Wenn Beruf zur Berufung wird, hat man seine erfüllende Lebensaufgabe gefunden. Dies trifft auf Brigitte Kober zu, die seit 1990 die Haushaltungsschule Hohenlinden leitet. Als Lehrerin für Hauswirtschaft gehörte sie seit 1985 dem Kollegium an, übernahm die Stellvertretung der damaligen Heimleitung und besuchte während dieser Zeit einen insgesamt drei Jahre dauernden, berufsbegleitenden Heimleiterkurs, den sie mit einem eidgenössischen Diplom als Heimleiterin abschloss. «Damals waren wir hier im 1962 gegründeten Hohenlinden ein kleines Tam von nur acht Personen, die neben pädagogischen Kernaufgaben auch weitere Pflichten wie Nacht- und Wochenenddienste für die 20 lernenden jungen Frauen übernahmen», erinnert sie sich.

Heute bestehen Kollegium und Administration aus 22 Mitarbeitenden, die sich 17,5 Vollzeitstellen teilen und alljährlich rund 35 junge Menschen begleiten. «In diesen 28 Jahren meiner Leitungstätigkeit hat sich viel verändert», fasst die bis zum 1. April amtierende Heimleiterin viele der geänderten Rahmenbedingungen in der Bildungslandschaft zusammen. Früher gab es in der Institution nur die zweijährigen Anlehren, die sich aber danach mit vorgegebenem Bildungsniveau und -inhalten in die Eidgenössische Berufsattest-Ausbildung (EBA) wandelten. Als Mitglied der damals zuständigen eidgenössischen EBA-Kommission brachte Kober wichtige Impulse in die Neugestaltung des Unterrichts für das sich ändernde Berufsfeld ein. Seit langem führt die Schule nun junge Frauen und inzwischen sogar junge Männer in zwei Jahren zu diesem Abschluss und vermittelt daneben eine praxisnahe Ausbildung als Hauswirtschaftspraktikerin/-praktiker.

Auch die Durchlässigkeit zum Erwerb des eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses ist schulintern gewahrt. Ausbildungskombinationen gehören immer deutlicher zum Schulalltag, indem die speziellen Bedürfnisse von Fachgebieten schwerpunktmässig im Unterricht berücksichtigt werden. Sistiert und gründlich evaluiert wird gegenwärtig das kantonal angestossene Pilotprojekt 2016/17 für junge Asylsuchende. Es stellte sich bezüglich der beteiligten Migranten aus Eritrea heraus, dass vor der praktischen Ausbildung ausreichende Kenntnisse der Landessprache vermittelt werden müssen.

Externe Projekte

«Mit der Invalidenversicherung als unserem wichtigsten Partner, der für die Zuweisung unserer Schülerinnen und Schüler zuständig ist, verbindet uns ein vertrauensvolles Verhältnis. Das IV-Ziel lautet, möglichst alle Schützlinge in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein ebenso gutes Verhältnis verbindet uns mit unserem, aus wichtigen Berufsgruppen besetzten Stiftungsrat, der unser flexibel agierendes Kollegium und natürlich auch mich umsichtig unterstützt», weiss sich Brigitte Kober kompetent begleitet. «Unser 1999 umgebautes Gebäude Hohenlinden ist in den letzten Jahren nicht nur die schöne Villa am Berg. Ebenso kennt die Bevölkerung von Marktständen, der Präsentation an Berufsmessen und «Tagen der offenen Tür» unsere Institution und ihre Angebote», erläutert sie. Längst ergänzen je eine begleitete und eine enger betreute Aussenwohngruppe den Schul- und Internatsbetrieb.

Zudem nehmen die Lernenden mit zahlreichen externen Projekten am sozialen und öffentlichen Leben teil. So finden diverse Aktionen wie Praktika in Betrieben und auf Auftragsbasis etwa die Mithilfe im Restaurant des Alters- und Pflegeheims Wengistein, in der HPS-Solothurn oder bei einem Lebensmittellogistiker statt.

«Das Beste allerdings sind unsere über die Jahre doch zahlreichen Veranstaltungen, an denen die jungen Menschen kräftig mithelfen und Einblick in derartige Vorbereitungen gewinnen», weiss die Heimleiterin aus zahlreichen Rückmeldungen aus dem Kreis der Ehemaligen. Unvergessen bleiben auch schaupielerische und musikalische Auftritte der jeweiligen Jahrgänge, die sich sogar ein Mal mit professionellem «Support» für die Aufführung des Musicals «Grease» begeistern liessen.

«Am Puls der Zeit»

Brigitte Kober blickt gerne auf ihre Amtszeit zurück, die sie jetzt aus privaten Gründen vorzeitig beendet. Der Abschied wird ihr nicht leicht fallen. «Ich liebe den Umgang mit jungen Menschen. Damit bleibt man am Puls der Zeit.» Bewältigt habe sie die vielseitige und anspruchsvolle Aufgabe mit Hingabe, weil ihre Teamkollegenschaft stets so ideenreich mitgearbeitet und «mitgezogen» habe. «Wir arbeiteten nie an dem doch negativ besetzten Begriff Probleme, die ja lösbar sind, sondern wir suchten gemeinsam die Herausforderungen, die zu neuen Strategien und Wegen anregen.» Die Nachfolgerin in der Institutionsleitung ab 1. April heisst Tatjana Zeljko, die als Lehrperson seit acht Jahren zum Kollegium zählt. Bis zur Schulschlussfeier im Juli steht Brigitte Kober zu deren Einarbeitung zur Verfügung.