Solothurn
Der «Acht-Wochen-Laden» ist mehr als ein «Edel-Brocki» auf Zeit

20 Idealisten beleben bis 5. Januar mit alten und neuen Schätzen einen Laden am Friedhofplatz in Solothurn.

Andreas Kaufmann
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Das von Ursina Steinbeck initiierte Projekt soll die Freude am Alten und Selbstgemachten bewahren.

Das von Ursina Steinbeck initiierte Projekt soll die Freude am Alten und Selbstgemachten bewahren.

zvg

Ein nostalgischer Bäbiwagen, im Hintergrund ein edles Sofa, Figurenstatuen, aneinandergereihte Halsketten. Als wärs das Schaufenster eines Antiquariats, das seit eh und je am Friedhofplatz Trouvaillen von anno dazumal feilbietet: Doch der «Acht-Wochen-Laden», der seit dem 15. November an der Hausnummer 1 in der Liegenschaft der früheren «Gloria»-Textilpflege Kundschaft anlockt, hat sich den Namen zum Programm – oder besser: das Programm zum Namen gemacht.

Es gibt ihn auf Zeit – und damit gehört er in die Kategorie jener Geschäfte, die neuerdings unter dem Phänomen «Pop-up»-Läden bekannt sind. Die Initiantin Ursina Steinbeck zieht aber als Bezeichnung den «Acht-Wochen-Laden» vor, während das Projekt unter dem offiziellen Titel «Freude» läuft. «Es geht um die Freude am Ausstellen und Verkaufen und um Bewunderung, ja gar Ehrfurcht vor der Herstellung der Produkte.»

20 ambitionierte Idealisten

Und genau hier hat die Ladenidee ihren Ursprung: als Steinbeck die spontane Lust packte, im eigenen Haushalt auszuräumen, was zwar ungenutzt, aber doch kostbar genug ist, um einen neuen Besitzer zu verdienen. Nachdem sie mit ihrer Ware bei einigen Gebrauchtwaren-Geschäften in Solothurn vorstellig geworden war, besann sie sich, eigene Wege einzuschlagen und einen eigenen Laden zu eröffnen – auf Zeit. Nach einiger Suche fand sie inmitten einiger Leerstände, die wegen zu hoher Miete für ihre Pläne kaum realistisch waren, einen interessierten Hausbesitzer. Bald hatte sie durch Nachfragen im Bekanntenkreis dann auch die Gruppe zusammen, die sich dem Laden widmen würde.

Es sind dies rund 20 Idealisten zwischen 40 und 80, die sich für die Idee hinter der Theke oder hinter der Bühne starkmachen. Und so werden in der «Edel-Brocki», wie Steinbeck selbst sagt, nicht nur von Staub befreite Trouvaillen, sondern auch neu geschaffene Schätze aus der Hand von Mitgliedern der Gruppe feilgeboten. Eine Floristin aus dem dem Team bietet zudem vom Samstagsmarkt übrig gebliebene Blumen an. Und eine Künstlerin, eine Dekorateurin, eine Polsterin und ein Tischler wirken ebenfalls mit.

Die Miete wird über einen Anteil des Verkaufserlöses finanziert. «Den einen geht es um einen kleinen Zusatzverdienst», sagt Steinbeck, «den anderen darum, dass Gebrauchtes nicht einfach im Müll landet.» Passend zur Vorweihnachtszeit lenkt der Laden den Blick somit weg von der Massenware hin zum Besonderen: Was für unters Bäumchen gekauft wird, darf auch eine Geschichte haben, findet die Initiantin.

Steinbeck zeigt Puppen, die sie an ihre eigene Kindheit erinnern. Dann hievt sie eine schwere Kupferpfanne empor, die davon erzählt, mit welcher Mühsal früher gekocht wurde. Weiter trifft man im festlich geschmückten Lädeli auf Weihnachtsdekor, Kleinmöbel, Schmuck, Foulards, Geschirr, Ingwer-Produkte, Kunstskulpturen, Kunstkarten, Stickereien, CDs und Schallplatten und – nach Weihnachten noch mehr – auf Kleider.

Funde aus vielen zeitlichen Epochen, vielen Stilrichtungen. Und die Resonanzen der Kundschaft, die hier noch bis zum 5. Januar vorbeischauen kann, fallen sehr positiv aus. Laut Steinbeck hat sich so gezeigt: «Hier findet sich etwas für jeden.»

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