Krummturm-Schanze
Der Artilleriepark auf der Schanze muss wieder aufgehoben werden

Letzten Juli stellte der Artillerieverein mit viel Aufwand fünf historische Geschütze auf die Krummturm-Schanze. Nun müssen die fünf wieder weg.

Andreas Kaufmann
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Der Krumme Turm wird vom Artillerieverein benutzt
9 Bilder
Artilleriepark auf der Krummturmschanze
Radgürtelkanone
Kanone mit Mündungsbremse
Die Radgürtelkanone aus dem 19.Jahrhundert dürfte bleiben.
Nebst zwei- stehen auch vierrädrige Geschütze auf der Schanze
Weltkriegsgeschütz neben Barock-Befestigungserker
Feldkanone Kaliber 7,5 cm
Artilleriepark auf der Krummturmschanze

Der Krumme Turm wird vom Artillerieverein benutzt

Wolfgang Wagmann

Friedlich und stumm überwintern historische Geschütze auf der Krummturmschanze. Doch bildhaft ausgedrückt qualmt es auf der Bastion schon wieder aus allen Rohren, ebenso wie aus den Köpfen der Artilleriefreunde. Denn fünf der insgesamt sieben Exponate müssen weg. Dies liess das Stadtpräsidium den Artillerieverein Solothurn, der das Nutzungsrecht am Krummturm besitzt, bereits letzten September wissen. Im Vorfeld hatte der Verein zwei Kanonen und drei Haubitzen - alle aus dem 20. Jahrhundert - beim Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS bezogen und sie dann zu den bereits vorhandenen beiden Geschützen auf die Schanze gestellt.

Provisorisch oder definitiv?

Markus Reber, Turmschreiber und Aktuar des Artillerievereins, fühlt sich «von der Stadt verschaukelt» und hat sich alles andere als eine vorübergehende Lösung vorgestellt: «Es gibt auch das Prinzip von Treu und Glauben. Und hier hatten wir vom Stadtpräsidium eine klare Zusage.» Fakt ist: In einem Brief vom 5. Juli hatte Stadtpräsident Kurt Fluri grünes Licht für die Platzierung erteilt, am 6. Juli fuhr der Kran vor und hievte die Artilleriegeschütze über die Schanzenmauer. «Von diesen fünf neuen Geschützen waren nur deren drei umstritten und deshalb provisorisch bewilligt», hält Reber fest.

Umstritten deshalb, weil mit den Solothurner Sommerfilmen die zweite Nutzniesserin des Areals unter anderem einen möglichen Platzverlust bei der Bestuhlung befürchtet hatte. «Wir waren lediglich angehalten, auf die Belange der Sommerfilme Rücksicht zu nehmen. Weitere Auflagen gab es nicht.» Reber argumentiert weiter: «Im Umkehrschluss war also die Bewilligung der beiden anderen Geschütze definitiv.»

Politisch wenig chancenreich

Doch wie definitiv war die «klare Zusage» der Stadt wirklich? Der Brief Fluris von Juli lässt Interpretationsspielraum offen, was die Dauerhaftigkeit der Genehmigung angeht. Doch die Schanze sei von Anfang an als eine Zwischenlösung gedacht gewesen, «etwas anderes hätte ich gar nicht genehmigen können», sagt der Stadtpräsident. Klar ist, dass man zunächst austesten wollte, ob ein «Nebeneinander» der drei umstrittenen Geschütze und des Open-Air-Kinos möglich sei, um danach über die Platzierung zu befinden. Würden die Interessen des Alten Spitals als Sommerfilme-Veranstalter zu stark beeinträchtigt, müsse eine andere Lösung für das Armeematerial gefunden werden, so die Einschränkung seitens des Stadtpräsidiums.

Artillerieverein Solothurn und Umgebung stellt Haubitzen auf die Krummturmschanze
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Die 150 mm Haubitze in Warteposition die Feldkanone 75 mm entschwebt
Artillerieverein Solothurn und Umgebung die 150 mm Haubitze wird auf die Schanz gehievt
Die 150mm Habuitze wird vom Tiefbettaufleger geholt
die 105 cm Kanone ist angekommen vorne die Radgürtelkanone 1889
Artillerieverein Solothurn und Umgebung die 150 mm Haubitze wird auf die Schanz gehievt
Artillerieverein Solothurn und Umgebung die 150 mm Haubitze ist positioniert

Artillerieverein Solothurn und Umgebung stellt Haubitzen auf die Krummturmschanze

Dann kam alles anders: Reaktionen aus der Bevölkerung sowie eine Interpellation von Franziska Roth (SP) hinterfragten die Rechtmässigkeit eines Artillerieparks auf der Schanze kritisch. Zwischenzeitlich sei es nämlich nicht mehr primär um Interessenkonflikte mit den Solothurner Sommerfilmen gegangen, erinnert sich Fluri: «Ich versuchte, eine Lösung zu finden, die die Interessen des Artillerievereins, des Alten Spitals und der Öffentlichkeit berücksichtigt.

Aber aufgrund der Reaktionen in den Medien als auch in den zuständigen Gremien musste ich feststellen, dass sich für die fünf Kanonen keine Lösung abzeichnet.» Da die Stadt Besitzerin der Schanze ist, hat der Gemeinderat respektive die Gemeinderatskommission über deren Nutzung zu befinden. Nach Fluris Einschätzung wäre es wenig chancenreich gewesen, die Zustimmung des Rats zu erhalten. Zumal wäre eine Baubewilligung erforderlich, da die Schanze quasi zum «Waffenmuseum» umgenutzt werden müsste und für einen Teil der Exponate zudem feste Sockel erstellt werden müssten.

Es droht nun die Räumung

Noch sind die Geschütze vot Ort. Dabei wäre die «Abrüstung» längstens überfällig. Drei Monate kann eine provisorische Platzierung bewilligt werden, mehr als sechs Monate sind vergangen. So kündigt Gaston Barth, Leiter des städtischen Personal- und Rechtsdienstes, jetzt an: «Wenn nicht schon in die Wege geleitet, wird die Baukommission nun den rechtmässigen Zustand wieder herstellen», sprich: die Räumung könnte bald folgen. Nicht davon betroffen sind die beiden Geschütze, die schon seit Jahrzehnten auf der Schanze stehen.

Mehrere Tausend Franken habe die Platzierung gekostet, die doch nur provisorisch ist, stellt Reber zähneknirschend fest. Noch aber wirft der Artillerieverein die Flinte nicht ins Korn: Einerseits will man abermals das Gespräch mit anderen Nutzniessern suchen, um nach erfolglosen Versuchen vielleicht doch noch einen Kompromiss zustande zu bringen. Andererseits macht sich Reber aber auch auf die mögliche Umplatzierung gefasst: «Immerhin hat die Stadt in Aussicht gestellt, sich an den Kosten zu beteiligen.» Derweil ist der Verein auf der Suche nach einer Platzalternative, «idealerweise in einer Halle», so Reber: «Es geht uns um die Erhaltung der Geschütze in einem geschichtlichen Kontext.»