Stadtbummel

Der etwas höhere «Blöksinn» zu Weihnachten

Die Ambassadorenkrippe auch mit Tierwelt.

Die Ambassadorenkrippe auch mit Tierwelt.

Tierstimmen? Die gibt’s. In den Raunächten zwischen Weihnachten und Dreikönig sollen die Tiere im Stall nachts sprechen können. Wer sie aber versteht, stirbt bald darauf. Makaber. Wie ja die ganze Weihnachtsgeschichte. Zwar geht es um die Geburt, aber auch um ein Säuglings-Massaker vom Übelsten. In der Kulturgarage jüngst ein Thema, als «Ox und Esel» sprechen konnten. Schwierige Rollen für Hanspeter Bader und Jens Wachholz. Denn Kinder sind mit dem Herrn Rodes und anderen Pointen der Weihnachtsgeschichte öfters überfordert. Weil sie diese gar nicht mehr kennen?

Mit Tieren gut besetzt ist auch die Ambassadorenkrippe in der Jesuitenkirche. Aber sie schweigen, wie alle Figuren. Zu lesen gibt es reichlich. Zum Beispiel, dass Stadtpräsident Kurt Fluri und seine Frau Denise Götti und Gotte von «Melchior zu Pferd» sind. Doch das Ross schweigt. Dabei könnte es erzählen, wie es so ist, von einem Promi gesponsert zu werden. Machen doch alle für ihre Sponsoren. Vielleicht könnte man ja ganz einfach die Geschichte der Krippe und von Weihnachten als Erzählung abhören. Per Kopfhörer oder so. Eine Hörkrippe – die gibt es noch nicht in Solothurn.

Untiere wähnte man letzten Sonntag in den Stadtgassen. Die «Deutsche Doggen-Parade», angeführt von einem entsprechend beschrifteten Kartonschild, verblüffte Gross und Klein. Die riesigen, edlen Hunde benahmen sich aber höchst gesittet. Kein Bellen und Knurren. Doch nichtssagend waren sie keineswegs.
Animalisch wirds auch am Sonntag: Kamele, Schafe, Esel. Da wirken Legionäre und auch Herr Rodes schon fast wie Staffage. Auf der Weihnachtsreise durch die Stadt bleiben alle Tiere stumm – noch sind die Raunächte kein Thema. Dabei wäre es durchaus spannend, zu hören, was die Tierwelt vom Spektakel in Solothurn hält. Alles «Blöksinn»?

Die Tierwelt ist geheimnisvoll. Doch braucht man kein Dr. Dolittle zu sein, um sie zu verstehen. Letzte Woche – ständiges Miauen aus dem Christbaum bei der Suteria. Ist der verschollene Stadtkater Otto zurück? Nein, ein Tigerli sitzt zmitz in der Tanne und bäägget unaufhörlich Richtung Tourist Office. Die Katze: Vivienne. Der Besitzer: das Hotel zum Roten Ochsen. Dessen Hotelier just an diesem Tag gegen den Tourismusdirektor und seine Hotelpläne schiesst. Erstaunlich? Nein. Oder hat jemand gehört, dass ein Rauhaar-Dackel namens Steady zuletzt den Kopftuchträger im Loreto-Quartier verbellt hat? Ach, Steady gibt’s nicht? Schade. Hätte ja sein können. Denn Vivienne existiert. Und die Geschichte stimmt. Auch wenn sie kaum zu glauben ist.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

Meistgesehen

Artboard 1