Solothurn
Der bunte Hingucker der Weststadtkirche muss saniert werden

Das Chorfenster von St. Marien wird restauriert. Da sich der Kantonsbeitrag an die Sanierungsmassnahmen wohl auf mehr als 20 000 Franken belaufen wird, muss die Kirche vorgängig unter Schutz gestellt werden.

Wolfgang Wagmann
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2009 wurde der Weltjugendtag Grenchen in der Weststadtkirche gefeiert
12 Bilder
Bis vor wenigen Jahren war die Weststadt-Chilbi auf dem Kirchenareal eine Attraktion
Das Kircheninnere strahlt schlichte Eleganz aus
Die 50-Jahrfeier der Kirche 2004
Die Eingangsfront von St. Marien
Die nüchtern gegliederte Nordfassade mit dem später angebauten Pfarreiheim
Die Taufkapelle
Eines der bunten Seitenfenster mit alttestamentarischen Sujets
Musik - hier eine Jodlermesse 2011 - war in der Kirche schon immer Trumpf
St. Marien
Speziell an St. Marien ist der separat stehende Glockenturm abseits des Hauptgebäudes.
Zwei Wagmann-Brüder beim Ministrieren zu St. Marien mit Kaplan Villigner

2009 wurde der Weltjugendtag Grenchen in der Weststadtkirche gefeiert

Hansjörg Sahli

Etwas eigenwillig ist sie schon, die Weststadtkirche, nach der Gottesmutter St. Marien geheissen. Der Glockenturm mit dem weitherum ablesbaren Zifferblatt steht abseits vom mächtigen Schiff, das auf den Seiten nur kleine, Bullaugen-ähnliche Fenster aufweist.

Doch auch sie leuchten in allen Farben, bemalt mit alttestamentarischen Szenen durch den Künstler Hans Stocker. Den eigentlichen Eyecatcher, die riesige Glasfront im Westen, nimmt so richtig nur wahr, wer sich auf die Kirche einlässt - und sie betritt.

Vor allem im Abendlicht erstrahlen die bunten Segmente mit den Darstellungen aus dem Lebensweg von Maria und ihrem Sohn Jesus, zentral abgebildet unter der Last der Dornenkrone. Nun soll das Chorfenster restauriert werden, und da der Kantonsbeitrag an die Sanierungsmassnahmen wohl 20 000 Franken übersteigen wird, ist vorgängig eine Unterschutzstellung der Kirche notwendig. Der Gemeinderat muss diese heute Abend formell beschliessen.

Ein Zeuge seiner Zeit

Nach dem 2. Weltkrieg begann in Solothurn eine starke Bautätigkeit Richtung Westen und bald reichte das bescheidene Holzkirchlein den Gläubigen in der Weststadt nicht mehr. So wurde von 1951 bis 1954 nach Plänen von Architekt Josef Schütz die St. Marienkirche erbaut.

Neben den 15 Geheimnissen des Rosenkranzes im Chorfenster von Stocker sorgen Elemente wie das liturgische Mobiliar von Albert Schilling, der Altar und die Figurengruppe in der Werktagskapelle von Jean Albert Hutter sowie der Taufstein von Alfred Huber in der achteckigen Taufkapelle für eine spezielle, sakrale Stimmung zu St. Marien.

Baulich sticht das konstruktive Betongerüst hervor, die Füllungen bestehen aus gerillten Kalksandsteinen und gelochten Formsteinen. Die leicht gebauchten Kreuzpfeiler im Innern vernetzen sich mit den Querbindern der Decke und den in den Seitenwänden bündig eingelassenen Pfeilern zu einem eleganten Skelett, das sieben Joche bildet.

Das Licht durch die seitlichen Oberlichtbänder fällt nur spärlich ins hohe Kirchenschiff. Diese Gestaltungselemente entsprechen dem an der Landesausstellung 1939 in Zürich ausgelösten Archtektur-Trend des «Landi-Stils».