Skyline der Sans-Gêne-Zunft. Diese Rockerhorde wurde übrigens von einer echten Harley angeführt. «ARTgeschützt», schrieben die Guggetschi. Der Stoff wurde vorgegeben, daraus ergab die kreative Vielfalt ein harmonisches Ganzes. Ein Drache mit weiten Flügeln dominierte bei «Die Wüude». Anders und dunkel wie (fast) immer gaben sich die Oberdörfer als Furcht einflössende Drachenjäger. Dampfend ging es mit den Konfettistampfern weiter: Lautstark und mit Topp-Rhythmus. Einen bunten Schlussakzent setzte der Hauptgass-Leist (HGL). Das interaktive Handy-Game «Pokémon go», mit der Jagd nach deren verschiedenen Figuren und dem gelben Pikachu unterstrich die Farbenpracht.

Aktuelle Nachrichten