Stadttheater Solothurn
Der Baukran steht, das Stadttheater wird jetzt ausgehöhlt

Jetzt gehts los mit dem Umbau des Solothurner Stadttheaters. Seit Montag steht der Baukran im Kollegiumshof und dokumentiert den Baubeginn am 20-Millionen-Projekt.

Lucien Fluri
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Blick auf den Kran vom Turm der St. Ursenkathedrale
18 Bilder
Der mächtige Seitenarm des Krans
Der Kran wird aufgebaut.
Schaulustige beobachten den Aufbau.
Der Seitenarm wird angehoben.
Die Einzelteile des Krans werden aufeinander gesetzt.
Kran wird für den Stadttheater-Umbau aufgestellt
Blick auf die historischen Malereien von der Bühne aus.
Die barocken Malereien sind rund 200 Jahre alt.
Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt

Blick auf den Kran vom Turm der St. Ursenkathedrale

Lucien Fluri

Es wäre fast Solothurns schönster Arbeitsplatz geworden. Hoch über den Dächern der Altstadt schwingt seit Montag Nachmittag der Arm eines
48 Meter hohen Krans, der tagsüber im Kollegiumshof aufgebaut wurde. Doch seine Kabine wird leer bleiben. «Der Kran wird mit einem Joystick von unten bedient», sagt Bauleiter Thomas Oeler auf der Baustelle des Stadttheaters.

80 Tonnen Belastung bringt der Kran auf den Boden. Jedes einzelne der 5000 Kilogramm schweren Betonstücke für das Fundament hat ein mobiler Pneukran vom Klosterplatz aus über die Dächer an der Kronengasse in den Kollegiumshof gehoben. Ein rotes Stahlgerippeteil nach dem anderen wurde über die Häuser gehoben, bis der ganze Kran am Nachmittag zusammengesetzt war.

Seine rote Farbe wird die Silhouette Solothurns während der Stadttheatersanierung prägen. Bald wird der Kran die Baucontainer in den Kollegiumshof heben, später wird er schweres Baumaterial durch das geöffnete Dach des Administrationsgebäudes ins Innere des Theaters hieven. Ende 2014 soll das 20-Millionen-Projekt fertig sein.

Malereien sind noch drin

Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamtes, beobachtete gestern den Kranaufbau hinter den provisorisch angebrachten Absperrungen in der Theatergasse. «Als nützliche Fügung» bezeichnet es die Leiterin des Stadtbauamtes, dass der Kollegiumshof als Materialraum genutzt werden kann. Sonst hätte ein Bockgerüst in der Theatergasse aufgestellt werden müssen.

Während der Kran beim Kollegium aufgebaut wurde, warfen auf der anderen Seite Arbeiter Holzstücke aus dem ersten Stock des Theaters in die Mulde vor dem Stadttheater. Gestern haben sie mit dem Herausreissen der Böden begonnen, während daneben die Bühnentechnik abgebaut wird. Das ganze Haus entleert sich derzeit und wird langsam ausgehöhlt, während in der Fischer- und Theatergasse schon Gerüste hochgezogen und Abschrankungen gestellt worden sind.

In ihrer Hand hält Lenggenhager die Pläne, die sich nur noch wenig ändern dürften: Die Hauptarbeiten sind vergeben. In den nächsten 18 Monaten müssen nur noch Detailfragen wie der Schriftzug am Haus oder die Wahl der sanitären Einrichtung geplant werden. Dicke Dossiers mit Rissprotokollen aus allen umliegenden Häusern sind vor Baubeginn ebenfalls erstellt worden, um später zweifelsfrei nachweisen zu können, ob allfällige Schäden überhaupt vom Theaterumbau stammen können. Anwohnerinformation sowie eine frühzeitige Absprache mit der Stadtpolizei und dem Werkhof bezeichnet Lenggenhager als besondere Herausforderungen des Baus mitten in der Altstadt.

«Alt und Neu verbunden»

Während Arbeiter drinnen Böden und Bühnentechnik herausreissen, stehen die historisch wertvollen Malereien an den Brüstungen noch im Haus. Doch bereits morgen werden sie sorgfältig entfernt und zur Restauratorin gebracht. Schritt für Schritt gehe es vorwärts, erläutert Stadtbaumeisterin Lenggenhager ihre Pläne. «Es geht ja immer etwas, denn es sind drei Gebäudeteile» – sprich: Das Theatergebäude, das von Krieghaus und Administrationsgebäude flankiert wird. «Die Verbindung von Alt und Neu», reizt Lenggenhager am meisten an diesem Projekt.

Archäologie: Noch keine Klarheit

Die Pläne der Bauherren könnten derzeit nur noch die Archäologen durchkreuzen. Sie haben ihre Arbeiten im Krieghaus begonnen. In wenigen Wochen werden sie ins Administrationsgebäude ziehen, im Spätsommer dann das Haupthaus untersuchen. Ängste, archäologische Funde könnten die Bauarbeiten verzögern, können noch nicht abgetan werden. Bis jetzt seien es vor allem Arbeiten zur Baugeschichte des Krieghauses getätigt worden, so Lenggenhager. Die Grabungsarbeiten seien noch nicht so weit, dass man mehr Aufschluss über den Untergrund habe.

Das Theater selbst wird seine Theaterkasse nach der Sommerpause nördlich von St. Ursen aufschlagen, das Theaterbüro ist in eine leer stehende Villa an der Westumfahrung gezogen. Gespielt wird in der Reithalle, auf dem Zeughausplatz, im Kreuz-Saal sowie im Kunstmuseum.

Oben, vom Turm der St.-Ursen-Kathedrale, sieht auch der rote Kran klein aus. Der Turmwärter behält also den schönsten Arbeitsplatz Solothurns.