Stadtbummel Solothurn

Der Blick in die windige, verschiffte Kristallkugel

Tun wir das?

Tun wir das?

Eine erste Prognose fürs neue Jahr: «Burglind» wirds trotz Medienpräsenz nicht in die Rangliste der beliebtesten Babynamen 2018 schaffen. Für alle anderen, kniffligeren Prognosen lässt sich ein Aberglaube heranziehen: Das Jahr wird so wie seine ersten Tage.

Wer verschnupft ins neue Jahr startet, sollte seine Abwehrkräfte fürs 2018 dauerhaft vorbeugend stärken. Wer jetzt stolpert, sollte dieses Jahr bedächtiger die Kellertreppe runtersteigen. Und wer sein Portemonnaie im Zug liegen lässt, müsste seine Reiseausgaben für 2018 gut im Blick behalten.

So könnte das Getöse mit Grosi-Namen, welches diese Tage durchs Januarloch pfiff, ein entsprechendes stürmisches 2018 andeuten. Sicher ist: «Gstürm» wirds beispielsweise in der Politik wieder à discrétion geben – auch wenn nicht gerade Wahlen sind. Oder es steht ein Jahr politischer Hindernisse an, angekündigt durch stürzendes Holz, das auch das «Bipperlisi» zum Innehalten veranlasste?

Dann wiederum könnten Weihnachtsbäumli, die ihrer festtäglichen Pflichten entbunden munter über die Strasse kullerten und den Automobilisten ein wenig Abwechslung verschafften, Umwege im persönlichen Umfeld ankündigen. Ganz zu schweigen von fallenden Dachziegeln, die schon jetzt andeuten, wer in diesem Jahr eins aufs Dach bekommt.

2018 könnte aber auch ein Jahr zum Abheben werden: Dazu können Schirmbesitzer, die «Burglinds» Paragliding-Angebot auf der Kreuzackerbrücke ausprobiert haben, sicherlich mehr sagen. Oder die Kraft der Natur könnte durchaus zu neuen Plänen für die Gartengestaltung inspirieren.

Eine andere Optik: So wie Carl Robert Enzmann den Solothurnern ihre tugendhafte Beständigkeit in die Stadthymne hinein textete, darf der geneigte Stadtbewohner annehmen, dass eh alles bleibt, wie es ist. Am interessantesten und amüsantesten zu lesen sind Jahresprognosen und Jahreshoroskope ja ohnehin erst, wenn man sie nach 364 Tagen aus dem Schrank holt, abstaubt und abermals durchblättert.

Dass Prognosen und Vorhersagen aber nicht in jedem Fall für den Rundordner sind, zeigt sich, wenn man an Solothurns Schaufenstern vorbeibummelt: Die Ausverkauf-Schilder, die jetzt wie ein Nachglühen der Weihnachtsbeleuchtung in «50 Shades of Red» daherkommen, wird man auch während der kommenden elf Monate in den Gassen der Altstadt ertragen müssen. Nach Weihnachten ist vor Weihnachten. Denn obs schifft oder schneit, obs stürmt oder nicht: «Sale» – das weiss man im tugendhaft beständigen Solothurn – ist immer.

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