Die Vision von Olcay Oruç Sahin dreht bis zu ihrer möglichen Realisation noch eine Ehrenrunde: Sein lang gehegter Wunsch nach einem kommerziellen Eventlokal im Erdgeschoss der Landi-Liegenschaft an der Poststrasse 1 wird durch Einsprecher erneut juristisch ausgebremst.

Nachdem nämlich sieben Beschwerdeführer vor Verwaltungsgericht abgeblitzt waren (wir berichteten), kommt nun von amtlicher Stelle die Bestätigung über den Weiterzug an die nächste Instanz: Es liegt beim Bundesgericht eine Beschwerde gegen den besagten Verwaltungsgerichtsentscheid vor, die innerhalb der 30-tägigen Frist eingereicht wurde.

Hürdenreiche Vorgeschichte

Die Vergangenheit dieser Geschichte führt an vielen Stationen vorbei: Die Absicht, ein Partylokal neu ins Leben zu rufen, hegten Oruç und sein früherer Weggefährte Markus Moerler, der heute «The Dock» betreibt, seit Jahren. Nach dem Ende des «Eleven» auf dem Sauser-Areal vor fünf Jahren streckten sie unter dem Firmennamen Eleven Management GmbH in der ganzen Region nach einem geeigneten Ersatz die Fühler aus.

Vergeblich – stiessen sie doch überall auf taube Ohren. Neben einzelnen einmaligen Events an diversen Orten sowie dem alljährlichen Oktoberfest blieb die Idee einer «Eleven»-Wiedergeburt unverwirklicht.

Ideen für die Landi-Liegenschaft

Neue Hoffnung keimte auf, als Moerler und Oruç an die Landi Reso gelangten, die nach der Schliessung ihres eigenen Landi-Ladens wieder freie räumliche Kapazitäten an der Poststrasse 1 zur Verfügung hatte. Auf 330 Quadratmetern sollen 300 Partyleute Platz finden, so der Plan. Ausserdem sollte die Lokalität für andere Events wie Seminare, Konzerte, Ausstellungen oder private Anlässe genutzt werden. Ein Lärmgutachten und ein Parkierungskonzept sollten die Absichten auf eine sattelfeste Grundlage stellen.

Doch: An diesem Punkt regte sich im Sommer 2017 breiter Widerstand aus der Anwohnerschaft. Man befürchtete den Lärm der Heimkehrenden sowie den Suchverkehr. In der Gegend verteilte Flugblätter heizten den Widerstand zusätzlich an, sodass bald nicht weniger als 17 Einsprachen – einige davon Sammeleinsprachen mehrerer Personen – beim Stadtbauamt eingingen.

Der Instanzenweg geht weiter

Nachdem diese samt und sonders abgewiesen worden waren, zogen die Einsprecher den Entscheid an die nächste Instanz weiter: das kantonale Bau- und Justizdepartement BJD. Der voraussichtliche Zeitverlust bis zum Start, aber auch die bisher zurückgelegte finanzielle Durststrecke liess Moerler vorderhand die weisse Fahne hissen. «Gegen 100 000 Franken» bilanzierten die beiden die Kosten, die sich bislang ohne sichtbares Resultat aufsummiert hatten.

Dann die Überraschung: Gesellschafter Oruç stieg im Alleingang in die nächste Kampfrunde. Denn rechtlich war der Weg wieder frei: Auch beim Baudepartement blitzten die Einsprecher ab, genauso vor dem Verwaltungsgericht. Womit die Geschichte nun beim Bundesgericht in Lausanne ruht.

Oruç: «Zeit spielt keine Rolle»

Ungeachtet des ungewissen Ausgangs ist seitens des «Eleven»-Machers die Motivation ungebrochen: «Ich bleibe am Ball und ziehe das Projekt durch, sobald ich die Bewilligung habe», sagt ein zuversichtlicher Olcay Oruç Sahin. Es sei dann lediglich eine Frage, wann das Event-Lokal realisierbar wird.

«Aber Zeit spielt keine Rolle», hält er ebenso fest. Da er das Projekt für die Öffentlichkeit weiterverfolge und nicht für einen Auftraggeber, sei es zweitrangig, wann es losgehe. Über konkretere Pläne der Umsetzung äussert sich Oruç derzeit noch nicht: «Es liegt im Moment nicht Spruchreifes vor.»

Es gibt schon einen Mieter

Ob das neue «Eleven» am Standort Landi dereinst die Wiedergeburt erfährt, hängt aber auch noch von anderen Bedingungen ab. Derzeit ist mit der Cafémanufaktur Solothurn ein anderer Mieter am geplanten Partyort domiziliert. Alfred Laffer, Geschäftsführer der Landi Reso, bestätigt einen vorliegenden rechtsgültigen Mietvertrag. Dieser wurde abgeschlossen, nachdem eine Reservationsvereinbarung mit der Eleven Management GmbH ohne Mietvertrag geblieben war.

Tatsächlich war für kurze Zeit auch auf der Homepage der Cafémanufaktur die Poststrasse 1 als Verkaufsstandort angegeben. Unterdessen jedoch zeigt ein Schild vor Ort den Burrisgraben 65 als Zweitstandort der Mikrorösterei an. Inhaber Markus Stümpfig bestätigt ebenfalls das Mietverhältnis.

Was die weitere Nutzung der Räumlichkeiten angeht, verweist er auf laufende Gespräche mit unterschiedlichen Partnern. «Nicht nur mit der Eleven Management GmbH, sondern auch mit anderen Gastronomie-Grössen in der Region» sei er in Kontakt, erklärt Stümpfig. Der Umzug in den Burrisgraben, so der Inhaber weiter, betreffe indes nur einen kleinen Teil der Cafémanufaktur und sei aus rein logistischen Gründen notwendig geworden.