Solothurn
Den Wald gibts nicht gratis

Der Bürgergemeinden- und Waldeigentümerverband Solothurn-Lebern-Wasseramt lud zum Thema «In-Wert-Setzung von gemeinwirtschaftlichen Waldleistungen» ein. 40 Besucher verfolgten in Solothurn Kurzreferate von fünf Revierförstern und ein Podium, geleitet von Verbandspräsident Konrad Imbach.

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Die Fällaktion von Eschen in der Verenaschlucht war extrem aufwendig.

Die Fällaktion von Eschen in der Verenaschlucht war extrem aufwendig.

Hanspeter Bärtschi

Die Waldeigentümer betreiben einigen Aufwand, um neben der Holzproduktion auch Leistungen in den Bereichen Naturschutz, Schutz vor Naturgefahren und Erholung anzubieten. In Zukunft ist das Ausmass der unentgeltlichen Waldleistungen gefährdet. Die Holzproduktion, früher ein lukratives Geschäft, verlor immer mehr an Bedeutung und deckt heute nicht mehr alle im Wald anfallenden Kosten. Heute liefere der Wald längst nicht mehr nur Holz als Baustoff und Energiequelle, erklärte Patrik Mosimann in seinem Referat.

Der Wald schütze die Bevölkerung vor Naturgefahren wie Steinschlägen, Murgängen oder Lawinen und sei ein wichtiges Wasserreservoir. In der Freizeit erholen sich viele Menschen im Wald. Da jede Leistung für den Waldeigentümer mit Kosten verbunden sei, habe sich in der Vergangenheit eine Kostenschere geöffnet. Um die Waldleistungen weiterhin in gewohntem Umfang anbieten zu können, müsse sich die Bevölkerung stärker an den Kosten beteiligen, so Mosimann. Die Erhöhung des Wald-Fünflibers fände er dazu eine gute Lösung.

Hoher Preis für die Einsiedelei

Wo verschiedene Ansprüche auf der gleichen Fläche aufeinandertreffen, entstehen Konflikte, sagte Alois Wertli. Die Waldbesitzer möchten die Wälder nachhaltig und kostendeckend bewirtschaften. Die Bevölkerung fordere neben Freizeitangeboten erholsame, ruhige Wälder. Künftig müssten Waldbesitzer Prioritäten setzen und sich fragen, welche Leistungen der Öffentlichkeit zu welchem Preis angeboten werden können.

Als Negativ-Beispiel erwähnte Alois Wertli den Sicherheitsholzschlag in der Einsiedelei, bei dem absterbende Eschen geschlagen wurden. Die Waldeigentümerin musste dabei sehr hohen Aufwand fürs Absperren des Holzschlages betreiben und sich auch noch für den Holzschlag rechtfertigen.

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen sind die Waldbesitzer auf die Vermarktung der CO2-Senkenleistung gestossen. Nimmt der Holzvorrat im Wald zu, können für das gebundene CO2 handelbare Zertifikate ausgestellt werden. Mark Hunninghaus sieht im Emissionshandel grosses Potenzial und schätzt für die öffentlichen Wälder des Kantons Solothurn – bei sehr konservativer Betrachtung – die potenziellen Einnahmen auf rund 200'000 Franken pro Jahr.

Noch sind sich in der Schweiz nicht alle Akteure einig, in welchem Rahmen der Wald in den Emissionshandel integriert werden soll. Heute beansprucht das Bundesamt für Umwelt (Bafu) die Einnahmen der CO2-Senkenleistung des Schweizer Waldes komplett für sich. Bei der politischen Diskussion seien insbesondere die Waldverbände gefordert, so Hunninghaus.

Grundwasser als Finanzquelle?

Schwieriger wird das Anzapfen des Grundwassers als Finanzquelle. Zwar haben Grundwasserschutzzonen für die Waldeigentümer Auflagen bei der Bewirtschaftung zur Folge, doch für den Mehraufwand sind vom Gesetzgeber keine Abgeltungen vorgesehen. Daniel Schmutz findet stossend, dass die Landwirte im Gegensatz zu den Waldeigentümern Anspruch auf Abgeltungen haben. Allenfalls könnten freiwillige Vereinbarungen mit den Inhabern der Wasserfassungen ausgehandelt werden.

Auf den Waldfünfliber könne der Kanton Solothurn stolz sein, da andere Kantone noch weit entfernt von einem Abgeltungssystem zugunsten der Waldeigentümer seien, meint Thomas Studer. Das Geld wird für gemeinwirtschaftliche Leistungen eingesetzt. Arbeiten zugunsten der Sicherheit, Öffentlichkeitsarbeit und Waldpflege verursachen immer mehr Kosten, die mit dem Waldfünfliber nicht mehr gedeckt werden können.

Damit die Erhöhung des Waldfünflibers politisch akzeptiert wird, müssen die Kosten genau beziffert und offengelegt werden. Nur wenn der Bevölkerung bewusst ist, welche Leistungen von den Waldeigentümern erbracht werden, ist sie bereit, dafür zu bezahlen.

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