Punkte, ganz einfach Punkte. Nicht einfache Punkte, sondern verschiedenfarbige, verschieden grosse, unterschiedlich modulierte und in sich nuancierte Punkte bevölkern die fast fünf mal fünf Meter grosse Leinwand, die den Altarraum auszufüllen scheint.

Farbige Punkte, mit Bedacht vom Künstler auf die beigebraune Leinwand komponiert wie in ein unendliches Universum – von innen nach aussen sich ausbreitend, wohltemperiert und spielerisch wirkend.

Doch, so simpel auf den ersten Blick diese Art Malerei auch sein mag, wenn man ins Haus der Kunst tritt – das Hauptschiff ist unbehängt – und der Blick ohne Ablenkung unmittelbar auf das wandfüllende Hauptwerk fällt, merkt man:

Einfach macht es der Künstler sich und den Betrachtenden nicht. Denn dieses Bild mit Acrylfarben auf kompakter belgischer Leinwand ist eigentlich nichts anderes als das Fazit des malerischen Weges von Jerry Zeniuk.

Ein malerischer Kreis, der sich schliesst als eine Art der Konzentration und Reduktion auf elementare und essenzielle Formen und doch reiche Farbgebung. Es ist ein schlichtes Werk, hier vor Ort entstanden, das einerseits in seiner Einfachheit und Ursprünglichkeit, seiner Vitalität zur Ruhe und Besinnung einlädt.

Auf der Bank mit Distanz zur Leinwand scheinen die Farbpunkte zu schweben, wird die Leinwand zu einem offenen Raum. Die Punkte, mal verwischt, dann klar konturiert, mit dunkleren Farbschatten, brüchig oder dicht im Auftrag des schwungvollen Pinselstrichs, entwickeln untereinander eine dezente Dynamik von Anziehung und Abgrenzung, stehen wie kleine flache Körper in einer spielerischen Spannung zur naturbelassenen, unbehandelten Leinwand, die einen unendlichen Raum antönt.

Andererseits zeigt sich im Chorraum, wie das Werk von Jerry Zeniuk zustande kam. In seinen künstlerischen Anfängen entstanden monochrome Bilder, in denen Jerry Zeniuk aus vielen Farben einen Farbton entwickelte, der an Leinwände erinnerte.

Allmählich begannen sich in seiner Malerei die Farben herauszulösen aus der Monochromie, wurden zu Farbfeldkompositionen, aneinandergefügten Flächen, Farbbahnen. Einiges wirkte informell, anderes wie harmonische Farbflächengefüge.

Immer weiter haben sich die Farben aufgetrennt, die Formen reduziert und konzentriert zu aquarellartigen Anklängen, später zu würfelartigen Anordnungen. Es entstanden eigenwillig interpretierte Farbpaletten, wohl durchdacht wie auch gleichzeitig dem Zufall überlassen – ein informelles Spiel von Tupfen, Punkten, Pinselstrichen, Bewegungen.

Die Punkte wurden zunehmend bildbestimmend, tauchen nun auf eingefärbten Leinwänden auf, erhalten schattenartige Konturen als malerische Attitüde. Bis sich der Künstler zur Freiheit der sinnlich wahrzunehmenden Einfachheit der farbigen Punkte im reinen Raum steigert und malerische Reflexion und Betrachtung als ein verbindendes Erlebnis anbietet.

Jerry Zeniuk wurde 1945 als Sohn ukrainischer Flüchtlinge in Bardowick bei Lüneburg geboren. 1950 emigrierte seine Familie in die USA, wo er 1969 die Universität von Colorado mit dem Master of Arts abschloss, im gleichen Jahr zog er nach New York.

Von 1993 bis 2011 unterrichtete Jerry Zeniuk als Professor für Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo er auch heute lebt.

Bis 18. Oktober. Geöffnet: Do/Fr 17–20 Uhr, Sa/So 13–17 Uhr.