TV Kaufleute

«Den Spitzensport überlassen wir ganz den Kunstturnern»

TV-Kaufleute-Präsident Patrick Wachsmuth setzt den Vereinsfokus auf die Förderung des Breitensports.

TV-Kaufleute-Präsident Patrick Wachsmuth setzt den Vereinsfokus auf die Förderung des Breitensports.

TV Kaufleute-Präsident Patrick Wachsmuth über Nachwuchsförderung und den sportlichen Nährboden der Stadt Solothurn.

An den Schaukelringen hat sich der TV Kaufleute Solothurn in den vergangenen Jahren ein schweizweites Renommee geschaffen. Die Hauptaufgabe seines Vereins sieht Präsident Patrick Wachsmuth aber in der Förderung des Breitensports, und er findet, die Stadt Solothurn sei noch weit weg davon entfernt, sich das Label Sportstadt zu verdienen.

«Über den Ferienpass bin ich als Sechsjähriger zum TV Kaufleute gestossen», blickt der heute 33-jährige Präsident Patrick Wachsmuth auf das Ereignis zurück, das ihn als gebürtigen Langendörfer ins Solothurner Schulhaus Brühl verschlagen hat. Sein Ziel ist es, den Turnverein wieder etwas breiter abzustützen. «Das führt in erster Linie über die Nachwuchsförderung. Wer über 16 Jahre alt ist, der wird nur noch in absoluten Ausnahmefällen ein Turner.» Deshalb habe man mit dem «Fun Gym» nun eine neue Sparte geschaffen. «Es geht um Bewegung ohne Wettkampfdruck. Den sportlichen Ehrgeiz leben unsere Mitglieder beim Einzelwettkampf oder beim Vereinsgeräteturnen aus. Wir möchten aber auch den Leuten etwas anbieten, die es etwas ruhiger nehmen möchten.»

Die Herren der Ringe

Die Kaufleute fördern also den Breitensport und bei einigen Geräten geht es in Richtung Leistungssport. Das Aushängeschild ist die Gruppe an den Schaukelringen. An diesem Gerät wurden die Kaufleute 2012 Jugendmeister und vor zwei Jahren Zweiter an den Schweizer Meisterschaften. Am 1. Juli wurde die Schaukelringgruppe in Hubersdorf mit der fantastischen Note 9.80 Solothurner Kantonalmeister.

«Den Spitzensport überlassen wir aber ganz den Kunstturnern, die in der Raiffeisen-Halle trainieren», präzisiert der Präsident die Ausrichtung seines Vereins. «Wenn wir bei uns ein Talent entdecken, geben wir es weiter. Aber meistens läuft es umgekehrt. Wenn die Kunstturnerinnen und Kunstturner erkennen, dass es nicht bis ganz an die Spitze reicht, dann wechseln sie zu uns.»

Auf der anderen Seite gibt es auch Sportarten, die vom Geräteturnen profitieren. So hat zum Beispiel der Skiakrobat Mischa Gasser die Saltos und Schrauben bei den Kaufleuten gelernt. «Mit den Liestaler Trampolinspringern haben wir ein sehr gutes Verhältnis und diese bieten unseren Juniorinnen und Junioren die Chance, in den Spitzensport zu wechseln.»

Unterstützung durch die Stadt

Das Verhältnis zum Hauswart sei ausgezeichnet. «Die ganze Familie Ravicini turnt bei uns und unterstützt uns in allen Bereichen», sagt Wachsmuth. Auch das Verhältnis zur Stadt sei sehr gut. Die normale Jahresgebühr für die Nutzung der Halle im Brühl sei mit 7000 Franken vernünftig, aber der Vereinspräsident gibt zu bedenken: «Es gibt Turnvereine in der Region, die die Halle in ihrem Dorf gratis benützen dürfen.» Auf der anderen Seite bekommen die Kaufleute pro Kind, das bei ihnen turnt, einen schönen Unterstützungsbeitrag von der Stadt.
Schwierig werde die Situation, wenn man einen grösseren Anlass plane.

«Die Hallenmieten für ein Wochenende sind so hoch, dass von den Einnahmen eines Festes wie der Abendunterhaltung nicht viel übrig bleibt.» Im Schulhaus Brühl, wo der TV Kaufleute trainiert, gibt es eine Zweifachhalle. «Für grössere Wettkämpfe braucht es eine Dreifachhalle mit Tribüne. Aber das Sportzentrum CIS ist ganz einfach nicht mehr in einem Zustand, wie es sein sollte.»

Insgesamt findet Patrick Wachsmuth deshalb, dass Solothurn noch weit davon entfernt ist, eine Sportstadt zu werden. «Es gibt bei uns zwar ein breites sportliches Angebot, aber das Miteinander der Vereine fehlt. Jeder arbeitet auf eigene Faust. Auch mit der städtischen Sportkommission haben wir kaum je Kontakt. Der Vereinigung für Sport, Stadt und Region Solothurn, fehlen die Visionen. Es ist schön, dass man beim VSS-SO ab und zu zusammensitzt und alles Mögliche bespricht. Aber dann verläuft alles wieder im Sand.»

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