Stadtbummel Solothurn
Den Menschen ein Wohlgefallen

Mark A. Herzig
Mark A. Herzig
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Der Stadtbummler wurde von Nostalgie befallen, als er das kleine Schlittschuhfeld, umgeben von den Häuschen betrachtete.

Der Stadtbummler wurde von Nostalgie befallen, als er das kleine Schlittschuhfeld, umgeben von den Häuschen betrachtete.

Andreas Kaufmann

Das laufende Jahr scheint am Dreikönigstag aufzuhören. Das neue beginnt aber kaum am 7. Januar. Das hat nichts mit Brüssel und dem Sommer-/Winterzeit-Gschtürm zu tun, sondern mit ganz lokalen Begebenheiten. Die Cuno-Amiet-Ausstellung im Kunstmuseum hört am 6. Januar auf. Also noch schnell hin, denn sie ist sehenswert und lehrreich. Ein Kontrast dazu, ebenfalls sehenswert und spannend, ist der Kunstsupermarkt, auch er schliesst am 6. Januar. Weitere solche «Zeitrechnungen» gibt es etliche, nicht zu vergessen die Ambassadorenkrippe in der Jesuitenkirche.

Das Winterwunderland auf dem Dornacherplatz allerdings schliesst am 22. Dezember. Aber wir können uns dort jetzt schon verzaubern lassen. Dem Stadtbummler ist das passiert, genauer: Er wurde von Nostalgie befallen, als er das kleine Schlittschuhfeld, umgeben von den Häuschen betrachtete. Seine Gedanken schweiften zurück in Zeiten, da wir uns noch auf dem Eisfeld des Tennisplatzes Herrenweg tummeln konnten – solange es kalt genug war.

Das waren auch noch die Zeiten, da bei genügend Schnee die Werkhofstrasse vom Konzertsaal bis hinunter zur Union, so hiess der heutige Greibenhof damals, die halbe Fahrbahn gesperrt wurde, damit wir Kinder schlitteln konnten. Man stelle sich so etwas in der heutigen Zeit vor.

Zurück auf den Dornacherplatz. Wird dort in vier Jahren in der Adventszeit wieder ein Public Viewing stehen? Neben dem Winterwunderland? Gut möglich. Denn dann wird im Wüstenstaat Katar die Fussball-WM gespielt – mit der Schweiz? Der Bummler stellt sich schon die mit Samichläusen (rot-weiss gewandet) gefüllte Tribüne vor. Sie blicken in der Zeit, wenn Neymar sich am Boden wälzt oder sonst Pause ist, aufs Dörfchen hinunter. Vielleicht liegt da auch noch etwas Sand vom letzten Beach-Event, über den allenfalls Kamele, echte, vierbeinige Schwielensohler, schreiten, falls sich die «Wiehnachtsreis» in die Vorstadt ausweitet.

Die stimmungsvolle Veranstaltung, mit der die Weihnachtsgeschichte szenisch nacherzählt wird, bleibt am 16. Dezember noch in der linksufrigen Altstadt. Römische Legionäre mit ihren auf dem Pflaster klingenden Spiessen sorgen – wie vor 1800 Jahren – für geordneten Eintritt und auch sonst Ruhe und Ordnung. Ob das für Fussball ausreichen würde?

So änderten Zeiten und Gebräuche. Was man auch von der Festtags-Beleuchtung sagen kann: Die römische wollen wir einmal beiseitelassen, nur an die Anfänge der «modernen» Weihnachtsbeleuchtung erinnern. Während in den Hingeren Gassen Plastik-Sterne strahlten, taten dies in den Hauptgassen die «Igel» – da war man entweder dagegen oder dafür. Die heutige scheint allgemein zu gefallen.