Im zweiten Solothurn-Krimi des Oberdörfer Autors Christof Gasser gibt es ein Wiederbegegnen mit seinen erfundenen Protagonisten der Kriminalabteilung der Solothurner Kantonspolizei: Mit Hauptmann Dominik Dornach, Staatsanwältin Elena Casagrande, Maja Hartmann und wie sie alle heissen. Man fühlt sich als Leser schon etwas heimisch im Polizeigebäude Schanzmühle in Solothurn, wo die Ermittlungsarbeit stattfindet. Und man lernt die Familien- und Liebesverhältnisse der Akteure immer besser kennen.

Dornach, der alleinerziehende, liebenswerte Frauenbetörer, der nichts anbrennen lässt, aber ein untrügliches Gespür fürs Verbrechen hat; Elena Casagrande, die sich nach einer grossen Liebesenttäuschung über ihre Gefühle Dornach gegenüber nicht ganz im Klaren ist und sich nun mal mit einer Frau abgibt; Ermittlerin Maja Hartmann, mit Kollege Mike liiert, was vom Chef gar nicht gerne gesehen wird, wofür er aber Verständnis hat, und dann natürlich noch Dornachs Tochter Pia, die 19-Jährige, die selbstbewusst ihre Freiheit auslebt und dabei in ein gefährliches Verbrechen hineingezogen wird. Dann ist da noch Jana Cranach, Dornachs heimliche Liebe, als Oberstleutnant der Wiener Polizei ihm im Rang überlegen und momentan nach Den Haag zu Europol abkommandiert.

Alltag und Krimi

«Solothurn streut Asche» – mit diesem Titel wird eine Verbrechensserie angedeutet. Der erste Mord geschieht schon nach 17 Seiten, und zwar in der Verenaschlucht. Weitere mysteriöse Verbrechen geschehen, die zunächst in keinem Zusammenhang stehen, aber doch Gemeinsamkeiten aufweisen. Irgendwie involviert darin ist dabei eine ominöse christliche Sekte, deren Vertreter sich an jungen Schutzbefohlenen vergangen haben und eine nationalistisch gesinnte Partei, die in Solothurn ihr Unwesen treibt und bis in die obersten politischen Gremien vernetzt ist.

Das alles spielt sich natürlich in Solothurns Gassen, Solothurns Beizen ab, daneben findet Solothurns politischer und gesellschaftlicher Alltag statt. Es ist die Rede von der Radikalisierung der Gesellschaft, deren frustrierenden Auswirkungen man manchmal nur noch mit einem Drink im «Solheure» Paroli bieten kann. Gasser beschreibt auch ein paar historische Anekdoten, sodass auch Nicht-Solothurner etwas mehr über die Ambassadorenstadt erfahren. Die Showdowns des Krimis beginnen dann aber im Wallis, im Engadin und ..., mehr sei nicht verraten.

Aufgebaut hat der Autor den Krimi nach dem gleichen Strickmuster wie seinen Erstling. Episodenhaft – die Schauplätze und Akteure werden immer gewechselt – wird der Plot vorangetrieben bis zu seinem erschütternden und doch erlösenden Ende.

Wiederum zeigt sich Gassers Talent für packende, schnelle Dialoge. Kritik? Hin und wieder werden ein paar Klischees bedient und Gedanken an Dan Browns Verschwörungsthriller lassen sich auch nicht immer aus dem Kopf verdrängen. Schön wäre, wenn neben dem Glossar zu den Schweizerdeutschen Ausdrücken auch noch ein Personenregister zu finden wäre. Fazit: Für Leser süffiger und spannender Krimis ein Muss.

«Solothurn streut Asche»: 352 S. Fr. 17.90. Köln, Emons-Verlag. Buchvernissage: Di 7. 3., 20 Uhr, Buchhaus Lüthy, Solothurn.